Ein Mythos wird widerlegt: Die Jugend wählt nicht links
Umso jünger der Wähler, desto wahrscheinlicher ist es, dass er sich für eine linke Partei entscheidet. Dieser Glaubenssatz beherrschte jahrelang die politische Landschaft in Deutschland. Zahlreiche junge Menschen würden unter dem Einfluss grüner Lehrer und woker Ideen in den Universitäten, immer weiter nach links rutschen, so die Feststellung.
Doch der Wind hat sich gedreht. Die Wahlen in Bayern und Hessen zeigen: Immer mehr junge Leute entscheiden sich bewusst für nicht-linke Parteien.
Demnach stimmten 22 Prozent der Erstwähler in Bayern für die CSU. Die größten Zuwächse unter diesen jungen Menschen verzeichnete jedoch die AfD. 18 Prozent der Erstwähler entschieden sich für die AfD, das sind in der Altersgruppe ganze 10 Prozentpunkte mehr als noch 2018. Bei den 18- bis 24-Jährigen kommen CSU, Freie Wähler und AfD laut Infratest zusammen auf 51 Prozent – und bilden somit eine Mehrheit unter den jungen Leuten.
Die jungen Leute in Bayern wählten mehrheitlich nicht links.
Auch in Hessen zeigen sich ähnliche Ergebnisse. Bei den 18- bis 29-Jährigen erreichte die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen 17 Prozent. Das entspricht einem deutlichen Plus im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren. Besser schnitt in dieser Altersgruppe nur die CDU ab. Sie kam auf 21 Prozent. Erst an dritter Stelle landen in dieser Altersgruppe die Grünen.
„Bei den Wahlen scheint das Thema Migration für viele, gerade auch für Jüngere eine wichtige, wenn nicht entscheidende Rolle gespielt zu haben, und dementsprechend hat ein Teil der Jungwähler für die AfD oder die Freien Wähler gestimmt“, erklärte der Politikwissenschaftler Jürgen Falter gegenüber Ippen.Media die Ergebnisse in Bayern.
Schon seit der Bundestagswahl 2021 wird an dem Glaubenssatz gerüttelt, alle jungen Leute seien durchweg links: Damals erreichte die FDP den ersten Platz unter den Erstwählern. Sie teilte sich den Spitzenplatz mit den Grünen. Beide Parteien lagen hier bei jeweils 23 Prozent. Bei den im gleichen Jahr stattfindenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt kam die AfD mit rund 20 Prozent auf den ersten Platz bei den unter 30-Jährigen und verwies damit die CDU auf den zweiten Platz. Erst dahinter folgten die Grünen.
Auch in anderen europäischen Ländern wählen junge Menschen nicht immer links
Übrigens lässt sich das Phänomen auch in anderen europäischen Ländern beobachten. In Schweden entschied sich bei der Wahl 2022 eine Mehrheit der 18- bis 29-Jährigen für die Parteien der späteren Minderheitsregierung, die von den Schwedendemokraten unterstützt wird. Die konservative Partei der Moderaten kam auf 24,8 Prozent der Jungwählerstimmen, die Schwedendemokraten erhielten 18 Prozent. Die Christdemokraten kamen auf vier Prozent, die Liberalen auf fünf Prozent. Das sind zusammen knapp 52 Prozent.
Auch in Frankreich unterstützen zahlreiche junge Menschen die politische Rechte. Über die vergangenen Jahre wuchs ihr Anteil an den Stimmen für Marine Le Pen (Rassemblement National) weiter an. Eine Analyse der Präsidentschaftswahl 2022 zeigt, dass sich 49 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in der Stichwahl für Le Pen entschieden haben. Bei den 18- bis 24-Jährigen kam die RN-Chefin auf 39 Prozent. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung lag ihr Anteil bei den Wählern bei 41 Prozent, bei Wählern über 70 Jahren kam sie dagegen nur auf 29 Prozent.
Der Anteil der Le Pen-Wähler unter den 25- bis 34-Jährigen
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