Wenn die Migrationspolitik sich nicht ändert, wandern bis zur Bundestagswahl 2025 fast eine halbe Million Migranten nach Deutschland ein
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Monat für Monat drängen zehntausende Menschen aus Drittstaaten nach Deutschland. Die Ampel-Regierung hält weiter unbeirrt an ihrem Kurs in der Migrationspolitik fest. Wie viele Migranten aus Nicht-EU-Ländern kommen bis zur Bundestagswahl im Herbst 2025 ins Land? NIUS wagt eine Prognose.
Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellten bis zum 31. Mai 103.467 Personen einen Erstantrag auf Asyl. 60 Prozent von ihnen stammen aus drei Ländern: Syrien, Afghanistan und die Türkei. Im Durchschnitt kommen damit rund 20.700 Migranten pro Monat ins Land. Rechnet man diese Zahl auf das ganze Jahr hoch, dürften von Juni bis Dezember 2024 allein über das Asylsystem weitere 144.900 Menschen aus Drittstaaten nach Deutschland einwandern. Ergänzt man dazu denselben Durchschnitt für die Monate Januar bis August 2025, erhöht sich die Zahl nochmals um 165.600 Asylbewerber. Das würde bedeuten: Von Juni 2024 bis zur Bundestagswahl im Herbst 2025 würden rund 310.500 Personen allein über das Asylsystem nach Deutschland einwandern.
Das lässt außen vor, dass die Asylzahlen in den vergangenen Jahren in den Monaten Juni bis November fast immer nach oben schnellten. Die endgültige Zahl könnte also noch höher liegen.

60 Prozent der Asyl-Migranten 2024 stammen aus drei Ländern: Syrien, Afghanistan und der Türkei
Auch über den Familiennachzug kommen Migranten nach Deutschland
Doch nicht nur über das Asylsystem, auch über den Familiennachzug drängen weiterhin zehntausende Migranten aus Nicht-EU-Ländern ins Land. 2023 stellten die Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes rund 131.000 Visa an Migranten aus Drittstaaten aus. 2022 waren es 117.000, ein Jahr davor knapp 105.000. Auch künftig dürfte es bei mindestens 100.000 Familiennachzüglern pro Jahr bleiben. Rechnet man also mit einem Durchschnitt von 8.333 Personen pro Monat, die ein entsprechendes Visum erhalten, ergibt das in der Zeitspanne von Juni 2024 bis August 2025, dem frühesten Zeitpunkt der nächsten Bundestagswahl, eine Summe von 125.000 Familiennachzüglern.
Über das Ortskräfteverfahren und das im Oktober 2022 gestartete Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan kommen weitere Migranten ins Land. In einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hieß es Ende April: „Insgesamt hat die Bundesregierung in diesen laufenden Aufnahmeverfahren mehr als 47.000 besonders gefährdeten Afghaninnen und Afghanen eine Aufnahme in Deutschland in Aussicht gestellt. Davon sind bisher über 33.600 Personen mit Unterstützung der Bundesregierung nach Deutschland eingereist.“ Das bedeutet: Die Bundesregierung will über die Aufnahmeprogramme weitere 13.400 Afghanen nach Deutschland holen. So warten tausende Afghanen bereits in Pakistan auf die Einreise nach Deutschland. „Mit Stand vom 22. April 2024 befanden sich ca. 3.000 Personen (…) in Pakistan. Circa ein Fünftel davon sind Personen aus dem Ortskräfteverfahren, ca. ein Viertel sind Personen aus dem Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.
Welche Zahl ist realistisch?
Ebenfalls hinzu kommen die Flüchtlinge aus der Ukraine, die nicht in der Asylstatistik landen. Das Bundesinnenministerium verlängerte mit Zustimmung des Bundesrates am 17. Mai die Einreiseerleichterungen für ukrainische Flüchtlinge zum fünften Mal. Ukrainische Staatsangehörige und staatenlose Geflüchtete aus der Ukraine mit unbefristetem Aufenthaltsrecht in der Ukraine können bis zum 31. Dezember 2024 weiterhin ohne Aufenthaltstitel in das Bundesgebiet einreisen. Größere Flüchtlingszahlen gibt es momentan nicht, von Januar bis April kamen laut Bundesinnenministerium rund 17.000 Ukrainer ins Land. Bis zur Bundestagswahl könnte also eine fünfstellige Zahl von Ukrainern nach Deutschland einwandern, niedrig angesetzt etwa 20.000 bis 50.000 Personen.
Gesetzt den Fall, die Migrationszahlen bleiben ungefähr konstant, dürften damit bis zur Bundestagswahl im Herbst 2025 eine Zahl von fast 500.000 Personen aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland einwandern. Die Schätzung beruht auf den folgenden Annahmen: 310.500 Personen über das Asylsystem, 125.000 über den Familiennachzug, 13.400 über verschiedene Aufnahmeprogramme, und mindestens 20.000 bis 50.000 Ukrainer.
Steigen die Migrationszahlen im Sommer und im Herbst, wie es in den vergangenen Jahren häufig der Fall war, könnte sogar eine Zahl von über 500.000 erreicht werden.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Stellvertretender Exekutivdirektor Frontex Lars Gerdes an der türkisch-europäischen Grenze
Frontex rechnet mit weiteren Migrationsschüben
Bereits im Februar hatte NIUS bei der europäischen Grenzagentur Frontex nach einer Einschätzung für die Migrationszahlen in den nächsten Monaten gefragt. „Obwohl es schwierig ist, die genauen Zahlen vorherzusagen, rechnen wir nicht mit einer signifikanten Verlangsamung der irregulären Überfahrten in diesem Jahr, vor allem aufgrund der anhaltenden Bewegungen über das Mittelmeer und die westafrikanische Migrationsroute, insbesondere aus der Subsahara-Region“, teilte ein Sprecher mit. „In den wichtigsten Herkunfts- und Transitregionen gibt es zusätzliche Push-Faktoren, die sorgfältig berücksichtigt werden müssen.“
Zwar würden „die Bemühungen zur Abschwächung des Migrationsdrucks sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene zunehmen“. Dennoch sei es „wichtig zu beachten, dass die Auswirkungen dieser Bemühungen erst mittelfristig zu erwarten sind“. Anders gesagt: In den nächsten Monaten wird sich nichts ändern.
Zudem könnten aufgrund zunehmender Grenzschutz-Bemühungen in der EU, Menschenschmuggler versuchen, das sich „schließende Zeitfenster zu nutzen“, erklärte der Sprecher von Frontex. Alle wollen noch schnell nach Europa, was die Zahlen in nächster Zeit drastisch steigen ließe. Ebenfalls brisant: Migranten könnten ganz einfach „die neuen Grenzverfahren umgehen“, indem sie „vermehrt die Staatsangehörigkeit wechseln“.
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