Wirtschaft, Politik, Militär: So reagiert Israel auf den Iran-Angriff
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Nach dem iranischen Angriff auf Israel, bei dem 99 Prozent der Flugkörper abgefangen wurden, rätselt die Weltgemeinschaft nun, wie die Reaktion Israels aussehen wird.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist anzunehmen, dass Israel auf mehreren Ebenen reagieren wird, sowohl politisch als auch militärisch. Auch die EU wird aller Voraussicht nach Konsequenzen ziehen, es werden Gespräche geführt über neue Sanktionen gegenüber dem Iran.
Israels militärische Reaktion:
Der israelische Generalstabschef Herzi Halevi kündigte an, dass der Angriff nicht unbeantwortet bleiben werde. Während seines Besuchs auf der Luftwaffenbasis Nevatim, die eine Schlüsselrolle bei der Abwehr am späten Samstagabend spielte, betonte Halevi die Notwendigkeit einer Reaktion auf die massiven Raketenangriffe auf israelisches Gebiet. „Während wir nach vorne blicken, erwägen wir unsere Schritte“, sagte Halevi und fügte hinzu, dass der Angriff des Irans auch neue Möglichkeiten für regionale Zusammenarbeit eröffnet habe.
Weiterhin traf sich am Montag das israelische Kriegskabinett, allerdings wurde zunächst keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht. Nach Berichten des Fernsehsenders Channel 12 wurden verschiedene Szenarien diskutiert, wie Israel auf den großangelegten Angriff des Irans reagieren könnte.
Das Ziel Israels sei es, dem Iran zu schaden, ohne jedoch einen umfassenden Krieg zu provozieren.
Zu den möglichen Zielen eines Gegenangriffs könnten iranische militärische Einrichtungen gehören. Darüber hinaus wurde auch die Möglichkeit eines Cyberangriffs in Erwägung gezogen, um die Antwort Israels zu diversifizieren und gleichzeitig eine Eskalation zu vermeiden, berichtet die Bild.

Generalstabschef Herzi Halevi auf der Luftwaffenbasis Nevatim
Die US-Regierung hat entschieden, öffentlich keine Stellung zu einem möglichen israelischen Gegenschlag zu beziehen. John Kirby, der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, erklärte am Montag, dass die Entscheidung darüber, wie auf den Angriff reagiert wird, bei Israel liege. „Wir werden den Israelis das Wort überlassen“, sagte Kirby und betonte, dass die USA nicht in den Entscheidungsprozess involviert seien.
Pentagon-Sprecher Pat Ryder äußerte sich ähnlich und vermied es, auf Spekulationen einzugehen, ob ein Vergeltungsschlag Israels amerikanische Streitkräfte in der Region gefährden könnte. „Ich möchte zu diesem Zeitpunkt nicht auf Hypothesen eingehen“, sagte Ryder. Er unterstrich jedoch, dass die USA weiterhin fest an der Seite Israels stünden und bereit seien, ihre Streitkräfte und Verbündeten in der Region zu verteidigen.
US-Präsident Joe Biden riet Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in einem kürzlich geführten Telefongespräch, die Risiken einer Eskalation sorgfältig zu bedenken und strategisch vorzugehen.
Die politischen Reaktionen:
Israel Katz, der israelische Außenminister, hat nach einem massiven Angriff des Irans eine diplomatische Offensive eingeleitet. „Ich habe heute Morgen Briefe an 32 Staaten geschickt und mit Dutzenden Außenministern und führenden Repräsentanten auf der Welt gesprochen“, schrieb er am Dienstag auf X.
In seinen Schreiben und Gesprächen forderte er die internationale Gemeinschaft auf, Sanktionen gegen das iranische Raketenprogramm zu verhängen und die Revolutionsgarden als Terrororganisation einzustufen. Katz betonte, dass diese Maßnahmen notwendig seien, um Teheran zu bremsen und zu schwächen. „Der Iran muss jetzt gestoppt werden – bevor es zu spät ist“, erklärte er, um die Dringlichkeit seiner Forderungen zu unterstreichen.
Die wirtschaftliche Reaktion der EU:
Die EU erwägt nach dem Angriff auf Israel neue Sanktionen gegen den Iran. Diplomaten berichteten am Montagabend nach einem Treffen in Brüssel, dass die möglichen neuen Strafmaßnahmen bereits am Dienstag bei einer Videoschalte der Außenminister zur Diskussion stehen könnten. Diese Sanktionen könnten im Rahmen einer Regelung eingeführt werden, die bereits nach der iranischen Unterstützung des russischen Krieges in der Ukraine durch Drohnenlieferungen etabliert wurde. Diese umfasst unter anderem Exportverbote für Bauteile, die im Iran für die Herstellung von Drohnen genutzt werden könnten, sowie Sanktionen gegen betroffene Personen und Organisationen.
Allerdings, so die Diplomaten, könnte das Risiko einer Eskalation gegen strengere Sanktionen sprechen. EU-Außenbeauftragter Josep Borrell strebt weiterhin danach, den Iran zu bewegen, ein Abkommen zur Begrenzung seines Nuklearprogramms wieder einzuhalten, um die Entwicklung einer iranischen Atombombe zu verhindern.
Während der Videokonferenz, die in Reaktion auf den iranischen Angriff auf Israel einberufen wurde, soll zudem erörtert werden, wie die EU zur Deeskalation in der Region beitragen kann. Es wird erwartet, dass die Außenminister den iranischen Angriff verurteilen, die Unterstützung der EU für Israels Sicherheit betonen, zu Zurückhaltung aufrufen und die Forderung der EU nach einer sofortigen humanitären Feuerpause im Gazastreifen sowie ungehindertem humanitären Zugang zur leidenden Zivilbevölkerung bekräftigen.

Josep Borrell ist seit dem 1. Dezember 2019 Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik
Und was ist mit Rafah?
Israel hat entschieden, die humanitäre Hilfe in Rafah zu verstärken und die Evakuierung von Zivilisten zu planen. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant diskutierte diese Maßnahmen am Montagabend mit Vertretern seines Ministeriums und der Cogat-Behörde, die für Kontakte mit den Palästinensern zuständig ist. Bei dem Treffen standen die Unterstützung und Sicherheit der Zivilbevölkerung im Vordergrund, insbesondere die Erweiterung der Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen nach Rafah, einer Stadt im Süden des Gazastreifens, die derzeit von einer Flüchtlingskrise betroffen ist.

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant
Die Stadt Rafah, die an der Grenze zu Ägypten liegt und derzeit überfüllt ist mit Hunderttausenden Flüchtlingen, stand kürzlich im Zentrum internationaler Kritik wegen der geplanten israelischen Militäroperationen. Nachdem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu letzte Woche eine bevorstehende Offensive in Rafah angekündigt hatte, sorgte dies für Aufsehen; Verteidigungsminister Galant hat jedoch kurz darauf klargestellt, dass solche militärischen Pläne noch nicht endgültig seien.
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