Kriegsgefangen in Russland: „Wir bekamen nur zwei Schluck Wasser pro Tag“
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Die ersten Fotos des ukrainisch-russischen Austauschs gefangener Soldaten sind erschütternd – den ukrainischen Soldaten sieht man monatelangen Hunger und Entbehrungen an. Insgesamt sollen nach der Vereinbarung von Istanbul 1.200 Kriegsgefangene ausgetauscht werden. Was ein ukrainischer Kriegsgefangener in Russland erlebt und erlitten hat, berichtet er in der FAZ. Es ist der ehemalige ukrainische Kickbox-Champion Oleksii Anulia (32).
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen – erschütternd und nichts für schwache Nerven (Anmerkung der Redaktion). Seine Aussagen wurden von mehreren Quellen bestätigt. Er ist inzwischen in die Ukraine zurückgekehrt.
Wie Soldat Anulia in russische Gefangenschaft geriet
„Ich wurde auf ukrainischem Gebiet von einem russischen Panzer verletzt, meine Kameraden starben. Zwölf Stunden versteckte ich mich, dann kroch ich weitere zwölf Stunden zur nächsten Ortschaft. Dort verriet mich eine Einheimische. Sie wollten mich erschießen, sie stellten mich zur Erschießung auf. Zwei Schüsse fielen, nahe an meinem Kopf vorbei. Danach wurde ich gefangen genommen und zum Verhör gebracht.“
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Ein Kickbox-Gegner rettete sein Leben
„Ein ehemaliger Kickbox-Gegner erkannte mich, lockerte meine Fesseln und gab mir heimlich zu essen. Er sagte, dass er mich nach Russland bringen würde, hier würde ich nicht überleben. Nach sechs Tagen wurde ich in einem Kamaz-Laster, zusammen mit Leichen und zwei anderen Gefangenen in ein Lager bei Kursk gebracht. Es war ein Konzentrationslager: Stacheldraht, Hund, Maschinengewehre. Wir durften nur rennen, mit gesenkten Köpfen, Stirn an Hintern. Toilettengänge waren zeitlich reglementiert, Waschen verboten. Wir bekamen zwei Schluck Wasser pro Tag. Um zu überleben, tranken wir unseren eigenen Urin. Wir entschieden, nur den Urin des gesündesten zu trinken, um Krankheiten zu vermeiden. Es war der blanke Horror.“
Zwei Zähne für getötete Russen
„In Kursk musste ich dreieinhalb Stunden auf den Knien stehen – der Schmerz war unerträglich. Nachts hatte ich fünf Sekunden Zeit, um aus dem Zelt zu rennen und Bericht zu erstatten, sonst blieb ich kniend im Schnee. In einem Krankenlager rissen sie mir zwei Zähne raus – angeblich für jeden getöteten Russen. Der Zahnarzt entschuldigte sich und gab mir die Zähne mit.“
Training gegen den Hunger
„Ich nutzte unbeobachtete Momente zum Training: Liegestütze, Rumpfübungen, Atemkontrolle. Ich machte täglich mindestens 3.500 Kniebeugen, Brust und Bauch stärkte ich gezielt, um Schläge abzufangen. Selbst gegen Hunger half das Training. Ich atmete bewusst durch den offenen Mund, um ihn auszutrocknen – so wurde Hunger zu Durst. Und der war trotz allem leichter zu stillen.“

Ukrainische Soldaten nach ihrer Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft.
Was ich in der Gefangenschaft gelernt habe
„Russland respektiert nur Stärke. Sie folterten mich aus Sadismus, nicht um mich zu bändigen. Schwache wurden gebrochen und entmenschlicht. Stärke brachte Respekt. Das war eine bittere Erkenntnis. Im Westen gilt Stärke oft als primitiv, Schwäche als Zeichen von Intellekt. In Russland ist es umgekehrt – dort zählt körperliche und mentale Härte, fast archaisch. Selbst nach der Folter sagten sie: Du bist stark. Europa sollte wie ein Igel sein – freundlich, aber wehrhaft. Doch die Ukraine fühlt sich verraten. Mein Vater ist gefallen, mein Bruder gezeichnet, zahlreiche Freunde tot. Wer soll unser Land wieder aufbauen?“
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