Regierung und DFB machen aus der Fußball-EM ein linkes Polit-Festival
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Die Europameisterschaft 2024 wird das politischste Fußballturnier aller Zeiten. UEFA und DFB wollen eine „treibende Kraft für die nachhaltige Entwicklung der deutschen und europäischen Gesellschaft sein“. Kampagnen für Diversität und Inklusion sollen „über den Tag des Endspiels hinaus ihre Wirkung entfalten“ und sich auf „Fans und die Gesamtbevölkerung auswirken“.
„Geht‘s raus und spielt‘s Fußball“, forderte einst Franz Beckenbauer und reduzierte den Sport damit auf das Wesentliche: den fairen Wettstreit zwischen zwei Mannschaften auf dem Rasen. Doch mit dem bloßen Fußballspiel allein wollen sich UEFA, DFB und Bundesregierung längst nicht mehr abfinden. Die Europameisterschaft 2024 soll das politischste Fußballturnier aller Zeiten werden.
„Wir wollen uns als ein offenes und modernes Land mit einer vielfältigen Gesellschaft präsentieren“, verkündete Innenministerin Nancy Faeser (SPD). „Und wir beziehen viele gesellschaftliche Gruppen in das Turnier ein, unter anderem über ein umfangreiches Kulturprogramm.“
Schon in seiner Bewerbung hatte der DFB frühzeitig die politische Dimension der Europameisterschaft klargestellt: Grundlage für „die Leitprinzipien der Veranstaltung“ seien „die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung“, besser bekannt als Agenda 2030. Das Herzstück dieser 2015 durch die Vereinten Nationen beschlossenen Agenda sind 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, denen sich „die Weltgemeinschaft“ verschrieben hat, um in „globaler Zusammenarbeit“ Armut, Hunger und Ungleichheiten zu bekämpfen, kurzum: um die Welt zu retten. Genau an diesen Leitideen will sich auch der DFB orientieren, wie der Verband in einem Papier bekannt gab, das im März 2021 veröffentlicht wurde.

Nancy Faeser (SPD) freut sich über eine politisierte Europameisterschaft 2024.
Auch die linke „Zivilgesellschaft“ soll helfen
Es gehe „um langfristige und selbsttragende Aktivitäten, die über den Tag des Endspiels der UEFA EURO 2024 hinaus ihre Wirkung entfalten“ und sich auf „Fans und die Gesamtbevölkerung auswirken“ sollen. Der DFB versteht sich als Gesellschaftsklempner, der sich dazu auch die passende Hilfe ins Boot holen will: „Auch dank einer Zivilgesellschaft, die sich zu verantwortungsvollem Handeln verpflichtet sieht, wird Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle im Turnier spielen.“
Laut dem Strategiepapier verfolgt der DFB ehrgeizige Klima-Ziele: Demnach soll es etwa ein „CO2-neutrales Turnier“, inklusive einer „maximalen Reduzierung von CO2-Emissionen“ geben, zudem eine „Kreislauf- und Abfallwirtschaft“. Während des Turniers plant der Verband eine „gesunde Verpflegung“ – die beinhaltet etwa „alkoholfreie, vegane, gluten-, laktose- bzw. nussfreie Speisen“. Möglichst „verpackungsarme Produkte“ sollen serviert werden, die Besucher „bargeldlos“ bezahlen. Selbstverständlich herrscht auch ein Rauchverbot in den Stadien.
Dazu betont der DFB sein „Engagement für demografische und kulturelle Unterschiede“, was etwa den „Bau zusätzlicher Unisex-Toiletten“ inkludiert. Beim Veranstaltungspersonal soll „die Vielfalt der deutschen und europäischen Gesellschaft“ nicht nur abgebildet werden, sondern möglichst „erhöht“ werden. Personen mit der richtigen Hautfarbe haben also Vorteile bei einer Bewerbung. Im Umfeld der Fußballspiele dürfen sich die Fans auch auf umfangreiche „Kommunikationskampagnen zu Vielfalt, Gleichstellung und Vorbeugung von Diskriminierung und Rassismus“ freuen. Eingebunden in die Vorbereitung des Turniers sind unter anderem auch der „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)“ oder der Verein „Queer Football Fans (QFF)“.
Nicht nur die Konzernwelt, auch der DFB setzt auf eine ESG-Strategie
Mit der selbstverschriebenen Rolle als Treiber eines Gesellschaftsumbaus brüstet man sich auch in einer „ESG-Strategie“, die im Juli 2023 von der UEFA in Zusammenarbeit mit dem DFB veröffentlicht wurde. ESG – diese drei Buchstaben stehen für „Environmental“ (Umwelt), „Social“ (Soziales) und „Governance“ (Unternehmensführung). Große US-Vermögensverwalter wie Blackrock messen an diesen „woken“ Kriterien, wie „nachhaltig“ ein Unternehmen arbeitet und bewerten sie entsprechend. Strenge Klimaziele oder Vielfaltsrichtlinien beim Personal – in der modernen Konzernwelt zählt längst nicht mehr nur der Umsatz. Nun verschreiben sich auch die Fußballverbände dieser Vorgehensweise.

Eine Darstellung von Fußball-Fans in der Broschüre zur ESG-Strategie von DFB und UEFA. (Quelle: UEFA)
Der Sport an sich reicht nicht aus, alles muss politischer werden, so lautet die Devise: „In Übereinstimmung mit den wachsenden Erwartungen in der Gesellschaft an den Fußball, aktives Handeln für soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu beschleunigen, möchte die UEFA EURO 2024 mit gutem Beispiel vorangehen.“
Und so kündigen die UEFA und der DFB an, durch die EM eine „treibende Kraft für die nachhaltige Entwicklung der deutschen und europäischen Gesellschaft zu sein“. Und versprechen: „Bei der Euro 2024 werden Vielfalt und Inklusion gefeiert und es wird sichergestellt, dass alle gesellschaftlichen Gruppen und Minderheiten daran teilhaben können.“
Deutschland erhielt aufgrund seiner ESG-Richtlinien den Zuschlag
Bei der Ausschreibung der Europameisterschaft wurden entsprechende ESG-Kriterien bereits berücksichtigt – Deutschland bereitete den oben skizzierten Aktionsplan vor und erhielt deshalb den Zuschlag. Nicht die Fans sollen zufriedengestellt werden, sondern in erster Linie die wachsamen Bürokraten supranationaler Organisationen: „Durch gezielte Investitionen und Maßnahmen im Rahmen dieser Strategie soll zu einem Vermächtnis des Turniers beigetragen werden, das den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung entspricht.“
Gleichzeitig sieht die ESG-Strategie unter dem Punkt „Solidarität – Wohltätigkeit und Philanthropie“ auch eine explizite Förderung kultureller Projekte vor. Den passenden Rahmen dazu soll ein 13,2 Millionen Euro schweres Kunst- und Kulturprogramm bieten, das über die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, finanziert wird. Dafür wurde eigens die „Stiftung Fußball & Kultur EURO 2024“ gegründet, in die seit 2021 die rund 13,2 Millionen Euro an Steuergeld gesteckt wurden. Rund 65 Projekte, darunter Theaterstücke, Tanz-Performances oder Kunstausstellungen, werden im Namen von Nachhaltigkeit und Diversität unterstützt.

Die Zahlungen an die Stiftung für 2020, 2021, 2022, 2023 und 2024 in Tausend Euro.
Nicht das einzige Steuergeld, das im Zuge der ESG-Strategie vom Bund fließt: Das Umweltministerium von Steffi Lemke (Grüne) gab seit 2021 knapp 5,5 Millionen Euro für „Maßnahmen des Umwelt- und Klimaschutzes im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft 2024“ aus. Eine Machbarkeitsstudie aus Lemkes Ministerium für eine „klimaneutrale Ausrichtung“ der EM kostete den Steuerzahler zudem rund 84.000 Euro.
„Wir sind offen, wir sind vielfältig“
Der bunte Diversity-Traum wird auch von der deutschen Organisationsleitung rund um EM-Chef Philipp Lahm in zahlreichen Gesprächsrunden hochgehalten. „Wir sind ja alle erstmal gleich geboren“, verkündete etwa bei einem „Vielfalts-Talk“ Ende 2023 der Vorstandsvorsitzende der DFB GmbH & Co. KG, Alexander Wehrle. Die Menschen, die zu uns kommen würden, müssten nicht nur zu Zeiten der EM, so behandelt werden, als ob man sage: „Es ist völlig egal, woher man kommt, an was du glaubst, wie viel zu hast oder wen du liebst. Wir sind alle gleich“, so der DFB-Funktionär. Das müsse man in die Gesellschaft tragen. „Wir sind offen, wir sind vielfältig“, wiederholte Lahm im selben Gespräch mantraartig.

Philipp Lahm (4.v.r.) und Alexander Wehrle (6.v.r.) beim Vielfalts-Talk des DFB.
In einer Broschüre des Bundesinnenministeriums säuselt auch Nancy Faeser (SPD): „Schön ist auch: In einem modernen Einwanderungsland wie Deutschland müssen viele Fans nicht erst anreisen, um ihre Mannschaft anzuspornen, denn sie sind bereits hier. Im ganzen Land schlagen Fanherzen für mehrere Mannschaften gleichzeitig.“
Der Sport gerät zunehmend zur Nebensache. Diversity, Vielfalt, Antidiskriminierung, Antirassismus, Nachhaltigkeit, Inklusion oder Klimaneutralität – was für die Funktionäre wirklich zählt, sind Begriffe, die auch die Ampel-Regierung Monat für Monat wie eine Monstranz vor sich herschleppt.
Die Fußball-EM 2024 wird das politischste Fußballturnier aller Zeiten.
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