Heftigste Vorwürfe: Wird der Puff-Daddy-Skandal zum Polit-Beben?
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Für den Hip-Hop-Musiker „P Diddy“ wird es eng: Er ist – unter anderem wegen Vergewaltigung und organisierter Kriminalität – verhaftet worden, die Anklageschrift ist der reine Horror, bei Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Der Skandal kommt für die Demokraten, zu denen der Rapper zählt, zur Unzeit.
Sean Combs, besser bekannt als P Diddy (und vorher unter anderem als Puff Daddy), ist am Montag in New York verhaftet und wegen eines ganzen Straußes von Straftaten angeklagt worden. Darunter sexuelle Nötigung und Gewalt, Entführung, Brandstiftung, Waffenbesitz, Drogenhandel, organisierte Kriminalität und Förderung der Prostitution.

Thalia Graves verklagt Sean Combs wegen einer sexuellen Attacke im Jahr 2001.
Nicht, dass dieser Fall ungewöhnlich wäre: Seit den 90er-Jahren hatte der Rapper, der auch als Musikproduzent und Geschäftsmann erfolgreich ist, einen Prozess nach dem anderen am Hals, kam aber letztlich immer wieder davon. Diesmal allerdings scheint es ernst zu werden für den dreifachen Grammy-Gewinner. Die Klagen gegen den Rapper begannen am 16. November 2023, als er von der Sängerin und Tänzerin Cassie, seiner ehemaligen Partnerin, verklagt wurde, die ihm jahrelangen Missbrauch vorwarf.
Die Anklageschrift ist der reine Horror
Die Klage wurde unter dem New York Adult Survivors Act eingereicht, kurz bevor dieser auslief. Dieses Gesetz bot erwachsenen Opfern sexueller Übergriffe ein einjähriges Zeitfenster, um unabhängig von der Verjährungsfrist Zivilklagen einzureichen.
Die Anklageschrift hat es in sich, Combs soll über Jahrzehnte Frauen missbraucht, bedroht und genötigt haben, seine sexuellen Wünsche zu erfüllen und danach zu schweigen, um seinen Ruf nicht zu schädigen. Laut der Anklageschrift setzte er „Gewalt, Schusswaffengebrauch, Gewaltandrohung, Nötigung sowie verbalen, emotionalen, körperlichen und sexuellen Missbrauch“ ein, um seine sexuellen Wünsche zu erfüllen.
In der amerikanischen Musikbranche, die politisch fast vollständig „blau“ (also den Demokraten zugeneigt) tickt, in der Künstler von Pink bis Taylor Swift die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris unterstützen und ihre Fans aufrufen, es ebenfalls zu tun, machte auch P Diddy keine Ausnahme. In einem Interview verstieg er sich 2023 zu der Aussage, er glaube, dass Gott eine Frau sei.
Ein großer Unterstützer der Demokraten von Clinton bis Biden
„Puff Daddy“ war im Laufe seiner Karriere einer der größten Unterstützer der Demokraten. 2008 versuchte er bei der Veranstaltung „Last Chance For Change Rally“ der Demokraten in Fort Lauderdale, Florida, schwarze Wähler für Obamas Präsidentschaftskampagne zu gewinnen. Im Jahr 2020 unterstützte der Rapper den damaligen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und rief die „Political Black Party“ ins Leben. In einem Podcast-Interview mit Charlamagne tha God sagte er, dass „weiße Männer wie Trump verbannt werden müssen“. Und 2020 bedankte sich Harris bei Puff Daddy alias P Diddy für die Ausrichtung einer politischen Town Hall zum Thema COVID-19.

Kamala Harris bedankte sich auf X bei P Diddy.
Eindeutig ungeeignet für den Wahlkampf
Jetzt, da es eng wird für den Rapper, halten sich führende Demokraten, die sich über Jahrzehnte gern mit ihm schmückten – von Clinton über Obama und Harris bis zu New Yorks Bürgermeister Eric Adams – auffällig bedeckt, der Skandal kommt für sie wenige Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen eindeutig zur Unzeit. Mit einem, der Frauen unter Drogen setzt, fesselt und gemeinsam mit einem Komplizen brutal vergewaltigt das Geschehen zudem filmt und die Aufnahmen anschließend als Pornovideo verkauft, möchte man dann doch lieber nicht in Verbindung gebracht werden.

Jahrzehntelanger Unterstützer der Demokraten (hier 2008 mit Obama-T-Shirt): Sean Combs
In der Hip-Hop-Szene waren Combs’ ausschweifende Partys, bei denen Frauen zum Sex genötigt wurden, ein offenes Geheimnis. Rapper wie Eminem, 50 Cent, Usher, Kanye West (Ye) oder Kesha brachten in ihren Texten des öfteren Anspielungen auf die „weißen Partys in den Hamptons“. Eminem: „Ich bin wie ein R-A-P-E-R (Yeah) / Habe so viele S-As (S-As), S-As (Huh) / Warte, er hat doch nicht einfach das Wort ‚Rapper‘ buchstabiert und ein P weggelassen, oder? (Yep).“ Und wenn Eminem rappt, klingt sein Text „P, did he?“ eindeutig wie „P Diddy“.
Bei einem derart prominenten Unterstützer sind Politiker jedoch nicht wählerisch, auch wenn sie sonst immer vom moralischen Hochsitz herunter argumentieren. Was besonders auf die Demokraten zutrifft. Der Prozess gegen Diddy wird zeigen, inwiefern die enge Verbindung geeignet ist, der Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris zu schaden.
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Claudio Casula
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