Nach Lüge von „Deportationsplänen“: Redaktion von „Correctiv“ zerfleischt sich selbst
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Es war die vielleicht einflussreichste Recherche des laufenden Jahres: Anfang Januar veröffentlichte das „gemeinwohlorientierte Medienhaus“ Correctiv den Bericht über den „Geheimplan gegen Deutschland“. Eine investigative Recherche, die angeblich zeigte, wie sich Unternehmer, AfD-Politiker und rechte Aktivisten verschworen hatten, um „Deportationspläne“ zu schmieden, die auch deutsche Staatsbürger betreffen. Die Recherche wurde in vielen Medien, darunter zahlreiche Formate des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, aufgegriffen – und trieb hunderttausende Menschen im „Kampf gegen Rechts“ auf die Straße. Die AfD verlor schlagartig an Prozentpunkten in Umfragen. Doch nun bekommt die Story über Deportationspläne erneut starke Risse.
Den Stein ins Rollen brachte dabei nun ausgerechnet ein jüngst veröffentlichter Bericht des Medienportals Übermedien. Darin schrieben Chefredakteur Stefan Niggemeier, der Leiter der renommierten Henri-Nannen-Schule Christoph Kucklick und der Chefredakteur der Legal Tribune Online Felix W. Zimmermann, dass der Text „Kritik verdiene“ – und nicht Preise. „Der Text ist misslungen, das Verhalten von Correctiv nach der Veröffentlichung fragwürdig und die Berichterstattung vieler Medien eine Katastrophe“, heißt es darin. Und weiter: „Er unterstellt, statt zu belegen, er raunt, statt zu erklären, er interpretiert, statt zu dokumentieren.“
Der Text des vermutlich größten Branchenportals wurde schlagartig verbreitet und von zahlreichen Kollegen aufgegriffen. Philip Plickert von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt: „Das Fachportal Übermedien hat minutiös aufgearbeitet, wie schlecht der Text von Correctiv über das Potsdamer Treffen war. Lesenswert“. Der Stern-Reporter Morith Gathmann kommentiert: „Sie legen den Finger wirklich immer wieder in die Wunde – einer Zunft, deren Mitglieder einander viel zu oft auf die Schulter klopfen. Ich würde mir dazu eine echte Debatte wünschen.“
Meltdown im „gemeinwohlorientierten Medienhaus“
Bemerkenswert erscheinen dabei auch die Reaktion der führenden Journalisten von Correctiv. Der Herausgeber von Correctiv, David Schraven, schrieb, der Übermedien-Chefredakteur sei „von Neid zerfressen“. Bei der Kritik handele es sich um „Haltungsnoten“. „Irgendwo ist für ihn immer die Korinthe, die er kacken muss.“ Der Correctiv-Reporter Jean Peters warf dem Autor Christoph Kucklick vor, dass in seinem Text „angestaute Wut“ zu lesen sei. Es scheint, so Peters, „um Status“ zu gehen. Als die stellvertretende Correctiv-Chefredakteurin, Anette Dowideit, darauf reagierte und mitteilte: „Einzelmeinungen von Mitarbeitenden spiegeln nicht die Haltung der gesamten Redaktion wider“, fauchte Peters darunter: „Deine Meinung“. Inzwischen hat sich der Reporter, der das Treffen infiltriert hatte, für seine Äußerungen entschuldigt. Wer die Reaktionen von Correctiv liest, stellt fest: Hier reagiert eine Redaktion angefasst und ertappt.
NIUS hatte dabei von Anfang an dokumentiert, welche methodischen und handwerklichen Schwächen die Recherche hatte – und welche Voreingenommenheit die Sprecherposition von Correctiv aufwies. Eine umfassende Rekonstruktion legte beispielsweise dar, dass zahlreiche Teilnehmer, unabhängig voneinander, die Suggestionen der Correctiv-Recherche zurückweisen. Mehrere kleine Anfragen im Bundestag ließen nachvollziehbar werden, wie abhängig Correctiv von öffentlichen Geldern ist – und welches Näheverhältnis führende Journalisten zu Politikern der Bundesregierung pflegen. Bei einem der Hauptautoren der Geschichte, Jean Peters, zeichnete NIUS die linksextreme Vergangenheit nach.
Schauen Sie auch bei NIUS: Geheimdienst-Methoden und nachweisbare Lügen – Die Wahrheit hinter der Correctiv-Recherche
Nun verifiziert das Medienportal Übermedien die Lesart von NIUS. Auch Welt gibt NIUS in einer Nachlese recht – „NIUS liegt hier leider richtig“, heißt es dort in einem Aufsatz von Mladen Gladić.
Die Branche zeichnet sich mit Preisen aus
Bemerkenswert: Anstoß der Kritik von „Übermedien“ ist auch eine Branche, die statt Selbstkritik zu üben, ausgerechnet diese „Geheimplan“-Recherche erst letzte Woche ausgezeichnet hatte. Am 19. Juli vergab das „Netzwerk Recherche“ für die inhaltlich dünne und an vielen Stellen raunende Recherche den Preis „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“. In der Laudatio der Journalistin Özge Inan heißt es: „Gute investigative Recherche macht eben genau das. Sie macht Lust, mehr zu lesen, tiefer zu graben, klüger zu werden.“
In der Kritik des Branchenportals Übermedien heißt es außerdem: „Kurz vor der Preisverleihung hatte Correctiv selbst eine juristische Auseinandersetzung verloren, ausgerechnet gegen das rechte Wutmedium ‚Nius‘, das den Bericht und die Art, wie er verstanden wurde, kritisiert hatte.“ Das Landgericht Hamburg entschied im Juli: NIUS muss einen Artikel nicht offline nehmen, den Correctiv mit einer einstweiligen Verfügung verbieten wollte. Der Streit ging um eben jenen Correctiv-Bericht, in dem behauptet wurde, dass bei einem Treffen in Potsdam Deportationspläne geschmiedet worden wären.
Auch anderweitig erwies sich die „Geheimplan“-Recherche als juristischer Bumerang. Im Nachgang der Veröffentlichung musste Correctiv zurückrudern. In einem ersten musste „Correctiv“ ausdrücklich klarstellen, es träfe zu, dass „die Teilnehmer*innen nicht über eine rechts-, insbesondere grundgesetzwidrige Verbringung oder Deportation deutscher Staatsbürger gesprochen haben“. Der Begriff „Deportationen“ wurde im Nachgang der Veröffentlichung heimlich von der Homepage getilgt. Zuletzt entschied auch ein Gericht gegen die Tagesschau, die die Behauptungen der Rechercheplattform ohne eigene Recherche aufgegriffen hatte – und als Tatsachenbehauptungen verkaufte.
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