Warum CDU-Chef Merz auf Dietmar Woidke und SPD-Mann Pistorius auf einen Sieg der AfD hoffen
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Wahltag in Brandenburg, 18 Uhr, zwei Männer vor dem Fernsehen verfolgen die erste Hochrechnung: CDU-Chef und Kanzlerkandidat der Union Friedrich Merz und SPD-Hoffnungsträger, Verteidigungsminister Boris Pistorius drücken Daumen. Das Kuriose: Beide fiebern nicht mit ihrer eigenen Partei.
Es war kein guter Tag für den Brandenburger CDU-Spitzenkandidaten Jan Redmann, als sein Parteifreund, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) unlängst zur Wahlkampfhilfe ins nördliche Nachbarland Sachsens kam und nicht etwa ihm, sondern Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den Rücken stärkte. Wichtig sei Stabilität, so Kretschmer, und die SPD habe Brandenburg in den zurückliegenden 34 Jahren stets Stabilität gegeben. Na danke, wird sich Redmann gedacht haben.
Doch sein Parteichef Friedrich Merz dürfte heute Abend um 18:00 Uhr ähnliche Vorlieben haben. Der Grund: Wenn Woidke – egal ob knapp oder deutlich – das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD für sich entscheidet, hat die AfD nicht nur in zwei von drei Wahl-Ländern die Favoritenrolle nicht ins Ziel tragen können, ein SPD-Sieg erhöht auch die Chancen von Merz bei der kommenden Bundestagswahl.

Der amtierende Ministerpräsident Dietmar Woidke.
Woidke hat ausgerechnet Scholz beim Wahlkampf nicht eingeladen
Woidke, der seine politische Zukunft mit dem Sieg in der Landtagswahl verknüpft hatte, dürfte der SPD auch im Bund ein Stück Motivation zurückgeben. Wir können noch siegen. Die SPD ist noch da. Und auch der Wahl-Potsdamer, Kanzler Olaf Scholz (SPD) wird sich die Chance nicht nehmen lassen, einen Teil des Erfolgs in seiner Wohn-Heimat für sich zu verbuchen. Dass Woidke sich ausdrücklich Wahlhilfe und Auftritte von Scholz im Wahlkampf verbeten hatte, fällt in solchen Momenten schon mal geflissentlich unter den Tisch.

Stagniert in Umfragen bei lediglich 14 Prozent: Der brandenburgische CDU-Chef Jan Redmann.
Und was hat das nun alles mit Merz zu tun? Wenn die SPD mit einem kleinen Hoffnungsschimmer aus dieser letzten Landtagswahl 2024 herauskommt, müssen jene in der SPD noch ein wenig an sich halten, die insgeheim schon die Messer gegen den ungeliebten Kanzler wetzen. Für Merz aber ist Kanzler-ohne-Land Scholz (nur 3 Prozent vertrauen der Ampel noch) der leichtere Gegner im Bundestagswahlkampf. Und mit jedem Tag, den Scholz sich länger im Amt halten kann, wird eine Auswechslung auf den letzten Metern wahrscheinlicher.
Genau umgekehrt ist die Interessenlage bei Boris Pistorius, der nicht nur in den Beliebtheitsstatistiken seit längerem führt, sondern auch innerhalb der mehr und mehr verzweifelten SPD als letzter Hoffnungsträger gesehen wird. Liegt Woidke mit der märkischen SPD hinter der AfD auf Platz zwei, so muss er wohl oder übel konsequenterweise das Feld räumen.

Gilt vielen als Hoffnungsträger: SPD-Politiker Boris Pistorius.
CDU-Chef Brandenburgs als Verlierer des Duells zwischen SPD und AfD
Damit risse er nicht nur eine schwierige Personallücke in der Brandenburger Sozialdemokratie auf, sondern würde die Depression der Bundes-SPD noch um einen entscheidenden Schub verstärken. Dass die älteste deutsche Partei in diesem Fall ohne mit der Wimper zu zucken, mit einem Spitzenkandidaten Olaf Scholz in die Bundeswahl zöge, würde noch unwahrscheinlicher. Der Ruf nach dem Retter Pistorius würde unweigerlich lauter werden.
Nur einem hilft das Duell zwischen SPD und AfD überhaupt nicht weiter: Brandenburgs CDU-Spitzenkandidat Jan Redmann. Seine Partei rangiert in den letzten Umfragen bei 14 Prozent. Wenn zwei sich streiten, freut sich womöglich DIE Dritte: Sahra Wagenknecht liegt mit ihrem BSW (13 Prozent) fast gleichauf mit der Union.
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Ralf Schuler
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