Papierfabrik macht nach mehr als 200 Jahren dicht: Melitta schließt Standort in Mecklenburg-Vorpommern
Ein Beitrag von
Die Melitta-Unternehmensgruppe schließt ihre Papierfabrik in Neu Kaliß, Mecklenburg-Vorpommern, zum 31. März. In dem Werk, das vor allem Spezialpapiere herstellte, darunter Tapetenvliese, Kaffeefilterpapier, Bier- und Tassendeckchen, Krepppapiere sowie sogenannte Verdunsterpapiere, verlieren 115 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Eine Insolvenz wurde laut Unternehmensangaben nicht angemeldet. Zuerst hatte Apollo News über die Werkschließung berichtet.
Ursachen für die Schließung sind Medienberichten zufolge eine seit Jahren angespannte Geschäftslage. Konkretere Angaben liegen bislang nicht vor; weitere Details will die Melitta-Gruppe in den kommenden Tagen bekannt geben. Letztlich dürfte die Fabrik unter denselben wirtschaftlichen Problemen leiden wie weite Teile der deutschen Papierindustrie: gestiegene Rohstoffpreise für Altpapier und Zellstoff, die sich seit der Corona-Krise massiv verteuert haben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg der Preis für Zellstoff von Januar bis September 2021 um rund 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Altpapierpreise im Großhandel lagen sogar um 222 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Tradition aus Minden: Eine Mitarbeiterin zeigt Filtertüten der Firma Melitta aus den letzten Jahrzehnten.
Hinzu kommen hohe Energiepreise und ausufernde Bürokratie auf EU-Ebene. Besonders belastend ist die sogenannte EUDR-Verordnung, auch als Entwaldungsverordnung bekannt. Sie gilt seit 2025 für Großunternehmen und ab Juni 2026 auch für kleine und mittlere Betriebe. Ziel der Vorgabe ist der Schutz von Waldgebieten: Papierhersteller müssen detaillierte Nachweise über die Herkunft des Holzes für Papier-, Karton- und Zellstoffprodukte erbringen – inklusive Belege, dass es legal beschafft wurde und nicht aus Entwaldung stammt.
Vor diesem Hintergrund geraten auch andere deutsche Papierhersteller unter Druck. Erst im Dezember rutschte die traditionsreiche Papierfabrik Feldmühle aus Uetersen in die Insolvenz. Das Unternehmen stellte seit 1904 Papier her.
Melitta bleibt profitabel und global agierend
Die Fabrik blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück: Ihre Wurzeln reichen laut t-online bis ins Jahr 1799 zurück. Ab 1871 wurde am Standort in Mecklenburg-Vorpommern Papier maschinell produziert. Die Fabrik überdauerte auch Weltkriege und DDR-Zeit. Nach der Wiedervereinigung übernahm Melitta 1992 die Anlagen und führte die Produktion von Spezialpapieren fort.

Eine Mitarbeiterin im Werk in Mecklenburg-Vorpommern
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Minden, Nordrhein-Westfalen, betreibt heute 59 Standorte auf fünf Kontinenten, darunter Produktions- und Vertriebsstätten in Europa, Südamerika, Asien und den USA. Melitta ist Weltmarktführer bei Kaffeefiltern, deren Produkte in 86 Ländern erhältlich sind. Daneben ist der Konzern auf Haushaltsprodukte und verwandte Konsumgüter spezialisiert – und wirtschaftet insgesamt profitabel.
Auch bei NIUS: Experten rechnen 2026 mit bis zu 20 Prozent Pleiten: Insolvenzen treffen jetzt die Großen
Mehr NIUS:
Stahl-Boss rechnet mit Klimapolitik ab: „Wir sind Opfer eines politischen Anschlags“
Nach Auto, Stahl und Energie streichen auch Pharma-Konzerne Investitionen in Deutschland
Wirtschaftsrat-Boss: „Ohne Kettensäge taumelt Deutschland in den Abgrund – und mit Kettensäge ebenso“
Amerika baut die KI-Zukunft mit Vollgas
SPD stellt sich hinter DGB-Steuerkonzept: Gesamtmetall stellt Zusammenarbeit mit dem DGB infrage
Europa-Chef des neuen E-Autos Chery: „Wir Chinesen führen die globale Autoindustrie an“
Kettensägen-Boss Stihl: „Merz schickt uns mit Bleiweste zum Schwimmen“
Reform-Kommission: Jetzt soll die „atmende Schuldenbremse“ Deutschland vor dem Absturz retten
Mehr NIUS:
Amerika baut die KI-Zukunft mit Vollgas
SPD stellt sich hinter DGB-Steuerkonzept: Gesamtmetall stellt Zusammenarbeit mit dem DGB infrage
Europa-Chef des neuen E-Autos Chery: „Wir Chinesen führen die globale Autoindustrie an“
Kettensägen-Boss Stihl: „Merz schickt uns mit Bleiweste zum Schwimmen“
Reform-Kommission: Jetzt soll die „atmende Schuldenbremse“ Deutschland vor dem Absturz retten
Nur noch 6 Prozent optimistisch: Absturz-Wirtschaft jetzt Sorge Nummer eins, dicht gefolgt von Migration
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare