Wie Linke Kinderwunsch und Liebe als „rechts“ framen
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Einen Freund haben, heiraten, Kinderkriegen oder sich all das zu wünschen ist scheinbar „rechts“ – und damit abzulehnen.
Dieses Gefühl schleicht sich ein, wenn man einen Blick in die (soziale) Medienlandschaft wirft. Dort wurde etwa mit Krokodilstränen das Faktum beweint, dass einige prominente Dauer-Singles nun in Beziehungen gelandet sind. „Am Ende schnappt die penetrante Verpartnerung der Welt sie eben doch alle weg“, schreibt eine Zeit-Magazin-Autorin in ihrer Kolumne.
Vorbei die „schöne Single-Solidarität“
Der Aufhänger: Jetzt hat sogar Friends-Star Jennifer Aniston einen Freund. Die Schauspielerin galt seit dem Zerbrechen ihrer Ehe im Jahr 2018 als eine „Identifikationsfigur“ für alle Dauersingles. Vorbei sei die „schöne Single-Solidarität“, schreibt die Kolumnistin.

Am 3. November zeigte sich Jennifer Aniston erstmals auf ihrem Instagram-Account mit ihrem neuen Freund Jim Curtis.
Die „Single-Solidarität“ zerstört hat demnach auch Taylor Swift, die sich Ende August mit ihrem Freund, dem NFL-Football-Spieler Travis Kelce, verlobte. Nicht nur diese Neuigkeit war für einige ein Stein des Anstoßes: In dem Lied „Wish List“ ihres neusten Albums singt Swift: „Ich will nur dich, ein paar Kinder bekommen – und die ganze Nachbarschaft sieht aus wie du“. Nicht nur äußert die ehemalige „kinderlose Katzenfrau“ hier ihren Kinderwunsch, sie möchte auch, dass der Nachwuchs aussieht wie ihr Verlobter. Empörte lesen aus der letzten Zeile Rassismus und „white supremacy“ heraus, unterstellen also ein Denken, das weiße Menschen als überlegen ansieht.
„Patriarchale Narrative“ in Swift-Song
Kritik wurde auch an dem Lied „The Fate of Ophelia“ geübt. Es ist benannt nach der tragischen Heldin in Shakespeares Drama „Hamlet“. Ophelia stürzt sich aus Verzweiflung in einen Bach, unter anderem, weil Hamlet mit ihr bricht. In dem nach ihr benannten Song singt Swift: „Du hast mich aus meinem Grab geholt und mein Herz vor Ophelias Schicksal bewahrt.“ Mit dem „Du“ ist womöglich Swifts Verlobter gemeint. Eine Frau lässt sich von einem Mann retten? Für einige Progressive ist das offenbar Kennzeichen eines unmissverständlich patriarchalen Narrativs.
Trotz der Empörung aus Teilen des linken Lagers ist das Album „The Life of a Showgirl“ ein großer kommerzieller Erfolg: Es verkaufte sich allein am ersten Tag in den USA 2,7 Millionen Mal. Das ist die zweiterfolgreichste Album-Startwoche überhaupt.
„Tradwife“ als Schimpfwort
Zurück zur Kolumne der Zeit-Magazin-Autorin. Die sich fragt, ob bei der derzeit grassierenden Verpartnerung eine „perfide Tradwifisierung (…) unter dem Deckmantel der Romantik“ ihre ungute Hand im Spiel hat. „Tradwife“ ist mittlerweile zu einem allgemeinen Schimpfwort für jene Frauen mutiert, die Kinder, Ehemann und/oder ein Leben als Hausfrau als erstrebenswert erachten. Selbst erfolgreiche Frauen wie die US-Influencerinnen Hannah Neelemann oder Nara Smith, die nicht nur viele Kinder inklusive Macher-Ehemann haben und Hausfrauen sind, sondern parallel ihr eigenes Unternehmen am Laufen haben, werden als „traditionelle Ehefrau“ beschimpft.
Die Gründerin und Chefredakteurin des US-amerikanischen Evie-Magazins, Brittany Hugoboom, wird von Medien oft als „Königin der Tradwives“ bezeichnet, weil Evie für konservative Werte steht. In einem Interview mit NIUS sagt sie, dass sie sich selbst nicht als „Tradwife“ bezeichnet. „Hannah Neeleman und Nara Smith haben beide gesagt, dass sie keine ‚Tradwives‘ sind, aber trotzdem werden sie so bezeichnet. Ich glaube, weil es gerade viele Klicks bringt“, erklärt Hugoboom.

Die Gründerin und Chefredakteurin des konservativen Evie-Magazins, Brittany Hugoboom.
Der Begriff etablierte sich ungefähr ab dem Jahr 2020. Damals fingen Frauen an, ihre schön eingerichteten Wohnungen oder Kochkünste auf den sozialen Medien zu präsentieren – oft als neu entdecktes Hobby während der Covid19-Lockdowns. Seit fünf Jahren arbeiten sich progressive Autorinnen in den Zeitungen an dem Thema ab. Ein Ende ihres Tradwife-Fetisches ist nicht in Sicht.
Negative Medienberichte übers Kinderkriegen
Auch das negative Framing des Kinderkriegens ist eine mediale Endlosschleife. Man erinnere sich zurück: 2019 – Klimahysterie, die Jugend ging unter dem Motto „Fridays for Future“ auf die Straße – und die Medien füllten ihre Seiten mit Artikeln, die von Frauen handelten, die dem Klima zuliebe in einen „Gebärstreik“ treten. Bis zum heutigen Tag überwiegt eine negative Berichterstattung über das Kinderkriegen gegenüber: Portraits über Frauen, die es bereuen, ein Baby bekommen zu haben, die keine Kinder wollen oder die sich in ihren 20ern die Gebärmutter entfernen lassen, dominieren. Alle Jahre wieder zur Adventszeit dann die Ratschläge, wie man mit nervigen Verwandten umgeht, die einen mit Fragen wie: „Und? Hast du schon einen Freund/ein Kind?“ behelligen.
Diese Art der Berichterstattung ist erstaunlich, denn wir leben nicht gerade in einem kinderreichen Land, in dem Familien mit drei, vier, fünf oder sechs Kindern die Norm wären. Die Geburtenrate in fast jedem Staat der Erde befindet sich im Sinkflug. In Korea, dem Land mit der niedrigsten Geburtenrate weltweit, sollen sogar mehr Kinderwagen für Hunde als für Babys verkauft werden. In Deutschland bekommt eine Frau im Durchschnitt 1,35 Kinder.
US-Studie: Weniger Abiturientinnen wollen heiraten
Mädchen, die von Heirat, Kindern und Eigenheim träumen – diese einst romantische Vorstellung scheint mehr und mehr in den Hintergrund zu treten. Eine neue Datenauswertung des renommierten Pew Research Centers lässt aufhorchen: Nur mehr 61 Prozent der US-Mädchen des Abiturjahrgangs sagen, dass sie eines Tages heiraten wollen. Überraschenderweise sagen deutlich mehr Jungs im selben Alter – 74 Prozent –, dass sie einmal heiraten wollen. 1995 war das noch anders. Damals sagten deutlich mehr Mädchen, 83 Prozent, dass Heirat in der Zukunft für sie infrage kommt – im Gegensatz zu 76 Prozent der männlichen Abiturienten. Es ist erstaunlich, dass sich der Wunsch, eines Tages eine lebenslange Bindung einzugehen, bei den 17- bis 18-jährigen Gymnasiasten in den vergangenen 30 Jahren kaum änderte, bei den gleichaltrigen Mädchen aber rapide abnahm – um über 20 Prozent.

Junge Männer des Schulabschlussjahrgangs wollen eher heiraten als junge Frauen, zeigt einen Datenanalyse des Pew Research Centers.
Eine Erklärung für diesen Gender-Gap lautet, dass Frauen heute unabhängiger und gebildeter sind und dass mehr Frauen arbeiten gehen. Eine andere, dass pubertierende Jungs heute mehr digitale Inhalte konsumieren, die so gestaltet sind, dass sie einen Groll gegen Frauen entwickeln, etwa männliche Influencer wie Andrew Tate, die ein frauenverachtendes Männlichkeitsideal vermitteln. Auch der grassierende Pornografiekonsum fällt in diese Kategorie.
Könnte nicht ein weiterer Grund für die Heiratsunlust der Mädchen sein, dass ihnen nun schon jahrelang vermittelt wird, Heiraten und alles, was zu diesem Kosmos gehört, sei schlecht, altmodisch und schränke sie in ihrer Freiheit und Unabhängigkeit ein?
Massiver Geburtenrückgang unter US-Progressiven
Im November hat das „Institute for Family Studies“ (IFS) neue Forschungsergebnisse mit dem Titel „Die Linke hat ein Familienproblem“ veröffentlicht. Die Daten zeigen, dass Ehe und Kinderkriegen unter liberalen jungen US-Erwachsenen massiv einbrechen – und dass sich eine wachsende Kluft zwischen Blau- und Rot-Staaten abzeichnet, wobei die Rot-Staaten, also jene Staaten, die mehrheitlich republikanisch wählen, bei der Kinderzahl deutlich vorne liegen.
71 Prozent der verheirateten 25- bis 35-jährigen konservativen Frauen haben Kinder. Dagegen: Nur 40 Prozent der demokratischen Frauen der gleichen Altersgruppe sind Mütter. In den 1980er-Jahren war der Unterschied zwischen den beiden Gruppen deutlich geringer (65 Prozent unter konservativ, 60 Prozent bei demokratisch eingestellten Frauen).

US-Progressive kriegen immer weniger Kinder, wie die ifs-Studie zeigt.
Die Daten zeigen auch: Liberale junge Erwachsene sind glücklicher, wenn sie verheiratet sind und Kinder haben. 96 Prozent der verheirateten Liberalen mit Kindern sagen von sich, dass sie glücklich sind. In der Gruppe der Unverheirateten und Kinderlosen sind es nur 67 Prozent.

Kein konservatives Thema: Selbst Progressive sind glücklicher, wenn sie verheiratet sind und Kinder haben, wie die Studie des ifs-Instituts darstellt.
Auch brisant: In den Bundesstaaten, die 2024 für Donald Trump gestimmt haben, ist die Kinderbevölkerung seit dem Jahr 2000 um etwa 7 Prozent gestiegen, während sie in den Staaten, die 2024 für Kamala Harris gestimmt haben, im gleichen Zeitraum um rund 7 Prozent zurückgegangen ist.
Das mag jetzt hart klingen: Wenn der Trend, dass Konservative Kinder bekommen, Progressive aber nicht, so weiter geht, könnte das natürlich auch zur Folge haben, dass es in den kommenden Jahrzehnten mehr Menschen mit einer konservativen Weltanschauung geben wird als mit einer linken. Eltern geben ihr Weltbild natürlicherweise an ihren Nachwuchs weiter.
Singledasein wird als begehrenswert und anti-patriarchal dargestellt
Das Thema romantische Beziehungen bewegt, erzürnt und stachelt Menschen auch 2025 noch an. Das zeigt ein fast zu Tode diskutierter Artikel in der Vogue mit dem Titel „Ist es heutzutage peinlich, einen Boyfriend zu haben?“. Der Inhalt lässt sich so zusammenfassen: Frauen definieren sich, anders als früher, endlich nicht mehr über ihren Partner. Es gelte nun nicht mehr als Zeichen von Erfolg, in einer romantischen Beziehung zu sein, im Gegenteil: Im Jahr 2025 gelte es als stark, ein Single-Dasein zu führen. Es wird sogar gemutmaßt, ob es konservativ sei, einen festen Partner zu haben. Das Singledasein werde gerade „zu einem begehrten und erstrebenswerten Status“, schreibt die Autorin Chanté Joseph am Ende ihres Textes. Dies sei „ein weiterer Nagel im Sarg eines jahrhundertealten heterosexuellen Märchens des Patriarchats, von dem Frauen von Anfang an nie wirklich profitiert haben“.
Die linke Lüge der glücklichen Dauersingles
Wie es der Zufall so will, gewann just in der gleichen Zeit, als der Vogue-Artikel erschien, der progressive und muslimische „sozialistische Demokrat“ Zohran Mamdani die New Yorker Bürgermeisterwahl. Er und seine Frau, die Künstlerin Rama Duwaji, lösten eine Welle der Begeisterung unter jungen Progressiven aus. Die beiden gelten als neues Traum- und Vorzeigepaar unter Linken. Die britische Vogue titelte: „Die Beziehung von Zohran und Rama vermittelt uns eine seltene Dosis Hetero-Optimismus“. Übersetzt heißt das: Das Pärchen gibt jungen, von Dating-Apps und Red-Flag-Männern ermüdeten (progerssiven) Frauen wieder Hoffnung, dass es da draußen doch den idealen (progressiven) Mann nach dem Vorbild Mamdanis gibt.

Sie sind das linke Vorzeige-Pärchen, das progressive Frauen wieder von Romantik träumen lässt: Zohran Mamdani und Rama Duwaji.
Vergessen ist scheinbar der Hetero-Pessimismus (das Gegenteil von Hetero-Optimismus), der Vogue-Artikel über das angeblich glückliche und erfüllende Single-Dasein wird in der Mülltonne entsorgt.
Stars wie Jennifer Aniston, Taylor Swift oder das linke Vorzeige-Pärchen Mamdani und Duwaji sind lebende Beispiele dafür, dass die von progressiven Journalisten und Influencern verbreitete Erzählung vom glücklichen, alleinlebenden Dauersingle in den meisten Fällen eine Lüge ist – und dass der Wunsch nach Partnerschaft oder Kindern nichts genuin konservativ ist, wie die Studie des IFS unterstreicht. Swift, die nun wirklich nicht als konservativ bezeichnet werden kann, bringt den Sinneswandel, den die Liebe mit sich bringt, in ihrem Lied „The Fate of Ophelia“ auf den Punkt: „Ich schwor meine Loyalität mir, mir selbst und nur mir – kurz bevor du meinen Himmel erleuchtet hast.“
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Emanuela Sutter
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