Polizisten erklären: Darum sind Messerangriffe so schwer abzuwehren
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- Nach Einsätzen, bei denen Messerangreifer von Polizeikugeln getroffen wurden, überschlagen sich in den sozialen Medien die Kommentare.
- In der Regel kommen sie von Menschen, die genau wissen, was die Polizisten hätten besser machen können, selbst aber noch nie einem Messerangreifer gegenüberstanden.
- NIUS hat mit Polizeigewerkschafter Heiko Teggatz über den aktuellen Fall in Gummersbach gesprochen und geklärt, warum es so schwer ist, einen Messerangriff abzuwehren.
Situationen, in denen man in Sekundenschnelle lebensrettende Entscheidungen treffen muss, kennen die meisten nur aus dem Kino. Anders Polizisten, die in ihrem Berufsalltag immer wieder genau damit konfrontiert werden.
Wird ein Angreifer bei einem Einsatz verletzt, äußern viele Menschen in den sozialen Medien Unverständnis über das Vorgehen der Beamten. Auch, als am Dienstag in Gummersbach ein mit einem Messer bewaffneter Mann und zwei Passanten von Polizisten angeschossen wurden, wussten Kommentatoren auf X (ehemals Twitter) ziemlich schnell und ziemlich genau, was die Polizisten falsch gemacht hatten:
„Wahnsinn die ballern mit 4 Waffen auf offener Straße alles nieder! Sogar Unbeteiligte! Völlig krank“, schreibt ein Kommentator. „jo von mir auch vielen dank fürs anschießen unbeteiligter. gerne mehr davon!“, ein anderer.


Doch ist es wirklich so einfach, wie viele Unbeteiligte denken, einen Messerangriff abzuwehren?
Heiko Teggatz, Bundesvorsitzender DPolG Bundespolizeigewerkschaft zu NIUS: „Das Verhalten der Kollegen war vollkommen korrekt. Der Angreifer war mit einem Messer bewaffnet und damit in der Lage, Leib und Leben meiner Kolleginnen und Kollegen akut zu gefährden. Die Polizei handelte hier aus einer glasklaren Notwehrsituation heraus. Die Schusswaffe war das einzige Mittel, welches den aktiven Angriff mit einem Messer erfolgreich abwehren konnte.“
Messerangreifer schießen in Sekundenschnelle nach vorn
Bereits 2021 hat die bayerische Polizeigewerkschaft eine Video-Reihe veröffentlicht, in der sie detailreich erklärt, warum es so schwer ist, einen Messerangriff abzuwehren. So würde der Laie wohl annehmen, dass ein mehrere Meter entfernter Angreifer gegen einen mit einer Schusswaffe ausgestatteten Polizisten keine Chance hat.

In dem fiktiven Beispielszenario, das die Polizisten durchspielen, hält ein Beamter knapp sechs Meter Abstand zu einem aggressiven Messerangreifer ein. Dann stürmt dieser los, wirft sich mit gezücktem Messer nach vorne und ist blitzschnell bei dem Polizisten angelangt.
Vom Erkennen der Situation bis zum Gebrauch der Schusswaffe vergehen hier gerade einmal zwei Sekunden. Laut dem Polizei-Experten ergaben Studien sogar, dass bereits eine Sekunde ausreicht, damit ein etwa sieben Meter entfernter Messerangreifer sein Opfer erreicht, nach vorne hechten, und es verletzen kann.
„Die Entscheidungsfindung findet in solchen Situationen in Bruchteilen von Sekunden statt“, so Teggatz. „Im allerbesten Fall fällt der Schuss in dem Moment, in dem das Messer den Beamten trifft“, erklärt der Experte im Video der bayerischen Polizei. Und: Nicht jeder Schuss stoppt einen aufgebrachten Aggressor, sodass oft mehrmals abgefeuert werden muss, bevor die Attacke beendet werden kann.
Auch in Gummersbach wurde einer der Polizisten verletzt, erlitt eine Schnittverletzung im Gesicht.
Arme und Beine zu treffen, ist schwerer als man denkt
Dass es für Polizisten problemlos möglich ist, Angreifer in Beine oder Arme zu schießen, ist eine weitere Laien-Ansicht, die dem Realitäts-Check nicht standhält. Auch wenn Situationen wie in Gummersbach laut Teggatz während und auch nach der Ausbildung regelmäßig trainiert werden, ist es in einer Stresssituation mit einem wild umherlaufenden Angreifer mit Stichwaffe schwer, solche Ziele anzuvisieren.

Nach der plötzlichen Attacke, hat der Angreifer in dem fiktiven Szenario keine Treffer im unteren Beinbereich.
Außerdem können auch Bein-Treffer potenziell tödlich sein, wenn die Bein-Arterie getroffen wird, was wahrscheinlicher wird, je weiter oben die Person getroffen wird.
Lesen Sie auch: Messerangreifer von Gummersbach ist polizeibekannter Deutsch-Marokkaner
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