Um 0:32 Uhr verkündet Trump den Waffenstillstand mit Iran: Was der abgeblasene US-Angriff für Iran, die USA und die Welt bedeutet
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Der nach den massiven Auslöschungs-Drohungen Donald Trumps von manchen befürchtete Weltuntergang ist ausgeblieben. Stattdessen lenkte der Iran kurz vor Ablauf des Ultimatums ein und stimmte einer zweiwöchigen Waffenruhe zu, will die Blockade der Straße von Hormus vorerst einstellen. Doch vor den anstehenden Verhandlungen sind die Positionen der US-Regierung und des Regimes in Teheran kaum miteinander zu vereinbaren.
Kurz vor Ablauf des Ultimatums von US-Präsident Donald Trump hat der Iran eingelenkt und einer von Trump angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt. Das berichtete die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim.
Der US-Präsident kündigte um 0:32 Uhr unserer Zeit (also knapp 90 Minuten vor Ablauf des Ultimatums) auf Truth Social an, dass er auf Grundlage von Gesprächen mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif und Feldmarschall Asim Munir die „Bombardierung und den Angriff auf den Iran“ um zwei Wochen verschieben werde.
„Ihr verrückten Bastarde“
Zuvor hatte Trump in der fünften Kriegswoche rhetorisch eskaliert. Am Ostersonntag erklärte er, Dienstag werde der Kraftwerks- und Brückentrag sein, womit er die Bombardierung von Infrastruktur meinte: „Öffnet die verfickte Straße von Hormus, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben!“ Gleichzeitig hielt er sich die Tür für eine Verhandlungslösung offen. Es werde miteinander gesprochen, alles sei möglich.

Gewohnt undiplomatische Botschaft Trumps an die Mullahs.
Vance deutet Einsatz bisher ungenutzter „Werkzeuge“ an
Vizepräsident JD Vance äußerte sich am Dienstag in Budapest „zuversichtlich“, dass es nicht zum Äußersten kommen werde. Der Iran könne sich entscheiden, ein normales Land zu werden und dem Terrorismus die Unterstützung zu entziehen. Wenn nicht, so erklärte Vance, verfügten die Vereinigten Staaten über bislang nicht offengelegte Maßnahmen: „Wir haben Werkzeuge im Kasten, deren Einsatz wir bisher noch nicht beschlossen haben.“
Dies wurde von einigen so interpretiert, als habe er einen Einsatz von Nuklearwaffen angedeutet, was das Weiße Haus verneinte: „Wortwörtlich nichts von dem, was (der Vizepräsident) hier gesagt hat, ‚deutet das an‘.“ Alle, die das Gegenteil behaupteten, seien „absolute Vollidioten“.
Derweil postete Donald Trump einen weiteren Beitrag, der die Drohungen gegen das Mullah-Regime auf die Spitze trieb: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er wolle nicht, dass das passiere, aber es werde „wahrscheinlich dazu kommen“. Trump sprach von einem der „wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt“ und betonte, dass „Jahrzehnte der Erpressung, Korruption und des Todes – herbeigeführt durch den Iran – zu Ende gehen“ würden. „Gott segne die großartigen Menschen des Irans!.“

Die Worte, die die Welt ausrasten ließen – am Ende nur Drohkulisse.
Hysterische Reaktionen
Die Reaktionen aus Politik und Medien fielen bisweilen hysterisch aus: „Er ist wahnsinnig geworden“, „Durchgedrehter Irrer“, „Wirre Äußerungen“, „Trump droht mit Kriegsverbrechen“. Offenbar interpretierten viele die seltsame Formulierung vom „Ende einer Zivilisation“ als Drohung der kompletten Auslöschung des Iran, obwohl die von Trump ausgedrückte Wertschätzung des „großartigen Volkes“ diesen Schluss eigentlich nicht zulässt. In der ZDF-Talkrunde „Markus Lanz“ waren sich die geladenen Experten einig in der Einschätzung, nun stehe eine beispiellose Eskalation bevor. Sie wurden dann in der Nacht kalt erwischt, als der US-Präsident die zweiwöchige Waffenruhe verkündete.

Trumps Statement, dass der Großangriff vorerst gestoppt wurde.
Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte erleichtert und begrüßte die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf eine Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus: „Ziel muss nun sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln. Dies wird sich nur auf diplomatischem Weg erreichen lassen.“
Der pakistanische Vorschlag zur Waffenruhe muss nicht ausschlaggebend gewesen sein. Trump sagte auf Nachfrage, er glaube, dass China den Iran an den Verhandlungstisch gebracht habe. Unter Berufung auf drei iranische Beamte berichtete auch die New York Times, dass der Iran nach hektischen diplomatischen Bemühungen einen von Pakistan vermittelten Waffenstillstand nach einem Eingreifen Chinas in letzter Minute akzeptiert habe.
Sofortige Öffnung der Straße von Hormus
Die befürchtete Apokalypse ist also ausgeblieben. Doch eine Waffenruhe muss nicht das Ende des Krieges bedeuten. Und sie wirft viele Fragen auf. Etwa: Wird der Waffenstillstand dauerhaft sein oder werden die militärischen Handlungen bald wieder aufgenommen? Falls der Krieg mit einem Abkommen endet, wie lauten die Bedingungen? Wie ist der Stand des iranischen Atomprogramms und des angereicherten Urans? Dauert der Konflikt im Libanon an oder endet er?
Fest steht, dass die Verhandlungen am Freitag in Islamabad beginnen, aber auch, dass das Weiße Haus den vom Iran vorgelegten 10-Punkte-Plan als reine Verhandlungsgrundlage betrachtet. Entscheidend scheint für die US-Regierung zu sein, dass sich der Iran erst einmal bereit erklärt, der internationalen Schifffahrt die Durchfahrt der Straße von Hormus wieder freizugeben – das derzeit dringendste Problem, das der Lösung harrt. Trump hatte klargemacht, die Verschiebung weiterer Bombardierungen sei davon abhängig, dass die Islamische Republik Iran der „VOLLSTÄNDIGEN, SOFORTIGEN und SICHEREN ÖFFNUNG der Straße von Hormus“ zustimme.
Dies hat das iranische Regime nun zugesagt. „Dies wird ein beidseitiger WAFFENSTILLSTAND sein!“, schrieb Trump in einem Beitrag auf Truth Social. „Der Grund dafür ist, dass wir bereits alle militärischen Ziele erreicht und übertroffen haben und bei einer endgültigen Vereinbarung über einen langfristigen FRIEDEN mit dem Iran sowie FRIEDEN im Nahen Osten sehr weit fortgeschritten sind.“
Erfolg durch maximalen Druck – oder TACO?
Laut des israelischen Senders Kanal 12 wurde die zeitlich begrenzte Waffenruhe zwischen den USA und Israel vorab abgestimmt. Demnach öffnet Iran die Straße von Hormus vorübergehend, ohne vorab zentrale Forderungen durchgesetzt zu haben – etwa ein endgültiges Kriegsende, Entschädigungen oder die Aufhebung der Sanktionen. Für die kommenden zwei Wochen sollen Verhandlungen über Atomprogramm, Urananreicherung und ballistische Raketen folgen.
Premier Benjamin Netanjahu verkündete: „Israel unterstützt die Entscheidung von Präsident Trump, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen auszusetzen, unter der Bedingung, dass der Iran unverzüglich seine Grenzen öffnet und alle Angriffe auf die Vereinigten Staaten, Israel und die Länder der Region einstellt.“ Der Waffenstillstand gelte ausdrücklich nicht („NOT“) für den Libanon, wo die israelische Armee aktuell mit Bodentruppen gegen die Hisbollah-Miliz kämpft. Das sieht Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der den Waffenstillstandsvorschlag vorbrachte, anders.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu steht zum Waffenstillstand – aber nicht im Libanon.
Was die einen als – wieder einmal erfolgreiche – Strategie Trumps betrachten, nämlich maximalen Druck aufzubauen, um ein Ziel zu erreichen, es dann aber nicht zum Äußersten kommen zu lassen, sehen andere als Zurückweichen. Kritiker sprechen von „TACO“ („Trump Always Chickens Out“), weil er erst aggressiv nach vorn gehe, dann wieder zurückweiche. Am Ende stehe eine strategische Niederlage.
Mullahs können ihr bloßes Überleben als Sieg verkaufen
Nüchtern betrachtet hat er allerdings mit dem Aufbau der extremen Drohkulisse etwas erreicht: die politische und militärische Führung ausgelöscht, ebenso Marine, Luftwaffe und Luftabwehr – und dem Regime dann eine Frist gesetzt, um zu kapitulieren. Und Tatsache ist: Es hat erst einmal nachgegeben, die Straße von Hormus wird wieder freigegeben, der Druck auf die Ölmärkte ist genommen.

Der von Trump verkündete „vollständige Sieg der USA“ ist noch nicht unter Dach und Fach.
Nun haben die USA und Israel aber den Iran angegriffen, um die größte Bedrohung mindestens für die Region auszuschalten. Die Ziele: Zerstörung des Atomprogramms und der Fähigkeit, Langstreckenraketen herzustellen, sowie die Verunmöglichung der weiteren Unterstützung der terroristischen Stellvertreter in Nahost: Hamas, Hisbollah und Huthis. Werden diese Ziele am Ende nur teilweise erreicht, ist die Lage zwar besser als vorher – zumindest hat man die Kapazitäten des Iran um einige Jahre zurückgeworfen –, doch hat das Mullah-Regime den Vorteil, dass es sein bloßes Überleben als Sieg verkaufen kann.
Praktisch ohne den Einsatz von Bodentruppen wurden jedoch dramatische Erfolge erzielt: Die Luftwaffe der Islamischen Republik ist fast vollständig zerstört, viele Basen und Flugzeuge wurden vernichtet. Die Landesluftverteidigung ist fast vollständig funktionsunfähig, weshalb der Luftraum von den Amerikanern und Israelis kontrolliert wird, die jederzeit wieder eingreifen können.

Die B-52-Bomber der US-Luftwaffe waren schon auf dem Weg in den Iran.
Militärisch schwer geschwächt – und politisch?
Die meisten petrochemischen Industrien als Quelle für Deviseneinnahmen wurden zerstört. Die Führungsebenen der militärischen Organisationen wurden, wie die der politischen, schwer dezimiert. Neben den unbestreitbaren militärischen Errungenschaften ist auch dies nicht gering einzuschätzen: Die Länder des Golf-Kooperationsrats haben sich den Feinden der Islamischen Republik angeschlossen, die Freundschaft der Mullahs mit Katar ist zerstört und in Feindschaft umgeschlagen.
Darüber hinaus ist Trumps Erklärung „Die Vereinigten Staaten von Amerika werden beim Verkehrsaufkommen in der Straße von Hormus helfen“ eine schlechte Nachricht für China. Sie bedeutet eine dauerhafte US-Marinepräsenz an der Meerenge, durch die täglich 1,22 Millionen Barrel für China bestimmtes iranisches Rohöl über eine Schattenflotte fließen.
Was die nun anstehenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran betrifft: Jetzt kommt es darauf an, wie man sich bei fast völlig gegensätzlichen Positionen einander annähern will. Denn zwischen den 15 Punkten der US-Regierung und den 10 Punkten der Iraner liegen Welten.
Verhandlungen mit völlig ungewissem Ausgang
Die USA fordern unter anderem die Demontage aller großen Nuklearanlagen, das Ende jeglicher Urananreicherung und die Übergabe angereicherten Urans, die Einstellung der Produktion ballistischer Raketen, ein Ende der Unterstützung der terroristischen Stellvertreter und die vollständige Wiedereröffnung und Sicherung der Straße von Hormus sowie Einstellung der Bedrohungen für regionale Schifffahrt und Golfstaaten.
Letzteres sagt das Regime in Teheran „unter iranischen Bedingungen“ zu. Die restlichen neun Punkte der Iraner sind für Amerikaner und Israelis eigentlich nicht akzeptabel – von einem permanenten Ende der Angriffe über die Aufhebung der Sanktionen und Entschädigung für den Wiederaufbau von Kriegsschäden im Iran bis zum Ende der israelischen Offensive gegen die Hisbollah im Libanon.

Explosion eines Munitionsdepots im iranischen Isfahan.
Wie man sich bei derart unterschiedlicher Zielsetzung da einigen soll, ist Beobachtern ein Rätsel. Klar ist: Ein militärisch und personell stark geschwächtes Regime, dem auch die Ressourcen genommen werden, kann sich auf Dauer nicht halten, auch wenn es jetzt erst einmal feiert, überhaupt noch da zu sein. Alles hängt jetzt davon ab, wie dominant die USA aus ihrer momentanen Position der Stärke heraus darauf bestehen werden, dass der Iran in der Region deutlich kleinere Brötchen backt als bisher – wenn überhaupt.
Als potenzielle Atommacht darf der Iran nie wieder auftreten – und auch nicht mehr in der Lage sein, neben Israel auch arabische Staaten in der Region weiter zu bedrohen und zu bekämpfen (oder terrorisieren zu lassen). Trotz nicht zu leugnender militärischer Erfolge ist es für Trump noch zu früh, sich zum Sieger zu erklären, aber mindestens ebenso ungewiss ist, ob die arg zugerichteten und zum Einlenken gezwungenen Mullahs ihre Forderungen auch nur teilweise durchsetzen können. Alles wird von den Verhandlungen in Islamabad abhängen.
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