Die deutsche Autokrise: China boomt, VW in Kurzarbeit
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BYD, Nio, Xpeng, Leapmotor – kennen Sie diese chinesischen Automarken? In Deutschland sind sie bisher vor allem Insidern und Autofans ein Begriff. Doch die „Newcomer“ aus der Volksrepublik arbeiten hart daran, das zu ändern. Dabei ist „Newcomer“ hier das falsche Wort. Denn im wichtigsten Automarkt der Welt, China, sind diese Marken schon längst etablierte Konkurrenz. BYD etwa dominiert den chinesischen Markt klar.

Der BYD Qin ist auf dem größten Automobilmarkt der Welt, China, das meistverkaufte Auto.
Zwar verkauften die Deutschen nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) im vergangenen Jahr noch 4,4, Millionen Autos in China, was einem Marktanteil von etwa 20 Prozent entspricht. Im politisch geförderten Geschäft mit E-Autos lag der Markanteil jedoch bei etwa fünf Prozent. Unter den zehn meistverkauften Elektroautos in China befindet sich kein einziges deutsches Modell. Auf den Vorstandsetagen deutscher Automobilgiganten ist die Stimmung getrübt.
Für die Absatzkrise gibt es aus Deutschland noch keine Antwort
Die IAA in München, einst eine der wichtigsten Automobilmessen der Welt, verliert parallel zu den heimischen Herstellern an Relevanz. Die größten Messestände haben unter anderem VW und BMW, doch auch BYD genehmigt sich die gleiche Größe (und muss keine Konzernmarken wie Cupra, Audi, Porsche und so weiter auf dem gleichen Messestand unterbringen).

Der „ID. Buzz“ von Volkswagen mit markantem Design.
Das chinesische Selbstbewusstsein speist sich unter anderem aus den Fehlern deutscher Anbieter in der Volksrepublik. Den Traditionsmarken traut man die modernen Elektro-Autos nicht richtig zu. Bei der Entwicklung von Software, die in China für Entertainment-System und Co ein wichtiges Verkaufsargument sind, ist man in Deutschland zu langsam.
Chinesen nutzen Deutschland für zusätzlichen Absatz
Der chinesische Elektroautobauer BYD hat in diesem Jahr nicht nur VW in China nach Jahrzehnten die Gesamt-Marktführerschaft abgeluchst. Auch haben die Chinesen weltweit im Gesamtverkauf den US-Elektropionier Tesla hinter sich gelassen. Und so kommen die chinesischen Massenmodelle mit reichlich Ausstattung zum günstigen Preis nach Deutschland.
2024 will auch VW-Partner Xpeng in Deutschland starten. Deutschland-Manager Markus Schrick kündigte an, mit etablierten Händlern zusammenzuarbeiten, während viele andere Newcomer vor allem auf Onlineverkäufe setzen. Bisher ist Xpeng mit seinem Angebot insbesondere in nordeuropäischen Ländern am Start, für kommendes Jahr stehen aber nun auch Frankreich und Großbritannien im Plan.

Der NIO ET7: Sofort verfügbar ohne lange Lieferzeit und kommt serienmäßig mit Luftfederung, Sprachassistent sowie 7.1.4 Soundsystem.
Bei Nio, deren Autos bereits in Deutschland verfügbar sind, könnte es auch noch einen Schritt weitergehen. „Wir sind in Europa noch relativ klein“, sagte Europachef Hui Zhang. „Aber wenn wir bei einem Absatz um die 100.000 Fahrzeuge liegen, könnte sich eine Fabrik in Europa rentieren.“ Das Wachstum wird schon jetzt aggressiv vorangetrieben: Überall wo Regierungen mit Subventionen für E-Autos locken (etwa Deutschland oder Skandinavien), baut NIO eigene Repräsentanzen an den feinsten Adressen. Neben feinen Marken wie Apple an der Düsseldorfer Königsallee findet man ein „NIO House“ genauso am Berliner Kurfürstendamm oder per Pop-Up-Store auf Sylt.
Symptomatisch für das aktuelle Umfeld kündigt VW Kurzarbeit an
Wegen der verheerenden Hochwasser in Slowenien und daher fehlenden Motorteilen muss bereits ein Werk in Portugal die Montage ab dem 11. September für zwei Monate stilllegen. Auch im Stammwerk in Wolfsburg werden einzelne Schichten in der Fertigung wegfallen. Für die betroffenen Mitarbeiter werde Kurzarbeit beantragt. So greift der Steuerzahler dem Konzern auch bei kleinsten Instabilitäten unter die Arme.

Das Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg hat in Teilen Kurzarbeit angekündigt.
Ohne China kann die deutsche Auto-Industrie nicht leben
Ohne die Anteile in China könnten die deutschen Autohersteller nicht existieren, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das liege nicht nur an der Zahl der verkauften Fahrzeuge, sondern auch an deren Wert. In China würden vor allem Premiumfahrzeuge verkauft und keine Kompaktfahrzeuge. „Das Geld, was in Deutschland den Arbeitern und Angestellten und Aktionären bezahlt wird, wird in China verdient“, sagt Dudenhöffer.
China sei außerdem wichtig, weil das Land in der Zukunft und auch schon heute in Teilbereichen Technologieführer sei, sagt Dudenhöffer. „Wir könnten ohne die Chinesen gar nicht in die Transformation gehen.“ Ohne das Wissen aus China könnten die Deutschen in der Zukunft keine wettbewerbsfähigen Autos bauen.

Olaf Scholz sprach am Dienstag auf der IAA in München.
Scholz lobt eigene Industrie und bleibt einäugig
Bundeskanzler Olaf Scholz konnte, mit einem Auge, das Leid der deutschen Automobilindustrie bei der Eröffnung der IAA am Dienstag in München nicht erkennen. Stattdessen gab es warme Worte für die Innovationsfähigkeit der deutschen Autobauer und Zulieferer. „Die Wettbewerbsfähigkeit der Autoindustrie in Deutschland steht außer Frage“, sagte Scholz mit Blick auf die vielen chinesischen Autobauer, die erstmals auf der Automesse auftreten. Einen Besuch bei den Konkurrenz-Herstellern hatte der Kanzler nicht geplant.

Hildegard Müller ist Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie.
Die Präsidentin des VDA, Hildegard Müller, ist in Sorge um den Standort Deutschland und eine schleichende Verlagerung von Investitionen ins Ausland. „Wir wollen hier investieren. Aber dafür müssen die Bedingungen stimmen“, sagte Müller. Steuern, Abgaben und Energiepreise seien jedoch international nicht mehr wettbewerbsfähig, und ständig kämen neue Vorgaben aus Brüssel und Berlin dazu. Die USA und China dagegen unterstützten ihre Unternehmen und entfesselten die Invovationskräfte mit weniger Bürokratie und mehr Technologiefreiheit.
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Philippe Fischer
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