Verbrannte Kirchen und zerstörte Häuser: Wie es zu Christen-Pogromen in Pakistan kam
Ein Beitrag von
Es sind die heftigsten Pogrome an Christen seit Jahren: In Pakistan in der Provinz Punjab zündete in der vergangenen Woche ein islamistischer Mob mehr als 20 Kirchen an und zerstörte einige Hundert Häuser von Christen.
Das berichtet die pakistanische Plattform Dawn und der BBC. Videos auf Sozialen Medien zeigen Schlägertrupps und Brandschatzung, die gezielt an Gottes- und Wohnhäusern von Christen durchgeführt wurden.
Wie Anwohner berichten, kam es zu den Plünderungen und Angriffen in den Städten Sahiwal und Jaranwala. Betroffen seien mehrere Kirchem, Wohngebäude, aber auch Autos, Mororräder und Friedhöfe. Auch wurden dort Friedhöfen geschändet und Bibeln verbrannt. Die Angreifer sollen mit Eisenstangen, Stöcken, Ziegeln und Dolchen bewaffnet gewesen sein und willkürlich Zivilisten angegriffen haben. Wenige Tage später kam es zu Anschuldigungen der Blasphemie, unter anderem gegenüber christlichen Jugendgruppen.
„Die Pogrome begannen am 16. August, als eine Frau mit einem beschädigten Koran bei einer christlichen Familie klopfte und diese beschuldigte, die heilige Schrift geschändet zu haben“, erzählt der pakistanische Menschenrechtsaktivist und Christ Faraz Pervaiz gegenüber NIUS. „Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, plötzlich wurde in den Moscheen dazu aufgerufen, an Christen Rache zu nehmen.
Islamistische Gruppierungen hinter Angriffen
Hinter dem Angriff stehen Mitglieder der extremistischen Organisation Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP). Bei der TLP handelt es sich um eine 2015 gegründete und streng-sunnitischen Partei, die sich dafür einsetzt, landesweit die Scharia als Rechtsordnung durchzusetzen. In Vergangenheit sprachen sich Mitglieder auch schon für Todesstrafen für „Blasphemie“ aus. Auch islamistische Milizen der Gruppierungen Jamat Ahl-Sunnat und Sipah-e-Sahabah sollen an den Angriffen beteiligt gewesen sein.
Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Vorwürfe der Blasphemie konstruiert gewesen seien. Pervaiz spricht von einer koordinierten Aktion vergleichbar mit Pogromen in Gojra (2009) und der Joseph-Kolonie in Lahora (2013). Auch damals koordinierte ein islamistischer Mob gezielte Angriffe auf Christen unter zumindest fragwürdigen Umständen. „Die Angreifer benutzen ebenso wie damals gezielt Chemikalien, um die Ausstattung von Häusern zu zerstören und diese unbewohntbar zu machen“, so Pervaiz.
An den Ausschreitungen waren mehrere tausend Islamisten beteiligt, Behörden schätzen die Zahl auf 6.000, von denen inzwischen etwas mehr als 100 festgenommen worden seien. Acht Personen seien als Redelsführer identifiziert worden. Wie das pakistanische Nachrichtenportal Dawn berichtete, wurden diese wegen Plünderung und Brandschatzung angeklagt.
„Die Politik macht so lange nichts wie sie nichts machen muss“
Im Anschluss an die Brände und Gewalt verhängten Behörden verhängten eine Ausgangssperre und stationierten in der Stadt paramilitärische Einheiten, die unter anderem die historische Kirche der Heilsarmee und die katholische Kirche Saint Paul bewachen.
Wenngleich inzwischen mehrere Spitzenpolitiker im mehrheitlich muslimischen Land die Taten verurteilten, klagt Pervaiz an, dass die Politik immer wieder gleichgültig gegenüber den Lynchmobs auftrete.
„Die Politik macht so lange nichts wie sie nichts machen muss und nimmt die Gewalt in Kauf“, so der Christ. Erst wenn internationale Medien auf die Fälle aufmerksam machen, kommen Solidaritätsbekundungen. INzwischen hat der pakistanische Interimspremierminister Anwar ul Haq Kakar mitgeteilt, dass „alle Strafverfolgungsbehörden aufgeworden seien, die Schuldigen zu fassen und vor Gericht zu stellen.“

Inzwischen bewachen behelmte Einheiten Gotteshäuser.
In Pakistan gibt es immer wieder Fälle tödlicher Gewalt im Zuge von Blasphemievorwürfen. Gesetze sehen im äußersten Fall den Tod für die Beleidigung des Islams oder des Propheten Mohammed vor. Wer dessen beschuldigt wird, gerät oft schon vor einer Verurteilung ins Visier von Extremisten. Die Christen, die in dem mehrheitlch muslimischen Land etwa 1,2 Prozent der Bevölkerung stellen, sehen sich dabei immer wieder Gewalt und Erniedrigung ausgesetzt.
Erst im Juni wurde ein Christ in Pakistan zu Tode verurteilt, weil Mohamed-Karikaturen auf seinem Handy gefunden wurden. Laut der Anwältin von der NGO „The Voice“ ignorierte der Richter alle Beweise zugunsten des Angeklagten und sah in der Bestrafung eine „heilige Pflicht“.
Lesen Sie auch: In Niger bahnt sich ein Krieg an: Was das für uns bedeutet

Eine zerstörte Kirche in Punjab.
Mehr NIUS:
Trump kündigt „vollumfänglichen Sieg“ gegen Iran innerhalb von 14 Tagen an
Britische Times deckt auf: Polizei wollte Henry Nowak nach seinem Tod als Angreifer darstellen
Militär meldet Raketen aus Iran und dem Jemen: Israel schlägt gegen Iran zurück
Europas Institutionen räumen die Identität ab
USA: Libanon und Israel wollen Waffenruhe umsetzen
Deutschland fällt bei Wahl in UN-Sicherheitsrat durch
Neue Eskalation: USA und Iran greifen sich in Golfregion an
„I can't breathe“: Bodycam-Video zeigt die grausamen letzten Minuten von Henry Nowak
Mehr NIUS:
Europas Institutionen räumen die Identität ab
USA: Libanon und Israel wollen Waffenruhe umsetzen
Deutschland fällt bei Wahl in UN-Sicherheitsrat durch
Neue Eskalation: USA und Iran greifen sich in Golfregion an
„I can't breathe“: Bodycam-Video zeigt die grausamen letzten Minuten von Henry Nowak
Iran setzt Gespräche mit den USA aus: Mullahs planen Komplett-Blockade der Straße von Hormus
Jill Biden spricht über den kognitiven Abbau ihres Ehemanns: „Er war derselbe – die Essenz desselben Joe Biden“
Paris: Ausschreitungen und Vandalismus nach Champions-League-Finale
Jan A. Karon
Artikel teilen
Kommentare