Terror gegen Tesla: Diese Gruppe steckt hinter dem Anschlag auf Elon Musks Fabrik
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Es war der aufsehenerregendste Anschlag der letzten Monate, den Öko-Extremisten am Mittwoch auf dem Gelände der Teslafabrik im brandenburgischen Grünheide verübt hatten. Eine vermutlich kleine Gruppe von Aktivisten setzte dort einen Strommast in Brand, sorgte damit in der Fabrik und den umliegenden Gemeinden für stundenlangen Stromausfall. Die Teslafabrik musste evakuiert werden und wird bis zum Ende der Woche geschlossen bleiben müssen. Der Schaden beläuft sich auf mehrere hunderte Millionen Euro.
Und obendrein sollen die Attentäter ein Zelt mit der Aufschrift „Kampfmittel hier verbuddelt!“ auf dem Gelände hinterlassen haben, das zwischenzeitlich den Einsatz von Bombenexperten nötig machte.
Ein „perfider Anschlag auf unsere Strominfrastruktur“
„Sollten sich die ersten Erkenntnisse bestätigen, handelt es sich um einen perfiden Anschlag auf unsere Strominfrastruktur“, teilte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) mit, „hier wurden tausende Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten und in Gefahr gebracht.“
Tesla-Chef Elon Musk schrieb zu der Attacke auf X: „Das sind entweder die dümmsten Ökoterroristen der Welt oder sie sind Marionetten derer, die keine guten Umweltziele haben.“
Die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) teilte mit: „Der Brandanschlag hat ganze Orte, sogar Kliniken vom Strom abgeschnitten und Menschen in große Gefahr gebracht“. Und versicherte: „Die Sicherheitsbehörden gehen entschieden gegen die Szene vor.“
Doch wer sind die Angreifer, die die Sabotage durchgeführt haben, überhaupt?

Die Innenministerin kündigte ein entschiedenes Vorgehen an.
„Technofaschismus“ und „todbringender Maskulinismus“
Kurz vor 12 Uhr tauchte auf dem linksautonomen Blog Indymedia ein Schreiben auf. Darin bekennen sich Täter der sogenannten „Vulkangruppe“ zum Attentat. Sie schreiben von „extremen Ausbeutungsbedingungen“ und verseuchtem Grundwasser. Mit dem Angriff auf die Gigafabrik in Grünheide habe man ein „Leuchtfeuer gegen Kapital, Patriarchat, Kolonialismus und Tesla“ entzündet.
Außerdem nennt der Text den südafrikanischen Multimilliardär und Investor Elon Musk einen „patriarchalen Visionär“ und rückt ihn in die Nähe eines „Technofaschismus“. Neben antikapitalistischen Herleitungen werden in dem Schreiben auch vermeintlich feministische Motive ausgeführt. „Wenn Elend Musk den Antifeministen und neoliberalen Präsidenten Argentiniens auf X bejubelt, dann, weil man sich vermännerbündet“, heißt es dort, und weiter: Musk stehe auf „der Seite eines todbringenden Maskulinismus“.
Die „Vulkangruppe“, 2011 gegründet und 2018 erstmals in einem Verfassungsschutzbericht aufgeführt, gilt als klandestin und in ihrer Planung professionell. Über Personen und Organisationsstrukturen ist nach Informationen von NIUS den Behörden nur wenig bekannt. Bisher zeichneten sich Mitglieder vor allem für Brandanschläge – etwa in Kabelschächten, Funktürmen oder auf Bahnverbindungsstrecken – verantwortlich. Ihr Kampf gilt oft der sogenannten „kritischen Infrastruktur“, die sie durch Taten beschädigen will. Die Gruppierung ist vor allem im Großraum Berlin tätig. 2018 sorgte die „Vulkangruppe“ für einen großflächigen Stromausfall in Westberlin (unter anderem Charlottenburg, Wilmersdorf); 2019 legte man die S-Bahn in Berlin-Karlshorst lahm.

Arbeiter errichten eine provisorische Baustraße zu einem Strommast in Grünheide.
Technologiefeindliche Argumentationsmuster
Ermittler ordnen die „Vulkangruppe“ dem autonomen und anarchistischen Spektrum zu. So kam der Inlandsgeheimdienst 2018 zum Schluss: „Durch Anschläge auf die Netzinfrastruktur soll zunächst der Betreiber direkt getroffen werden.“ Davon erhoffe man sich „bei den mittelbar Betroffenen, wie beispielsweise Pendlern oder privaten Internetnutzern, einen ‚Denkprozess‘“ anzustoßen – „und ihnen zu verdeutlichen, dass sie von ‚Kontrollinstrumenten‘ entkoppelt beziehungsweise ‚befreit‘ worden sind.“
Dazu passt: Das Bekennerschreiben der Vulkangruppe, die immer wieder unter variierenden Namen auftrat (etwa „Vulkangruppe Lützerath“, „Vulkangruppe Shut Down The Power“ oder „Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen“), weist eine ebenso technologiefeindliche wie kulturpessimistische Klangfarbe auf. „Ein Teslafahrzeug ist ein Überwachungsgerät des öffentlichen Raums“, schreiben die Bekenner, die in Musks Schaffen und der Teslafabrik einen „totalitären technologischen Angriff“ erkennen – und die in der Vergangenheit auch gegen die „Aufweichung der Grundrechte“, den „Ausbau der Überwachungsmaßnahmen“, „5G-Funkmasten“ oder die „Corona-App“ waren: alles Strukturen, die sinnbildlich für die Technologisierung und Datenauswertung der modernen Welt stehen. Der Sound des Pamphlets erinnert mitunter mehr an Ted Kaczynski, denn an Andreas Malm. Die Motive für ihre Radikalität, die bis zu Brandanschlägen reichen, speisen sich also vielmehr aus der Verneinung der Moderne und Ablehnung des Fortschritts denn aus grün-bürgerlicher „Sorge vor dem Klimakollaps“.
Internationalistischer „Switch Off“-Blog veröffentlicht Foto
Am Folgetag des Anschlags in Grünheide verbreitete auch der linksradikale Blog Switch Off das Pamphlet der Attentäter – mitsamt zwei Fotos des brennenden Strommasts. Auf dem Blog sind auch israelfeindliche und internationalistische Beiträge zu finden, die einen globalen Kampf gegen den fossilen Kapitalismus intonieren.
Die Gruppierung Switch Off existiert aber nicht nur als Onlineportal, sondern auch als eigene Organisationsstruktur, die immer wieder mit militantem Klima-Aktivismus für Aufsehen sorgte. Etwa im vergangenen Dezember, als Täter von Switch Off vermutlich vier Betonmischer des Konzerns Cemex in Berlin-Kreuzberg in Brand setzten und die Förderstätte der Zementfirma beschädigten. Wie die Welt berichtet, rechnet die Berliner Polizei der militanten Klimagruppe mittlerweile zwölf Anschläge zu.

Darstellung eines Strommasts auf dem linksextremen Blog „Switch Off“.
Radikalisierung der Klimaschutzbewegung
Ohnehin mehren sich bei Ermittlern und Sicherheitsbehörden Bedenken, dass eine Radikalisierung der Klimaschutzbewegung eintreten könnte. Anfang Februar attackierten Aktivisten der Gruppierung „Wald statt Asphalt“ ein Kieswerk bei Langen in Hessen, beschädigten dort Fördergurte, zerstörten Antriebsmotoren und verursachten mehr als 50.000 Euro Sachschaden. In Berlin kam es unlängst zu Brandanschlägen auf Tesla-Autos, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und vermutet Täter aus dem linksgerichteten Spektrum.
Im Fall des Transformatorenbrandes in Grünheide geht die Brandenburger Polizei derzeit von Brandstiftung aus, der Staatsschutz ist eingeschaltet. Die Taten der „Vulkangruppe“ und der Ruhm, der ihr in der autonomen Szene zuteilwurde, dürften Nachahmungstäter animieren – im ganzen Bundesgebiet, so die Befürchtung.
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