Wahlkampf gegen „Hass und Hetze“, aber mit Krah: SPD wirbt mit AfD-Spitzenkandidat um Wählerstimmen
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Die AfD hat ihn aus dem Wahlkampf verbannt, der SPD kommt er gerade recht: Maximilian Krah, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland, ziert ein Wahlkampf-Bild der Sozialdemokraten auf Instagram.
Die Partei veröffentlichte am Freitag einen Post mit einem roten und einem blauen Farbfeld. „Du hast die Wahl ...“, steht auf Rot geschrieben, „... damit er die Wahl hasst“, liest man auf Blau neben einem Bild von Krah.
Gezielte Verunglimpfung des Gegners
Die SPD folgt dabei einer Strategie, die auch andere linke Parteien im Europa-Wahlkampf verfolgen: das sogenannte negative campaigning. Dabei stellen Parteien nicht die eigenen Ideen und Projekte in den Vordergrund, sondern profilieren sich über die Verunglimpfung des Gegners. Seit Wochen gehen Grüne und SPD in einem Kampf gegen Rechts auf und suggerieren, dass jede Stimme für andere Parteien, insbesondere für die AfD, auf direktem Wege in einen neuen Nationalsozialismus münde.
Dabei machen sich Parteien genau jene Sprache und Symbolik zunutze, die sie eigentlich zu bekämpfen vorgeben. Die Grünen etwa werben in Prospekten und auf Wahlplakaten mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz und instrumentalisieren so die Nazi-Zeit für ihre eigenen politischen Zwecke.
Ähnlich ging die SPD vor, als sie kürzlich mit den Zeilen „Deutschland den Deutschen, die unsere Demokratie verteidigen“ im Netz warb. Dies sollte eine Anspielung sein auf die Umdichtung des Liedes „L’Amour Toujours“ von Gigi D'Agostino, das seit Wochen als Meme viral geht. Auf Sylt hatten sich junge Menschen dabei gefilmt, wie sie zu dem Song „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ sangen, an zahlreichen anderen Orten imitierten Menschen dies.
Der Post der SPD kam allerdings nicht besonders gut an und wurde rasch von der Partei gelöscht. Begründung: Man habe es „nicht geschafft, einen Ton zu treffen, der alle mitnimmt.“ Eine harmlose Beschreibung für die Geschmacklosigkeit, mit der die SPD alles für sich auszuschlachten versucht, was ihr über den Weg läuft: Ausgerechnet jene Partei, die im ganzen Land die Worte „Gegen Hass und Hetze“ plakatiert hat, ist sich nicht zu schade, jede noch so plumpe Anspielung mitzunehmen, um auf Stimmenfang zu gehen. Dabei verwendet sie mit Vorliebe Parolen und Gesichter, die gerade für jenes Verhalten stehen, das in den Augen der SPD unter „Hass und Hetze“ firmiert.
Thanksgiving-Idylle soll Wähler abschrecken
Für Belustigung im Netz sorgte dieser Tage ein weiterer Instagram-Post der SPD. Er zeigt zwei klassische Vater-Mutter-Kind-Familien: Links ein Foto in schwarz-weiß, der Vater – im Anzug, mit Einstecktuch – schneidet einen Truthahn an, Mutter und Sohn sitzen an der elegant gedeckten Tafel. Rechts das bunte Bild einer lachenden Familie mit Migrationshintergrund, auch sie sitzt am Esstisch, der Vater trägt einen Hoodie. Statt Fleisch gibt es eine gelbe Pampe, die sich mit Fantasie als Makkaroni-Auflauf deuten lässt. Dazu die fett gedruckte Frage: „In welchem Europa willst du morgen aufwachen?“
Beim Betrachten des linken Bildes kommt einem klassische Musik oder der Sound eines altertümlichen Radiogeräts in den Sinn, beim rechten Bild flüstert die innere Stimme: „Stylische Tischsets in meerblau, jetzt nur 4,99. Lidl lohnt sich.“
Findige Internetnutzer fanden rasch durch eine Bilder-Rückwärtssuche heraus, dass es sich beim linken historischen Bild um eine amerikanische Familie an Thanksgiving handelt, rechts um eine britische Familie. Die SPD-Anhänger werden am Montag nach der Wahl also in jedem Fall enttäuscht aufwachen. Dass die Wahlkampf-Strategen der Partei jedoch nicht einmal die Möglichkeit einer solchen Rückwärtssuche bedacht haben, zeigt, dass sie der Schwarz-Weiß-Idylle technologisch näher stehen als der Farbfotografie.
Unermüdlicher Kampf gegen rechts
Vielleicht bleibt aber auch einfach keine Zeit für technologischen Fortschritt, wenn man von morgens bis abends den vermeintlichen Rechtsruck bekämpfen muss. Zumindest auf Instagram scheint die SPD sich kaum noch auf anderes konzentrieren zu können. So fragte sie ihre Follower am Samstag: „Mit rechts zum Erfolg?“, dazu ein Bild von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU), die – so warnt die SPD – nicht ausschließt, „mit der rechtspopulistischen EKR zu kooperieren.“ Daneben blickt SPD-Spitzenkandidatin Katharina Barley den geneigten Follower an, sie wird mit den Worten „Mit Recht zum Erfolg“ umschrieben.
In einem weiteren Beitrag bezeichnet Barley in einer Rede die Konservativen als „Steigbügelhalter“ der Rechtsradikalen. Und verweist mahnend nach Finnland, Schweden, in die Niederlande und nach Italien, wo die Rechtspopulisten bereits mithilfe der Konservativen an die Macht gelangt seien.
Ob diese Strategie aufgehen wird, wird sich am heutigen Wahlsonntag zeigen – blicken doch viele Deutsche geradezu neidisch in die erwähnten Nachbarländer, in denen ein funktionierendes Zusammenspiel linker und rechter politischer Kräfte gerade jene Politik der Vernunft begünstigt, die in Deutschland schmerzlich vermisst wird.
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Pauline Voss
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