Gepiepe, Unfälle, Raubüberfälle: Der E-Scooter-Wahnsinn in unseren Städten
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Vielen erleichtert das kleine Kraftfahrzeug das Leben – andere bekommen beim bloßen Anblick einen Puls von 180: der E-Scooter. Bei diesen Mini-Fahrzeugen kochen sehr oft und völlig zu Recht die Emotionen hoch!
Unzählige Berufstätige hüpfen am frühen Morgen auf den Elektroroller. Rasch geht’s damit zur Arbeitsstätte – anstatt in einer überfüllten U-Bahn zu stehen oder im Verkehrsstau festzustecken. ABER: für diejenigen, die nicht auf den Leihrollern stehen, wird der E-Scooter zum Dauer-Aufreger. Der Scooter-Wahnsinn überwiegt mittlerweile die Scooter-Nützlichkeit.
Jetzt wird in der ersten Großstadt das kleine Leih-Fahrzeug verboten. Konkret: in Gelsenkirchen – jedenfalls vorerst, denn die Leihroller-Anbieter könnten noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen. Und tatsächlich wäre es gar nicht soooo schlimm, wenn auch andere deutsche Städte mit Verboten nachziehen würden. Dann könnten einige Städte in Deutschland aufatmen.
Wieso? Dafür gibt es viele Gründe!
Beispiel 1: Wenn der E-Roller zum Hauptstadt-Chaos wird
Verbote sind immer doof! Aber nervige, gefährliche E-Scooter eben auch.
Gewissenlos und nahezu skrupellos werden die E-Scooter an allen mögliche Orten abgestellt. Entweder stehen sie mitten im Weg. Oder sie liegen auf der Straße herum, sodass man darüberzufallen droht. Oft findet sich sogar ein Scooter-Haufen auf dem Boden: Mehrere Roller liegen aufeinander – und das dann auch oftmals dreist auf Radwegen.

Umgefallen oder umgeworfen: E-Scooter liegen häufig auf der Straße herum.
Das ist lebensgefährlich! 2020 traf es beispielsweise in Bremen einen blinden Mann, der sich schwer verletzte – Oberschenkelhalsbruch. Noch schlimmer, ein Fall aus 2023: Im März stürzte in Gelsenkirchen-Erle ein 59-jähriger Mann über einen E-Roller und starb.
Noch gefährlicher sind aber die häufig rücksichtslosen E-Roller-Fahrer selbst. Als Fußgänger ist man auf den Straßen dauerwachsam. GRUND: Die Gefahr von einem E-Scooter umgefahren zu werden ist auf Bürgersteigen gefühlt größer geworden, als von einem Fahrrad überrascht zu werden.
Noch viel gefährlicher: Viele von den Rüpel-Fahrern sind am Abend und in der Nacht betrunken. Deshalb hat zum Beispiel das Oberlandesgericht in Frankfurt letztes Jahr entschieden, dass die Trunkenheitsfahrt mit einem E-Roller die gleichen Promillegrenzen wie die eines Kraftfahrzeugs haben soll. Auch kommt es immer wieder vor, dass Fahrer unter Drogeneinfluss stehen.
Das Resultat: immer mehr Unfälle, immer mehr Anzeigen. Mittlerweile bereiten die Roller der deutschen Justiz Kopfschmerzen.
Beispiel 2: Explosionsrisiko im ÖPNV
Achtung, das ist KEIN Scherz. Elektrisch betrieben Roller sind eine echte Sicherheitsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln!
In Bahn und Bussen sind deshalb die E-Scooter bereits in mehreren Städten und Bundesländern verboten (zum Beispiel in Bochum, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Duisburg, Wuppertal). Die verbauten Lithium-Ionen-Akkus haben einen zu niedrigen Sicherheitsstandard.
Bedeutet: Die Brand- und Explosionsrisiko ist ernsthaft erhöht. Auch steigt durch den Akku-Brand die Gefahr einer gesundheitsschädlichen Rauchgasfreisetzung.
Wirklich passiert: In Madrid (Spanien), London (Großbritannien) und Barcelona (Spanien) haben die Elektro-Fahrzeuge bereits Brände und Explosionen in ÖPNV-Fahrzeugen ausgelöst. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stufte es als ein Risiko ein, das jederzeit auch in Deutschland passieren könne.

Ein E-Roller Fahrer an einer Ampel in Berlin.
Beispiel 3: Neues Tat-Mittel für Raubüberfälle
Derzeit entsteht in Deutschland wohl eine neue Krimi-Realität durch den E-Scooter. Denn dieser hat ganz offensichtlich das Potenzial, zum neuen Tat-Mittel für Taschendiebstähle und Raubüberfalle zu werden.
So wurde zum Beispiel am 24. Februar ein 59-Jähriger in Herford (NRW) überfallen. Die Tat ereignete sich im Bereich des Herforder Bahnhofs – der Täter: ein E-Scooter-Fahrer. Als der 59-jährige Mann gegen 20:30 Uhr durch die Fußgänger-Unterführung am Bahnhof lief, wurde er von hinten von dem etwa 25-jährigen Fahrer überrascht und angefahren. Der Mann stürzte daraufhin zu Boden und verletzte sich.
Der fiese Trick: Der Scooter-Kriminelle gab zunächst vor, dem Geschädigten helfen zu wollen – doch dabei klaute er ihm das Portemonnaie und flüchtete mit dem E-Scooter.
Andere Beispiele:
- Am 13. April überfielen in Köln (NRW) zwei Jugendliche gegen 14:30 Uhr eine Tankstelle. Die Räuber flüchteten mit ihren elektronischen Rollern.
- Am 22. Dezember 2023 überfielen zwei Unbekannte am Nachmittag einen Juwelier im Fürther Stadtgebiet (Mittelfranken). Auch dieses Diebesduo flüchteten mit E-Scootern.
- Am 25. Oktober 2023 soll ein Mann in Kerpen (NRW) mit einer Pistole eine 58 Jahre alte Angestellte in Büroräumen bedroht haben. Er bedrohte die Frau und forderte Bargeld. Die Kriminal-Ermittler gehen davon aus, dass der Täter mit einem E-Scooter zum Tatort gefahren ist und damit flüchtete. Die Polizei Rhein-Erft-Kreis fahndet nach dem Mann.

Nach diesem Mann fahndet die Polizei in NRW wegen schwerem Raub: Er bedrohte eine Frau mit einer Pistole – angekommen und geflohen ist er mutmaßlich mit einem E-Roller.
- Ein 19-Jährige ist im Januar in Salach an einem Bahnsteig von drei jungen Tätern mit Revolver und Messer bedroht worden. Zwei wurden festgenommen. Die drei Täter klauten ihm seinen E-Roller und Kopfhörer – und flohen.
- Januar 2023: Ein Drogenabhängiger überfiel in Hamm (NRW) eine Tankstelle. Zur Tatort An- und Abfahrt nutzte der Täter einen gestohlenen E-Scooter.
Im Klartext: Das schnelle Mini-Fahrzeug eignet sich leicht für einen Missbrauch durch Kriminelle. Denn die Diebe haben durch den schmalen Turbo-Roller einen klaren Tat- und Flucht-Vorteil.
Beispiel 5: Der Elektroroller ist gar nicht so grün!
Sie gelten als besonders umweltfreundlich. Weil E-Scooter beim Fahren kein CO2 ausstoßen.
ABER: Die E-Roller sind gar nicht so grün!
Eine Studie der University of North Carolina zeigte in einer Untersuchung der gesamten Emissionsbilanz von amerikanischen Leih-E-Scootern, dass bei der Materialgewinnung und Herstellung CO2 ausgestoßen wird. Die Produktion der Aluminiumrahmen und der Lithium-Ionen-Akkus braucht SEHR viel Energie.
Und auch noch das: Die meisten E-Scooter stammen aus China, wo der Strom für die Produktion hauptsächlich aus Kohlekraft kommt, mit entsprechend hohem CO2-Ausstoß!
Das Ergebnis der Studie: Ungefähr 88 bis 126 Gramm CO2 pro Passagier pro Kilometer. Das ist zwar ein besserer Wert als bei Autos, doch ein vollbesetzter Dieselbus schneidet besser ab. Mehr als 50 Prozent der Emissionen, die der Roller während seiner Gesamtnutzungsdauer verursacht, entstehen demnach bei Materialgewinnung und Herstellung.

Entsorgter E-Scooter in einem Mülleimer am Zoologischen Garten in Berlin.
Ein weiterer Punkt: der durch und durch un-grüne Transport-Wahnsinn.
Denn die Akkus der E-Scooter werden NICHT vor Ort wieder aufgeladen. Sondern: Von Transportern – also CO2 ausstoßenden Fahrzeugen – eingesammelt. Dann werden sie erst an eine Ladestation gehängt. Und dann werden sie erneut mit einem Transporter herumgefahren, um sie wieder in der Stadt zu verteilen. Brisant: Laut der Studie sorgt das für 43 Prozent der Emissionen.
Und zu guter Letzt: Wer kennt es nicht – das Pieps-Geräusch der E-Scooter? Einfach nervig.
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Zara Riffler
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