Model, Mutter, First Lady: Melania Trumps Macht der Zurückhaltung
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So richtig kennt man Melania Trump seit Januar 2017. Ein Bild, das um die Welt geht, prägt ihre Aura und die Neugier auf ihre Person: Sie steht neben ihrem Mann Donald Trump bei seiner Amtseinführung zum US-Präsidenten, lächelt kurz und wird wieder ernst. Über Melania wird fortan mehr gesprochen, als sie selbst spricht.
Innerhalb weniger Jahre ist Melania Trump zu einer Ikone einer neuen konservativen Ästhetik in den USA geworden. Zwischen Mode, Luxus, Disziplin und Macht zeichnet dieses Porträt ein zeitgenössisches Bild der Frau an der Seite von Donald Trump.

Melania Trump hat die Rolle der First Lady bewusst neu interpretiert, indem sie selten auftrat und wenig sprach.
Wie verlief ihr Leben, bevor Melania Trump First Lady wurde?
1970 wird Melanija Knavs (ursprüngliche Schreibweise ihres Namens) in Novo Mesto geboren, in der jugoslawischen Teilrepublik Slowenien. Über ihre Herkunft sprach sie später selbst öffentlich, unter anderem 2016 in einer Rede auf dem republikanischen Parteitag in den USA: „Ich wurde in Slowenien geboren, einem kleinen, schönen Land in Mitteleuropa, das damals noch kommunistisch war. Meine Schwester Ines, die eine außergewöhnliche Frau und zugleich eine enge Freundin ist, und ich wurden von unseren wunderbaren Eltern großgezogen“, so Melania. Ihr Vater ist Autohändler. Ihre Mutter arbeitet für ein Unternehmen, das Kindermode herstellt. Melania und ihre Schwester Ines stehen als Kindermodels bald vor der Kamera. Die ersten Fotos von einer Modenschau stammen aus dem Jahr 1977. Nach der Schule beginnt Melania mit 19 Jahren, Architektur an der Universität Ljubljana zu studieren. Sie beendet das Studium vorzeitig, um sich voll und ganz dem Modeln zu widmen.

Melania Knauss bei den VH1/Vogue Fashion Awards in New York im Oktober 2000.
Als 1991 der Eiserne Vorhang fällt und Slowenien unabhängig wird, kann sie ihre Berufung auch über die Landesgrenzen hinaus verfolgen. Sie beginnt, als Laufsteg-Model zu arbeiten, unter anderem in den europäischen Modemetropolen Mailand und Paris. Weggefährten beschreiben Melania als schüchtern. Ihre Karriere treibt sie trotzdem souverän voran. Mitte der 1990er Jahre reist sie entschlossen nach New York mit dem Ziel, sich international als Model zu etablieren. Die Arbeit als Model verlangt ihr viel ab. In ihren Memoiren Melania beschreibt sie die Branche als hart und schonungslos: „Dein Äußeres wird ständig beurteilt. Um in der Branche zu überleben, braucht man ein hohes Maß an Selbstvertrauen, Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit“, schreibt Melania.

Donald Trump und damals noch Melania Knauss lernen sich bei der Modenschau von Betsey Johnson im September 1998 kennen.
A Trump Lovestory
Wir schreiben das Jahr 1998. New York City befindet sich zu der Zeit stark im Wandel. Die strikte Politik von Bürgermeister Rudolph Giuliani zeigt Wirkung: Die Stadt gilt sicherer, sauberer und lebenswerter als je zuvor. Der Aktienmarkt boomt, das Nachtleben floriert, New York ist endgültig zur Weltmetropole aufgestiegen und zieht Kreative aus aller Welt an. Auf einer Party ihres Agenten während der Fashion Week lernt Melania Knauss den Geschäftsmann Donald Trump kennen. Er beschafft seiner künftigen Ehefrau ein Arbeitsvisum und verhilft ihr auf die Titelseiten der Magazine. Sieben Jahre später heirateten sie. Es ist ihre erste und seine dritte Ehe. „Ich war von seinem Charme und seiner Gelassenheit fasziniert“, schreibt das slowenisch-amerikanische Ex-Model in ihrer Biografie Melania über ihren 24 Jahre älteren Mann. 2006 wird Melania und Donald Trumps gemeinsamer Sohn Barron geboren. Im selben Jahr erhält Melania Trump die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern holt sie nach. Seit 1965 erlaubt das ein Gesetz: die chain migration, die sogenannte Kettenmigration. Auch in ihrem Buch äußert sie sich dazu: „Ich bin eine Einwanderin. Und lassen Sie mich eines sagen: Niemand schätzt die Freiheit und die Chancen Amerikas mehr als ich.“

Archivaufnahme vom 11. Februar 2011 – Melania Trump in Couture bei ihrer Ankunft zur Oscarverleihung in Hollywood.
Als Donald Trump 2015 seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten ankündigt, rückt auch Melania zunehmend in den öffentlichen Fokus. In einem Interview mit ABC News im November 2015 erklärt Melania Trump, sie habe diese Entscheidung aktiv unterstützt: „Wir sprechen viel miteinander, ja. Und ich habe ihn ermutigt. Ich habe ihn ermutigt, weil ich weiß, was er tun wird und was er für Amerika leisten kann. Er liebt das amerikanische Volk, und er möchte ihm helfen.“
Melania wird eine wichtige Rolle im Kampf um weibliche Stimmen zugeschrieben. Doch als sie 2016 nach dem Plagiat einer Rede von Michelle Obama zur Zielscheibe der Medien wird, zieht sie sich von der politischen Bühne zurück und engagiert sich für wohltätige Zwecke.

20. Januar 2017, Washington, USA – Donald und Melania Trump mit ihrem Sohn Barron bei der Amtseinführungsparade auf der Pennsylvania Avenue.
Melania wird First Lady
Im Januar 2017 wird Donald Trump zum ersten Mal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Melania Trump zur First Lady. Sie ist die zweite Frau in dieser Rolle, die nicht in den USA geboren wurde. Später wird Melania Trump sagen, First Lady zu sein, sei die größte Ehre ihres Lebens gewesen. Und doch wird sie sich in den vier Jahren vergleichsweise im Hintergrund halten. Bei Trumps Amtseinführung wird Melania Trumps Mimik zum Meme: ein kurzes Lächeln, dann ein düsterer Gesichtsausdruck. „Free Melania“ heißt es im Netz. Die ersten Monate wohnt sie statt im Weißen Haus weiterhin in New York mit ihrem Sohn. Reden meidet sie.
Während der vierjährigen Amtszeit bleibt sie insgesamt im Hintergrund. Sie tritt nur selektiv auf, vermeidet den permanenten öffentlichen Auftritt, der traditionell mit der Rolle der First Lady verbunden ist. Auch im Wahlkampf zur US-Präsidentschaftswahl 2024 war die First Lady weitgehend abwesend, trat aber am Wahltag konsequent an seiner Seite auf. Zudem hat sie sich mit der Veröffentlichung ihrer Biografie wenige Wochen vor dem Wahltermin in Stellung gebracht.

22. Januar 2026 – Donald und Melania Trump anlässlich ihres 21. Hochzeitstags.
Die Gerüchteküche brodelt
Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass sich Melania von Donald Trump scheiden lassen will. Besonders heiß diskutiert wurde das im Juni 2024, als Melania öffentlich keine Geburtstagsgrüße an ihren Mann ausrichtete, obwohl sie auf ihren Social-Media-Kanälen regelmäßig Familienmitgliedern gratuliert.
Hinzu kommen Spekulationen, dass die Trumps offenbar getrennte Schlafzimmer haben, dass Melania Trump Justin Trudeau zu schmachtend ansieht – für manche sind all das Belege dafür, dass Melania Trump unglücklich ist an der Seite ihres Mannes. Und in ihrer Rolle als First Lady.
Auch zu Donalds mutmaßlicher Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels schweigt Melania. Ihr Mann soll sie kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Barron mit Daniels betrogen haben. Melania ging während des Schweigegeld-Prozesses im Frühjahr 2024 auf Distanz und verschwand aus der Öffentlichkeit.
Inzwischen hält die Ehe der Trumps jedoch seit fast 20 Jahren.

Melania war nie Teil der politischen Inszenierung. Ihr Einfluss lief jenseits der Bühne, wie der Film jetzt verrät. Die Dokumentation „Melania“ wird als intime Chronik erzählt und gewährt seltene Einblicke in ihr Leben als First Lady und ihre Beziehung zu Donald Trump.
Und plötzlich im Kino
Die von Amazon finanzierte Dokumentation begleitet Melania Trump über einen Zeitraum von 20 Tagen. Der Film zeigt sie während des Wahlkampfs 2024 und bis zur Amtseinführung. Regie führte Brett Ratner, der für die Dreharbeiten über mehrere Monate Zugang zu Mar-a-Lago hatte. Amazon soll rund 40 Millionen Dollar für das Projekt gezahlt haben.
Melania Trump äußerte sich auf X positiv über den Film. „Ich bin zutiefst dankbar, in einem inspirierenden Umfeld aus Familie, Freunden und kulturellen Wegbegleitern gearbeitet zu haben.“
Die Dokumentation erschien am 30. Januar weltweit in den Kinos. Bereits am Abend zuvor fand die Premiere im Kennedy Center in Washington statt inkl. Ehegatte Donald Trump und rund 1.000 geladenen Gästen.

Melania Trump bei der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar 2025 – ein klares modisches Statement.
Eine Ikone unserer Zeit
First Ladys: Sie geben die Trends vor und sollten Vorbilder für andere Frauen sein. Das klingt zunächst banal, doch keine Frau erfüllt diesen Anspruch auf der Bühne der westlichen Politik wie Melania Trump.
Als junge Frau arbeitete die schöne Melania als Model und posierte dabei mehrmals fast nackt vor der Kamera. Heute steht sie zu diesen Aufnahmen. „Wir sollten unsere Körper ehren und uns die zeitlose Tradition zu eigen machen, die Kunst als kraftvolles Mittel der Selbstdarstellung zu nutzen“, konstatierte Melania. Obwohl man dagegen argumentieren könnte, seinen Körper für die ganze Welt zur Schau zu stellen, wirkt Melanias Weiblichkeit fast verletzlich und zurückhaltend. Im Vergleich dazu erscheint die Selbstdarstellung vieler heutiger OnlyFans-Models aggressiv und schamlos.
Sie lässt sich als geduldige Ehefrau und fürsorgliche Mutter beschreiben. Nie suchte sie das Rampenlicht, noch stellte sie eigene Interessen in den Vordergrund. Stattdessen hielt sie sich bewusst zurück und überließ ihrem Mann die öffentliche Rolle. Aus dem Hintergrund heraus gab sie ihm Halt und stärkte ihm den Rücken.
In einer Zeit, in der viele Feministinnen Weiblichkeit neu definieren und dabei häufig einem nahezu männlichen Leistungs- und Machtideal folgen, beweist Melania Trump, dass auch ein anderer Ansatz möglich ist. Einer, der auf Weiblichkeit, Wärme und Balance setzt.
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