Hamas-Massaker auf Musik-Festival: Sie tanzten, als der Tod kam
Partygänger aus aller Welt veranstalten ein Goa-Festival in der Wüste Negev. Sie wollen feiern, zusammen sein, tanzen. Nonstop, die ganze Nacht hindurch. Früh morgens um 6:30 Uhr läuft die Musik seit 15 Stunden, es ist schon wieder hell. Etliche junge Männer und Frauen bewegen sich noch immer auf der Tanzfläche aus hartem Wüstensand. Viele sind high, alle sind glücklich. Kurz darauf sterben die ersten.
Die Bilder vom Massaker auf dem Psytrance-Festival „Tribe Of Nova“ im Süden Israels versetzen die Welt in Schockstarre. Wahnsinnige Killer der Terror-Hamas verübten einen Anschlag auf die Veranstaltung, töteten mindestens 260 junge Menschen.
Die Besucher des Festivals kamen aus Israel, den USA, Europa, auch Deutschland. Viele hatten sich seit Monaten auf das Event am jüdischen Simchat-Feiertag gefreut, waren in Bussen und Autos an den besonderen Ort in der Wüste gereist.
Nur noch 2 Prozent Handy-Akku: Sie schreibt letzte Worte an die Eltern
Auf Instagram berichtet Festival-Besucherin Millet Ben Aim von ihren furchtbaren Erlebnissen (Post siehe oben). Erst versuchte die junge Frau, mit dem Auto zu fliehen, dann zu Fuß, schließlich versteckte sie sich mit mehrern Begleitern über Stunden im Unterholz in unmittelbarer Nähe des Massakers. Sie hörten Schuss-Salven, Schreie von Festival-Besuchern, „Allahu Akbar“-Schlachtrufe der Angreifer und mussten selbst vollkommen ruhig sein, um nicht entdeckt zu werden.
Millet beschreibt stundenlange Todesangst, den vergeblichen Versuch, die Polizei zu alarmieren, ihre Abschiedsnachricht an die Eltern und wie der Akku ihres Handys, letzter Hoffnungsschimmer und Kontakt nach außen, langsam zur Neige ging.
Und wie durch ein Wunder in allerletzter Sekunde Hilfe kam ...
Das Video, das sie zu ihrem Text auf Insta zeigt, wurde ab 6:30 Uhr aufgenommen, schreibt Millet Ben Aim. Es war der Moment, in dem sie und andere Feiernde realisierten, dass die fröhliche Wüstenparty in ein Alptraum-Szenario, ein Höllen-Massaker umschlägt.
Millet schreibt: „Die Musik hörte auf und die Sirenen gingen an. Raketen begannen, den Himmel zu bedecken und uns wurde klar, dass wir rennen mussten.“
Und weiter: „Fast alle waren total besoffen und auf vielen Arten von Drogen, und da ich nie Drogen nehme, nahm ich die Autoschlüssel von einem Freund, den ich in dieser Nacht kennengelernt hatte, und fuhr wie eine Verrückte los, um zu entkommen.“

Laut Augenzeugen hielten einige Festivalbesucher die ersten Schuss-Salven zunächst für einen Teil der Musik. Als sie realisierten, dass Terroristen die Veranstaltungen attackieren, brach Massenpanik aus.
„Ich fühlte mich so schwach und hatte solche Angst“
Chaos bricht aus. Menschen rennen zu ihren Autos, andere rennen konfus in die Weiten der Wüste. Schüsse, Schreie, Panik. Und überall schwer bewaffnete Terroristen.
Millet berichtet: „Wir fuhren durch eine Hauptstraße, aber nach einer Minute fing jemand an zu schreien, dass Terroristen dort Menschen erschießen, und so musste ich so schnell wie möglich umdrehen. Aber nach zwei Minuten in die andere Richtung merkten wir, dass es dort noch mehr Terroristen gab. Wir hörten die ganze Zeit diese Schüsse und wussten nicht, wohin wir gehen sollten. Leute, die auf der Party waren, wurden entführt oder getötet, und wir wussten, dass wir weglaufen mussten, aber wohin?“
Millet und ihre Festival-Freunde realisieren, dass ihr Auto zur Todesfalle werden kann und rennen zu Fuß weiter. Mehrere Stunden, wie sie berichtet. Sie laufen im Kreis, wissen nicht wohin, weil die Killer überall sind. Irgendwann kriechen sie völlig erschöpft ins Unterholz, weinen, beten. Millet:„Ich fühlte mich so schwach und hatte solche Angst.“
Deutsche Mutter erkennt ihre Tochter „Shani“, die verschleppt wurde
Während Millet in der Deckung um ihr Leben bangt, wird eine andere junge Frau, Shani Louk, von den Hamas-Terroristen vom Festivalgelände entführt. Das Schicksal der 22-Jährigen bewegt seit Sonntag die ganze Welt. Auch NIUS berichtete darüber (siehe Link). Was offenbar mit Shani, die deutsche Staatsbürgerin ist, geschah, ist schlimmer als jeder Alptraum.
Ein entsetzliches Video, in dem Shanis Mutter Ricarda (stammt aus Ravensburg, lebt in Israel) ihre Tochter eindeutig erkannt haben will, kurisiert im Netz, die Bilder sind kaum auszuhalten: Der leblos wirkende Körper der jungen Frau mit Dreadlocks, auffälligen Tattoos und Stiefeln liegt bäuchlings mit verdrehten Gliedmaßen auf der Ladefläche eines Pick-Up-Trucks, ihr Kopf zwischen den Beinen eines Terroristen, umringt von johlenden Palästinensern mit Maschinengewehren. Die Menge gröhlt „Allahu Akbar!“ Ein Junge spuckt auf den halbnackten Körper der jungen Frau.

Shani Louk wurde in diesem Video (Screenshot) von ihren Eltern erkannt. Vor Hass geifernde Palästinenser transportieren ihren leblosen Körper ab, bespucken sie, rufen „Allahu Akbar“. Sie wurde vom Gelände des Nova-Festivals entführt.
Millet: „Ich schrieb meiner Familie, dass ich glücklich war mit meinem Leben“
Auf ihrer Flucht haben Millet und ihre Begleiter beobachtet, dass Menschen nicht nur getötet, sondern auch verschleppt wurden. „Und ich wusste, dass ich nicht mehr rennen kann. Wohin auch? Also versteckten wir uns unter einem Baum im Gebüsch und deckten uns mit Blättern zu.“
Ganz leise, in ständiger Angst, entdeckt und getötet zu werden, versuchten die jungen Leute, mit dem Handy Hilfe zu organisieren. „Wir hatten keinen guten Empfang. Als wir die Polizei schließlich erreichten, sagten sie uns, dass die Terroristen das Dorf in der Nähe einnehmen und über 200 Zivilisten entführen würden.“ Und: „Sie sagten uns, dass wir auf uns allein gestellt seien, dass es ihnen leid täte und dass sie nicht wüssten, wie sie uns helfen könnten.“
Millet beschreibt, wie sie in ihrem Versteck resignierte: „Das war der Punkt, an dem ich mich entschloss, meine Familie zu kontaktieren, obwohl ich wusste, dass ich allen Angst machen würde.“
Sie war in diesem Moment sicher, dass sie den Tag nicht überleben würde: „Ich schrieb meiner Familie, dass ich sie liebe und dass ich glücklich bin mit dem Leben, das ich hatte. Ich dachte wirklich nicht, dass wir es schaffen würden. Wir versuchten weiter, Hilfe zu bekommen und Akku zu sparen. Unsere einzige einzige Hilfe waren meine Freunde und meine Familie, die wie verrückt arbeiteten, um einen Weg zu finden, uns zu helfen.

Mutmaßliche Entführungsszene auf dem Festival – die Terroristen nahmen etliche junge Menschen gewaltsam mit.
Insgesamt sechs Stunden gingen Millet und ihre Begleiter durch die Hölle, bevor sie von einem anderen Festivalbesucher, einem „Engel“, wie sie mehrmals betont, in letzter Sekunde gerettet wurden.
„Wir hielten uns an den Händen und beteten darum, unsere Familien wiederzusehen. Der Engel, der versuchte, uns zu retten, sagte immer wieder, dass er hupen würde. Und schließlich, als ich nur noch 2 Prozent Handy-Akku hatte, hörten wir das Auto hupen. Ich verließ verängstigt unsere Deckung und kroch auf das Hupen zu ...“
Mit Hilfe des mutigen Autofahrers und einige Soldaten, die in der inzwischen vor Ort waren, wurden die Geretteten in einen Schutzraum gebracht.
Millet Ben Aim überlebte diesen Morgen. Mehr als 260 Festival-Besucher ließen im Terror der Hamas ihr Leben.
Mehr NIUS: +++ Die Lage in Israel im Live-Artikel +++
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Philippe Fischer
Simone Schamann
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