Muslimischer Antisemitismus und die Errichtung eines totalitären Gottesstaates
Ein Beitrag von
Die Grundlage des Antisemitismus im muslimischen Kontext ist der islamische Antijudaismus.
Es handelt sich dabei um einen originären – das heißt vom christlichen Antijudaismus losgelösten und unabhängig entstandenen – Antijudaismus, der in allen möglichen Quellen der Scharia vorzufinden ist. Der islamische Antijudaismus ist im Koran, der Primärquelle der Scharia zu finden, aber auch in den Hadithen, die in außerkoranischen Hadith-Sammlungen über Taten, Verhaltensweisen, Befehle, Empfehlungen des Propheten berichten, die teilweise kanonisch sind sowie in der Sira, der frommen kanonischen Prophetenbiographie.

Emrah Erken, Arbeitsrechtler aus Zürich
Das Ausmaß des Judenhasses im Islam und seinen Schriften
Islamischer Antijudaismus findet sich aber auch in den relevanten Kommentaren zu diesen Schriften, in Fatwas (Rechtsgutachten) und in vielen Publikationen religiösen Inhalts. Für einen Europäer, der sich nur über die Printmedien und übers Internet mit dem Islam befasst hat, ist das Ausmaß des Judenhasses im Islam, und zwar bereits in dessen Grundlagen, kaum vorstellbar.
Bereits in der Eröffnungssure des Koran, der al-Fatiha, werden die Juden negativ umschrieben. Die erste Sure im Koran hat im Islam eine zentrale Bedeutung, weil sie das islamische Hauptgebet ist. Der gläubige Muslim, der die obligaten fünf Gebete des Tages verrichtet, wiederholt sie mehrmals und bezeichnet dabei die Juden, ohne sie ausdrücklich zu nennen als jene, die dem Zorn Gottes verfallen seien. In den Versen 6 und 7 der Sure heißt es:
„Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die D(ein)em Zorn verfallen sind und irregehen!“
Der Grund, weshalb die Juden gemäss der ersten Sure des Koran dem Zorn Gottes verfallen seien und gläubige Muslime in ihrem Hauptgebet, welches dem christlichen Vaterunser entspricht, mehrmals am Tag Gott darum bitten, dass sie bloß nicht so werden wie Juden, ist im Koran selbst zu finden. Einerseits wird ihnen vorgeworfen, dass sie Gottes Zeichen verleugnet hätten, dessen Gebote missachteten und Propheten ungerechterweise ermordeten (Sure 3, Vers 112) und andererseits werden die Juden beschuldigt, nach ihrem Gutdünken die Thora verfälscht zu haben (Sure 2, Vers 75).
Unter „Ermordung von Propheten“ (Sure 3, Vers 112) ist nicht etwa die Kreuzigung Jesu zu verstehen, wie ein westlicher Leser erwarten würde, weil die Muslime nicht daran glauben, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, dies, obwohl die Kreuzigung Jesu und seine Taufe die wohl sichersten Informationen aus dem Leben des historischen Jesus darstellen. Es sind andere Propheten gemeint, die von den Juden ermordet worden seien. In den Hadithen wird das Motiv des Prophetenmordes durch die Juden sogar auf den Tod von Mohammed selbst übertragen.
Gemäß Hadith-Quellen, die nach islamischer Vorstellung als sahih und damit als besonders vertrauenswürdig und heilig gelten, sei Mohammed an den Spätfolgen eines Giftmordanschlags durch die Juden verstorben, die ihm nach der Eroberung Khaibars vergiftetes Hammelfleisch zum Essen angeboten hätten (etwa in den Hadith-Sammlungen Sahih Bukhari und Abu Dawud).
In anderen Überlieferungen ist es eine Jüdin, die Mohammed versucht zu vergiften, wobei seine Begleiter auf der Stelle umkommen, die vom gleichen Fleisch gegessen hätten. Der Giftanschlag sei im Übrigen ein Test gewesen, um festzustellen, ob Mohammed tatsächlich ein Prophet sei. Nachdem Mohammed gemäß Überlieferung zunächst überlebt, wird nach islamischer Vorstellung seine Propheteneigenschaft bewiesen. Er stirbt aber dennoch an den Folgen, womit das Prophetenmordmotiv im Kontext des islamischen Antijudaismus sogar beim Propheten des Islam erfüllt wird. Wie schwerwiegend der Vorwurf ist, dass Mohammed an den Folgen eines Giftmordanschlags durch die Juden umgekommen sei, muss hier wohl kaum näher erörtert werden.
Die Thora gilt nach islamischem Verständnis als Fälschung
Unter dem Vorwurf der Thoraverfälschung gegenüber den Juden (Sure 2, Vers 75) ist zunächst die fehlende Erwähnung Mohammeds in der Thora zu verstehen, weil dessen Ankunft nach islamischem Verständnis bereits dort angekündigt worden sei. Weil Mohammed in der Thora fehlt, was durchaus zutrifft, können nach islamischem Verständnis nur die Juden dahinterstecken, die in ihrer angeblichen Böswilligkeit Mohammed aus der Thora entfernt und damit ihre eigene Heilige Schrift verfälscht hätten.
Aber auch Stellen der Thora, die mit dem Koran nicht übereinstimmen, werden als spätere jüdische Fälschungen betrachtet. Entsprechende Vorwürfe gibt es übrigens auch gegenüber Christen. Obwohl diese angeblichen Schriftfälschungen durch die Juden deren eigene Schrift betreffen, wird dies auch aus islamischer Perspektive als eine schwere Sünde angesehen, weil damit die Juden das Wort des gemeinsamen abrahamitischen Gottes gefälscht haben sollen. Es geht also nicht nur darum, dass Mohammed in der Thora fehlt. Vielmehr geht es auch darum, dass überhaupt eine heilige Schrift des Gottes von Abraham verfälscht worden sei, und zwar durch die Juden.
Im Koran finden sich weitere sehr schwerwiegende antijüdische Verschwörungstheorien gegen Juden, von denen ich einige wiedergeben möchte, die keiner weiteren Interpretation bedürfen. Sie stammen alle aus der gemäss islamischer Tradition zeitlich letzten Sure, namentlich Sure 5:
Sure 5, Verse 12-14
„Allah hatte ja mit den Kindern Isrāʾīls ein Abkommen getroffen. (…) Dafür, daß sie ihr Abkommen brachen, haben Wir sie verflucht und ihre Herzen hart gemacht. Sie verdrehen den Sinn der Worte, und sie haben einen Teil von dem vergessen, womit sie ermahnt worden waren. Und du wirst immer wieder Verrat von ihnen erfahren – bis auf wenige von ihnen. (…) Und (auch) mit denen, die sagen: „Wir sind Christen“, haben Wir ihr Abkommen getroffen. Aber dann vergaßen sie einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren. So erregten Wir unter ihnen Feindschaft und Haß bis zum Tag der Auferstehung. (…)“
Sure 5, Vers 41
„O du Gesandter, lasse dich nicht durch jene traurig machen, die im Unglauben dahineilen, unter denen, die mit ihren Mündern sagen: „Wir glauben“, während ihre Herzen nicht glauben. Und unter denjenigen, die dem Judentum angehören, unter ihnen gibt es manche, die auf Lügen horchen, die auf andere Leute horchen, die nicht zu dir gekommen sind. Sie verdrehen den Sinn der Worte, nach(dem sie an) ihrer (richtigen) Stelle (waren), und sagen: „Wenn euch dies gegeben wird, dann nehmt es an. Wenn euch dies aber nicht gegeben wird, dann seht euch vor.“ Wen Allah der Versuchung aussetzen will, für den wirst du gegen Allah nichts (auszurichten) vermögen. Das sind diejenigen, deren Herzen Allah nicht rein machen wollte. Schande gibt es für sie im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe.“
Sure 5, Vers 51
„Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde (aber nicht mit euch). Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (und nicht mehr zu der Gemeinschaft der Gläubigen). Gott leitet das Volk der Frevler nicht recht.“
Sure 5, Vers 64
„Und die Juden sagen: „Allahs Hand ist gefesselt.“ Ihre (eigenen) Hände seien gefesselt und sie seien verflucht für das, was sie sagen. Nein! Vielmehr sind Seine Hände (weit) ausgestreckt; Er gibt aus, wie Er will. Was zu dir (als Offenbarung) von deinem Herrn herabgesandt worden ist, wird sicherlich bei vielen von ihnen die Auflehnung und den Unglauben noch mehren. Und Wir haben unter ihnen Feindschaft und Haß erregt bis zum Tag der Auferstehung. Jedesmal, wenn sie ein Feuer zum Krieg anzünden, löscht Allah es aus. Und sie bemühen sich, auf der Erde Unheil zu stiften. Aber Allah liebt nicht die Unheilstifter.“
Die unfreiwillige „Schutzbefohlenheit“ von Juden und Christen unter muslimischer Herrschaft
Ein weiterer wichtiger Aspekt des islamischen Antijudaismus auf der Grundlage der Scharia ist insbesondere die Dhimma, die unfreiwillige „Schutzbefohlenheit“ von Juden und Christen unter muslimischer Herrschaft, die eine immerwährende Diskriminierung für diese Menschen bedeutete, die in muslimischen Mehrheitsgesellschaften lebten, in denen die Scharia galt. Der zynisch anmutende Begriff „Schutz“ ist durchaus ernstgemeint, weil andere Religionsangehörige – insbesondere Polytheisten – überhaupt keine Daseinsberechtigung hatten.
Die Dhimmi durften in einer Scharia-Gesellschaft deshalb überleben und überhaupt existieren, weil sie den gleichen abrahamitischen Gott anbeteten wie die Muslime und aus islamischer Perspektive „Leute der Schrift“ waren. Die aus islamischer Sicht „privilegierten“ Dhimmi mussten sich allerdings erkennbar als Juden respektive Christen kleiden (teilweise mit besonderen Farben), sie durften kein Pferd reiten, damit verhindert werden konnte, dass sie über den Muslimen standen (einerseits faktisch und andererseits auch sozial), sie durften ihre Häuser nicht höher bauen als diejenigen von Muslimen, sie konnten nur unter schwierigsten Bedingungen und nur höchst ausnahmsweise neue Gotteshäuser bauen und durften verfallende nicht renovieren. Sie wurden in Zivil- und Strafprozessen rechtsungleich und willkürlich behandelt, wenn die Gegenpartei ein Muslim war. Dhimmi mussten unter anderem aber auch eine Sondersteuer – die sogenannte Dschizya – als Gegenleistung für ihren „Schutz“ entrichten, welche die nachfolgende folgende koranische Grundlage hat:
Sure 9, Vers 29
„Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten (oder: für verboten erklären), was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten!“
In der Praxis bedeutete dies, dass sich ein Jude oder ein Christ persönlich zum Steuereintreiber begeben musste und sich nicht vertreten lassen durfte, weil die Steuer „kleinlaut“ und „aus der Hand“ zu zahlen war, wie dies der Koran vorschreibt. Beim Zahlvorgang mussten sie ihr Haupt senken und sie bekamen unmittelbar nach der Zahlung einen Klaps auf den Hinterkopf, um sie daran zu erinnern, dass sie der falschen Religion angehörten.
„Oh, du Muslim, dies ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, komm und bring ihn um!“
Eine Hadith-Überlieferung ist allerdings derart schwerwiegend wie nichts anderes in der Scharia, wenn es um den islamischen Antijudaismus geht. Sie ist mehrfach – sowohl in Sahih Muslim als auch in Sahih Bukhari – sprich in den heiligsten Hadithquellen des sunnitischen Islam übermittelt. Hier die Version aus Sahih Muslim:
„Der Prophet sagte, daß die Stunde nicht kommen wird, bis die Muslime die Juden bekämpfen und umbringen; bis der Jude sich hinter dem Stein und Baum versteckt und der Stein und der Baum sagen wird: Oh, du Muslim, oh, du Diener Allahs, dies ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, komm und bring ihn um! Bis auf Gargat dieser ist von den Bäumen der Juden.“

Ein Facebook-Post eines UNRWA-Lehrers aus dem Jahr 2014, der diese Hadithstelle bildlich darstellt. Die UNRWA wird weitestgehend mit Mitteln aus dem Westen finanziert. Laut eigener Angaben gibt die UNRWA diese finanziellen Mittel für Bildung aus.
Im Islam ist die Stunde des Jüngsten Tages die Heilserwartung schlechthin, und zwar durch Zerstörung jeglichen Lebens, Auferstehung und Gericht. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass die Vernichtung aller Juden Voraussetzung für die islamische Eschatologie ist und deshalb soll jeder Muslim Juden töten, bis sich die letzten hinter Steinen und Bäumen verstecken, wobei sich diese ganz am Schluss mit den Muslimen solidarisieren würden, um diese Aufgabe zu erfüllen, die der Prophet dem Gläubigen befohlen hat.
Zusammengefasst bedeutet dies, dass bereits in sämtlichen Quellen der Scharia (Koran, Hadithe und Sira) ein solides Grundgerüst für alle möglichen Formen des modernen Antisemitismus im muslimischen Kontext vorhanden ist. Die antijüdischen Inhalte sind dabei wesentliche Bestandteile des Glaubens selbst, wenn man bedenkt, dass solche sogar im islamischen Hauptgebet und im Zusammenhang mit der islamischen Heilserwartung vorhanden sind.
Es wäre allerdings falsch, wenn man den heutigen „modernen“ islamischen Antisemitismus im muslimischen Kontext allein auf die Inhalte der Scharia reduzieren würde, welche zugegebenermaßen auch typische antisemitische Verschwörungsmythen beinhalten, wie etwa, dass Juden lügen und die Bedeutung der Worte verdrehen würden und sogar so weit gegangen seien, dass sie ihre eigene Schrift verfälscht hätten.
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch die Feststellung, dass dieser Antijudaismus individuell zu durchbrechen war und heute noch ist. Sobald nämlich ein Jude oder ein Christ – sprich eine Person, die zuvor den Dhimmi zugerechnet wurde – den „wahren Glauben“, namentlich den Islam, annahm, spielte es keine Rolle mehr, ob er selbst respektive seine Familie in der Vergangenheit einmal jüdisch waren. So betrachtet war die Dhimma, welche Juden und Christen diskriminierte, immer auch ein gutgemeintes Druckmittel, damit diese Menschen mehr oder weniger „freiwillig“ den Islam annahmen, was faktisch auch geschah. Die Konversion „heilte“ sozusagen den ursprünglichen Juden, weiterhin Opfer von Antijudaismus zu sein, was mit dem Antisemitismus der Nationalsozialisten ganz offensichtlich nicht gleichgestellt werden kann. Ähnliches gilt natürlich auch im christlichen Kontext. Sobald ein Jude sich taufen liess, gehörte er zur christlichen Glaubensgemeinschaft und war nicht mehr ein Objekt eines christlich motivierten antijüdischen Hasses respektive Diskriminierung.
Antisemitismus und Judenhass sind nicht dasselbe
An diesem Beispiel ist auch der Unterschied zwischen dem Antijudaismus, den es sowohl im christlichen als auch im muslimischen Kontext gibt, und dem Antisemitismus zu erkennen. Während der Zeit des Nationalsozialismus brachte es einem Juden nichts, wenn er sich taufen ließ oder nur seine Vorfahren Juden waren. Außerdem kann der Antisemitismus nicht einzig auf die Religion zurückgeführt werden.
Hannah Arendt beschreibt dies in ihrem Monumentalwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft – Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft“ aus dem Jahr 1951 wie folgt (S. 83 f.):
„Antisemitismus und Judenhaß – damit meint sie den Antijudaismus – sind nicht dasselbe. Judenhaß hat es immer gegeben. Antisemitismus ist in seiner politischen wie ideologischen Bedeutung eine Erscheinung der letzten Jahrhunderte. Es ist möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, daß der Judenhaß den Antisemitismus, der mit dem Ende des Hitler-Regimes erst einmal an ein Ende gekommen zu sein scheint, überlebt, so wie es Antisemiten gegeben hat, die nie in ihrem Leben den leisesten Judenhaß verspürt haben. Was die Juden anbelangt, waren die sogar die gefährlichsten. (…) Was aber den Antisemitismus anlangt, so ist es offensichtlich, daß er politisch nur dann relevant und virulent werden kann, wenn er sich mit einem der wirklich entscheidenden politischen Probleme der Zeit verbinden kann.“
Diskriminierung und antisemitische Übergriffe im historischen Kontext
Der islamische Antijudaismus sowie die islamische Christenfeindlichkeit fand – so wie ich vorhin dargelegt habe – in der Dhimma ihren Ausdruck. Diese Diskriminierung war in allen muslimisch geprägten Gesellschaften, in welchen die Scharia maßgeblich war, schon immer vorhanden, was auch heute noch zutrifft. Insbesondere ab dem späteren 19. Jahrhundert wurde dieser islamische Antijudaismus durch äußere Inputs angereichert.
Zunächst ist dabei etwa auf den arabischen sowie auf den türkischen Nationalismus hinzuweisen. Der ideale Bürger in diesen säkular geprägten Gesellschaften war schon immer der sunnitische Muslim. Juden und Christen konnten nie Teil dieser nationalen Identität werden. Daran hat sich nicht einmal in der Türkei, und zwar während der gesamten Dauer der Türkischen Republik etwas geändert, auch wenn sich der Staat heute noch als laizistisch definiert. Die Folge dieses Nationalismus, der eine religiöse Komponente enthält, die klar auf die vorhin aufgeführten Inhalte der Scharia zurückgehen, hatte in der Türkei vor allem gegenüber christlichen Minderheiten gravierende Konsequenzen. Diesbezüglich ist vor allem auf den Völkermord an den christlichen Minderheiten vor der Gründung der Republik hinzuweisen, deren Nutznießerin die neugegründete Republik war, mit dem Konzept des türkischen Staatsangehörigen, der ohne dass es ausdrücklich ausgesprochen wurde, ein sunnitischer Muslim zu sein hatte und kein Alevite, kein Christ, aber auch kein Jude. Es kam der neugegründeten Republik gelegen, dass wesentlich weniger Christen das Staatsgebiet bewohnten, als dies ursprünglich der Fall war, was die Schöpfung des Idealbürgers begünstigte.
Meines Erachtens ist dies eines der wichtigsten Motive für die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern. Die Bejahung dieses Völkermordes wird von Nationalisten als eine Art Verneinung des Nationalstaates angesehen sowie eine Verneinung des türkischen Idealbürgers, der natürlich ein sunnitischer Muslim sein musste.
Ein hervorragendes Beispiel für die Diskriminierung der christlichen und der jüdischen Minderheiten in der laizistischen Türkischen Republik ist die von der Regierung Şükrü Saracoğlu in den Jahren 1941 und 1942 erhobene Varlık Vergisi (Vermögenssteuer). Die Steuer diente der Türkisierung der Wirtschaft und verfolgte das Ziel, die Vormachtstellung der religiösen Minderheiten in diesem Bereich zu beenden. Sie sollte damit vor allem die wohlhabenden Mitglieder der jüdischen, griechischen und armenischen Minderheiten treffen. Der damalige Präsident Ismet Inönü, der Nachfolger von Atatürk und eines seiner besten Freunde, soll über das Gesetz gesagt haben, dass man den Markt den Türken übergebe, wenn man die auf dem türkischen Markt dominanten Ausländer beseitige. Wenn die Steuerpflichtigen der Zahlung nicht nachkommen konnten, wurden sie in ein Arbeitslager geschickt.
Die erhobene Vermögenssteuer sah wie folgt aus:
- Armenier: 232%
- Juden: 179%
- Griechen: 156%
- Muslime: 4,94%
Das Beispiel zeigt, dass die vorhin dargelegte Dschizya-Mentalität aus der Scharia selbst zu den Zeiten des türkischen Laizismus, als dieser aufgrund der Einparteienherrschaft der Republikanischen Volkspartei (CHP) wesentlich erheblicher war als zu späteren Zeiten, einen Nachhall hatte. Das bedeutet, dass religiöse Motive sogar Eingang in ein streng säkulares System gefunden hatten. Der Idealbürger war ein sunnitischer Muslim und Juden und Christen, die zwar die türkische Staatsangehörigkeit bekommen hatten, waren Bürger zweiter Klasse und wurden bewusst diskriminiert. Wenn man der Ansicht sein sollte, dass diese Diskriminierung nicht unmittelbar wegen der diskriminierenden Inhalte der Scharia erfolgten, müsste man meines Erachtens zumindest eingestehen, dass diese religiösen Inhalte mindestens mittelbar eine Wirkung hatten.
Auch später in der Republikanischen Zeit hatte dieser vom Islam mindestens mittelbar beeinflusste türkische Nationalismus Auswirkungen auf die jüdische und die christlichen Minderheiten. Am 6. und 7. September 1955 fand das Pogrom von Istanbul statt, nachdem das unwahre Gerücht verbreitet wurde, dass das Geburtshaus von Atatürk in Thessaloniki in die Luft gesprengt worden sei. Die Übergriffe fanden nicht nur – wie man annehmen könnte – gegenüber der griechischen Minderheit statt. Vielmehr griffen die Pogrom-Beteiligten auch Armenier und Juden an. Später, im Jahr 1961, wurde der damalige Premier Adnan Menderes aufgrund dieser Ereignisse schuldig gesprochen und gehängt. Allerdings hatten diese Ereignisse zur Folge, dass christliche Minderheiten in sehr grossen Zahlen die Türkei verließen, aber auch sehr viele Juden, die spätestens jetzt in den neugegründeten jüdischen Staat einwandern sollten.
Als Beispiel des arabischen Nationalismus, der mit ähnlichen Motiven gegen die jüdischen und christlichen Minderheiten hetzte, möchte ich insbesondere das Beispiel des Farhud nennen, das Pogrom von Bagdad vom 1. und 2. Juni 1941, welches der Anfang vom Ende der 2600 Jahre andauernden jüdischen Präsenz im Zweistromland war. Ein arabischer Mob verletzte über 1000 Menschen, jüdische Frauen wurden von Gruppen vergewaltigt und verstümmelt. Die genaue Zahl der Getöteten ist nicht bekannt, es wird von mindestens 180 ermordeten Juden ausgegangen, manche Quellen geben auch bis zu 600 an. Eine Synagoge wurde eingenommen und Thora-Rollen verbrannt.
Arabischer Nationalismus und seine unmittelbare Verbindung zum Nationalsozialismus
Wie an diesem Beispiel bestens zu erkennen ist, existierten solche antisemitischen Übergriffe im Zusammenhang mit dem arabischen Nationalismus, dem Panarabismus, der eng mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, auch vor der Gründung des Staates Israel. Als der Staat Israel gegründet wurde, ist die antisemitische Komponente des arabischen Nationalismus nur stärker geworden. Ab diesem Zeitpunkt wurden überall in der arabischen Welt Juden zu Sündenböcken gemacht, was zur Folge hatte, dass vor allem die Arabisch sprechende muslimische Welt heute weitestgehend „judenfrei“ ist. Es handelt sich um eine ethnische Säuberung gewaltigen Ausmaßes, von der heute kaum jemand spricht. Die Nachfahren dieser Menschen, die Mizrahi Juden, leben heute praktisch alle in Israel.
Dass der palästinensische Nationalismus einen unmittelbaren Zusammenhang zu den Nazis hat, wobei man sogar sagen kann, dass dieser eine Art Fortsetzung des Nationalsozialismus darstellt, kann man aus den nachfolgenden Ausführungen entnehmen.
Vorbild und Mentor von Jassir Arafat war der Mufti von Jerusalem, Amin Al-Husseini, der während des Zweiten Weltkrieges die Zusammenarbeit des NS-Regimes mit der Muslimbruderschaft vermittelte, der er angehörte. Im Jahr 1941 hatte er sogar Adolf Hitler getroffen.

Der Mufti von Jerusalem Amin Al-Husseini und Adolf Hitler in der Reichskanzlei in Berlin (28. November 1941)
Der Mufti wurde Mitglied der SS, mobilisierte Muslime aus dem Balkan für die Waffen-SS, veranlasste die Blockade von Fluchtwegen von Juden aus Osteuropa und lieferte auf diese Weise tausende von Juden dem Holocaust aus.
Von 1941 bis Kriegsende lebte er in Deutschland. Er wurde am 7. Mai 1945, also einen Tag vor der Kapitulation der Nazis, vom Auswärtigen Amt nach Bern ausgeflogen, wo er verhaftet und Frankreich übergeben wurde. Obwohl Großbritannien und Jugoslawien seine Auslieferung verlangten, um gegen ihn wegen Kriegsverbrechen den Prozess zu machen, organisierte der französische Geheimdienst im Jahr 1946 seine Flucht nach Ägypten.

Muslimische Mitglieder der 13. Division der Waffen-SS beim Gebet während ihrer Ausbildung in Neuhammer, Deutschland, im Jahr 1943. Reichsführer SS Heinrich Himmler schwärmte für die weltanschauliche Verbundenheit zwischen Nationalsozialismus und dem Islam. Die Ideologie der Muslimbruderschaft, die aus dem Koran abgeleitet wurde, deckte sich mit derjenigen der Nationalsozialisten – insbesondere in Bezug auf den Antisemitismus.
Nach dem Krieg, im Jahr 1946, ermutigte al-Husseini den Ägypter Jassir Arafat, der damals in Kairo studierte, wo sich dank Frankreich auch der Mufti befand, die Führung beim Kampf gegen die Juden anzustreben. Ein ehemaliger deutscher NS-Offizier, der den Mufti nach Ägypten begleitet hatte, gab Arafat geheime Unterrichtsstunden. In der Folge beteiligte sich Arafat ab 1948 mit der ägyptischen Muslimbruderschaft am Palästinakrieg gegen Israel. Später finanzierte Al-Husseini Arafats im Jahr 1958 gegründete Fatah. Die erste Nationalcharta der im Jahr 1964 gegründeten PLO übernahm Al-Husseinis Ziele. Als der Mufti im Jahr 1974 starb, schritt Arafat bei seinem Begräbnis in Beirut direkt hinter seinem Sarg her und führte die Trauerprozession an.
Der Terrorist Arafat, der im Jahr 1994 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hat sich von seinem Mentor und Förderer, der ein Nazi war, nie distanziert. Er nannte den Mufti noch 2002 in einem Interview „unseren Helden“, den die Westmächte „als einen Verbündeten der Nazis betrachteten“ und vergeblich loszuwerden versucht hätten. Er sei einer seiner Soldaten gewesen. Das Ziel eines „judenreinen“ Palästinas behielt Arafat bis zu seinem Lebensende im Jahr 2004 bei.

Die ehemalige SPD-Präsidentin Andrea Nahles beim Terroristen Arafat, der von einem Nazi ausgebildet wurde.
Im Jahr 2017 legte Frank-Walter Steinmeier, der heutige Bundespräsident und damals Außenminister, einen Kranz beim Grab des Terroristen Arafat nieder. Im Jahr 2022 nannte Steinmeier die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, die sich anfangs der Siebziger Jahre in einem palästinensischen Terroristencamp in Jordanien militärisch ausbilden ließ, eine große Frau der Weltgeschichte. Die RAF, der Ensslin angehörte, hatte bei der Entführung des Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ eine Judenselektion vorgenommen.

Frank-Walter Steinmeier am Grab Arafats
Es geht um die Errichtung eines totalitären Gottesstaates auf der Grundlage der Scharia
Ich komme auf den islamistisch motivierten Antisemitismus. Um diesen Antisemitismus zu verstehen, ist es wichtig zu erfassen, was der Islamismus überhaupt ist und was er anstrebt. Beim Islamismus geht es sehr wesentlich darum, die Entwicklungen in der muslimischen Welt, die zu säkular geprägten Nationalstaaten geführt haben, wieder rückgängig zu machen. Dieser Wunsch ist besonders schön aus den nachfolgenden Worten des Gründers der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, zu erkennen:
„Wir glauben fest daran, dass die Vorschriften des Islam umfassend sind und die Angelegenheiten der Menschen im Diesseits und im Jenseits regeln. Des weiteren glauben wir, dass diejenigen sich irren, die annehmen, diese Lehren behandelten lediglich die Aspekte des Glaubens und der Spiritualität. Denn der Islam ist Gottesdienst und Glaubensgrundsatz, Heimatland und Staatsangehörigkeit, Religion und Staat, Idee und Wert sowie Koran und Schwert.“
Es geht damit im Ergebnis um die Errichtung eines totalitären Gottesstaates auf der Grundlage der Scharia. Dass Juden und Christen in einem solchen Gottesstaat so behandelt werden, wie die Scharia es vorschreibt, sollte sich nach meinen Ausführungen über die Dhimma von sich von selbst verstehen. Wie unmittelbar die Scharia auf die antisemitische Ideologie von Islamisten wirkt, ist etwa in Artikel 7 der Charta der Hamas erkennbar, die sich in Artikel 2 als Teil der globalen Muslimbruderschaftsbewegung zu erkennen gibt. Ganz am Schluss von Artikel 7 der Hamas Charta ist der oben zitierte Hadith wiedergegeben, gemäß dem Muslime sämtliche Juden auf der Welt (also nicht „nur“ die Israeli) ermorden müssten, damit sich die islamische Eschatalogie erfülle. Dass die Hamas das durchaus ernstmeint, konnte man am Pogrom vom 7. Oktober 2023 bestens erkennen.
Zusammengefasst bedeuten diese Ausführungen, dass der Antisemitismus im muslimischen Kontext sowohl in den Quellen der Scharia als auch bei den wichtigsten politischen Bewegungen in der islamischen Welt, die sich gegenseitig Konkurrenz machen – namentlich bei den säkularen Nationalisten und bei den ihnen entgegenstehenden Islamisten – in einem erheblichen Maße vorhanden ist. Angefeuert werden diese Antisemitismen insbesondere durch den Nahostkonflikt aber auch durch ausländische Einflüsse.
Auch wenn ich in den oben gemachten Ausführungen eine Differenzierung zwischen dem nationalistischen Antisemitismus und dem islamistischen Antisemitismus vorgenommen habe, sind die Grenzen durchaus fließend. Obwohl der Mufti von Jerusalem sowohl ein Islamist als auch ein SS-Mitglied und damit ein Nazi war, war er derjenige, der den Ägypter Jassir Arafat dazu antrieb, die Fatah zu gründen, die panarabistisch, angeblich links, grundsätzlich säkular und im Westen durchaus akzeptierter ist. So haben die SPD-Jugend und die Fatah-Jugend ihre Zusammenarbeit erst nach dem Pogrom des letzten Jahres beendet. Die Fatah-Jugend, in deren DNA der Nationalsozialismus verankert ist, war bis zu diesem Zeitpunkt eine Schwesterorganisation der SPD-Jugend. Die SPD-Jugend wollte die Zusammenarbeit lediglich aussetzen, worauf die Fatah-Jugend sehr viel drastischer reagierte und diese nach wüsten Beschimpfungen der JUSOs beendete.
Die Folge des Antisemitismus im muslimischen Kontext ist, dass die überwiegende Mehrheit der muslimisch geprägten Gesellschaften stark antisemitisch ist, weil dieser Antisemitismus nicht nur in islamistischen Kreisen, sondern vielmehr auch in streng säkularen wenn nicht gar linken Gruppierungen vorzufinden ist, und sofern eine Migration aus den jeweiligen Ländern nach Europa stattfindet, die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die entsprechenden Migranten antisemitische Ansichten und ihre antisemitische Feindschaft nach Europa importieren. Wo diese Migration besonders stark ist, kann man die Folge bereits heute sehr gut erkennen.
Vor allem aus Großbritannien und aus Frankreich fand in den vergangenen Jahren eine ernstzunehmende Auswanderung nach Israel statt. Meines Erachtens ist es nur eine Frage der Zeit, dass das Gleiche leider auch in anderen Ländern geschehen wird, die eine hohe Migration aus der muslimisch geprägten Welt zu verzeichnen haben, insbesondere wenn es sich dabei um Islamisten oder um arabische respektive türkische Nationalisten handelt. Aufgrund meiner Beobachtungen in den letzten Monaten gehe ich davon aus, dass viele Juden auch aus Deutschland, Holland, Spanien, Irland und vor allem den Vereinigten Staaten und anderen Ländern ihre Heimat verlassen und nach Israel auswandern werden.
Mehr NIUS:
Bundeshauptstadt des Bürgergelds: Ausgerechnet Bremen schmeißt den kritischen Jobcenter-Mitarbeiter raus
Merz bringt Merkels fatale Migrations-Parole: „Wir schaffen das!“
Verfassungsschutz: Extremisten in Berlin immer jünger, linker und islamistischer
Keir Starmer kniete für George Floyd, schwieg aber monatelang zu Henry Nowak
Merz’ katastrophale Kommunikation – die große Analyse
Wie die EU mit dem „Democracy Shield“ den Generalangriff auf die neuen Medien plant
Nach Champions-League-Finale: Paris siegt, Paris brennt
Liberal & Remmidemmi: Wie die FDP zurückkommen will, in Köpfe und Parlamente
Mehr NIUS:
Keir Starmer kniete für George Floyd, schwieg aber monatelang zu Henry Nowak
Merz’ katastrophale Kommunikation – die große Analyse
Wie die EU mit dem „Democracy Shield“ den Generalangriff auf die neuen Medien plant
Nach Champions-League-Finale: Paris siegt, Paris brennt
Liberal & Remmidemmi: Wie die FDP zurückkommen will, in Köpfe und Parlamente
„Wärmster Sommer seit 2000 Jahren“ – die faulen Tricks hinter den Klima-Superlativen
„Burn the old white men“ soll keine Volksverhetzung sein, weil die Parole sich „nicht gegen einen bestimmten Bevölkerungsteil“ richte
Grüne Klimaideologie: So werden die Menschen in den Entwicklungsländern ärmer
Emrah Erken
Artikel teilen
Kommentare