Analysen weisen Epibatidin nach: Moskau hat Nawalny mit Pfeilgift getötet
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Kremlkritiker Alexej Nawalny starb vor zwei Jahren in einer Strafkolonie. Die Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache. Deutschland und andere Europäer berichten nun etwas ganz anderes.
Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden. Außenminister Johann Wadephul (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Schweden und den Niederlanden beschuldigten Russland, den Kremlkritiker umgebracht zu haben. Auch die Witwe Julija Nawalnaja erklärte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei.

Julija Nawalnaja in München
Nawalnaja hatte bei einem aufsehenerregenden Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor fast genau zwei Jahren angesichts der Berichte über den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Putin aufgerufen.
Wadephul sagte nun, zwei Jahre später wisse man: „Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.“ Seine sterblichen Überreste hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibatidin, enthalten. Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200-mal so stark wie Morphium. „Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll“, sagte Wadephul. Zunächst blieb offen, wann, wo und wie konkret die Analysen durchgeführt worden waren.

Außenminister Wadephul (CDU) gibt ein Pressestatement zu den Todesumständen des russischen Oppositionsführers und Dissidenten Alexej Nawalny am Rande der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Im Hintergrund: Julija Nawalnaya (M), russische Menschenrechtsaktivistin und Ehefrau von Alexej Nawalny, David van Weel, niederländischer Minister für auswärtige Angelegenheiten (l), Maria Malmer Stenergard, Außenministerin von Schweden (2.v.l.), und Yvette Cooper, Außenministerin von Großbritannien.
„Niemand außer Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist“, sagte Wadephul. „Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.“
Wadephul: Putin tritt Völkerrecht jeden Tag mit Füßen
Nawalnys Tod, der sich an diesem Montag zum zweiten Mal jährt, bleibe ein herber Schlag für alle Menschen in Russland, die die Hoffnung auf ein freies Land nicht aufgegeben hätten, sagte Wadephul. „Putin tritt Völkerrecht und Menschlichkeit nicht nur in der Ukraine jeden Tag mit Füßen.“ Auch seine Verpflichtungen nach dem Chemiewaffenübereinkommen seien Putin völlig egal. Die Vergiftung Nawalnys müsse Folgen haben, forderte der Bundesaußenminister. Darum müsse es jetzt in den zuständigen Gremien gehen. Deshalb habe man heute auch den Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über die Erkenntnisse informiert.
Nawalnaja: Hoffe, dass Putin irgendwann auf Anklagebank landet
Nawalnaja dankte den an den Analysen beteiligten Labors in Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden. Es sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen, als sie vor zwei Jahren vom Tod ihres Mannes erfahren habe. Schon damals sei sie sich sicher gewesen, dass er ermordet wurde. „Was sonst hätte mit einem jungen, charismatischen Oppositionsführer in Putins Gefängnis passieren können?“
Es sei sicher keine Neuigkeit, dass der Kremlchef ein Mörder sei. „Aber jetzt haben wir noch einen direkten Beweis dafür. Und ich hoffe sehr, dass er irgendwann auf der Anklagebank landet und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss“, sagte sie in einer teils auf Russisch gehaltenen Rede.
Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises
Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland, auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte. 2020 wurde er vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde. Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Januar 2021 bei seiner Rückkehr in die Heimat noch auf dem Flughafen fest – zunächst wegen des angeblichen Verstoßes gegen frühere Bewährungsauflagen.

Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen – unter anderem wegen Extremismus. Im Gefängnis wurde er stark von der Außenwelt isoliert. Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Zum Todeszeitpunkt war er 47 Jahre alt – die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.
Großbritannien: Moskau muss zur Rechenschaft gezogen werden
Die britische Außenministerin Yvette Cooper sagte, man könne bestätigen, dass im Körper von Nawalny das tödliche Gift Epibatidin gefunden worden sei. Die russische Regierung müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Cooper zitierte Nawalnys Worte: „Wir müssen das tun, was sie fürchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mächtigste Waffe.“
Niederlande: Mühlen der Gerechtigkeit langsam, aber entschlossen
Die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard sprach von einem Schritt von größter Wichtigkeit, um Russland zur Rechenschaft zu ziehen und seine fortwährenden Lügen aufzudecken. „Ich bin unglaublich stolz darauf, dass wir gemeinsam dazu beitragen konnten, die Wahrheit ans Licht zu bringen.“ Der niederländische Außenminister David van Weel sagte, die gute Nachricht sei, dass die Wahrheit immer ans Licht komme. Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny.
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