Brisanter Mail-Verkehr aufgetaucht: Wie sehr nahm der Pfizer-Boss Einfluss auf die Impfzulassung?
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Im Jahr 2020 sollte in historischer Schnelligkeit über die Bühne gebracht werden, was sich aus Gründen pharmazeutischer Sicherheit sonst auf mehrere Jahre erstreckt: die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffs.
Von anonymen Hackern geleakte E-Mails zeigen anschaulich, wie sich die Politik in den Zulassungsprozess derart heftig einmischte, dass man sagen kann: Ursula von der Leyen hat ihren Teil dazu beigetragen, als Präsidentin der EU-Kommission für die Impfzulassung auf Biegen und Brechen grünes Licht zu erwirken. NIUS berichtete, die E-Mail, in der ihr Verhalten thematisiert wird, sieht man hier im Original.
Der E-Mail-Verkehr innerhalb der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) offenbart jedoch noch mehr Brisantes: Ein führender Mitarbeiter der EMA redete mitten im Zulassungsprozess davon, dass Pfizer-Boss Albert Bourla lobbyistisch auf die amerikanische Zulassungsbehörde Einfluss nahm, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt, ja als ginge es nicht um die Gesundheit von Milliarden Menschen.
Aber der Reihe nach. Im November 2020 wendet sich Marco Cavaleri, der damalige Leiter des Bereichs „Biologische Gesundheitsbedrohungen und Impfstoffe“, an seine Kollegen. Er spricht von einer Telefonkonferenz zwischen der amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) und der britischen Zulassungsbehörde (MHRA), in dem es um die „CMC-Aspekte“ beim BioNTech-Pfizer-Impfstoff gehen soll. CMC steht für „Chemistry, Manufacturing and Controls“, bezeichnet also das Herz der Impfstoffsicherheit, wie die folgende Beschreibung eines großen amerikanischen Testlabors verdeutlicht.
EMA-Beamter: FDA wurde „hart gedrängt“
„Für die ordnungsgemäße Herstellung eines pharmazeutischen oder biologischen Produkts müssen bestimmte Herstellungsverfahren, Produkteigenschaften und Produktprüfungen festgelegt werden, um sicherzustellen, dass das Produkt sicher, wirksam und zwischen den Chargen konsistent ist. Diese Aktivitäten werden als CMC, Chemie, Herstellung und Kontrolle bezeichnet.“
Im Wortlaut schreibt Marco Cavaleri: „FDA has a call with MHRA in 3 hours to discuss Biontech CMC aspects. They are going to rush into EUA.“ Das bedeutet: Beim enorm wichtigen Sicherheitsprozess „hasten“ bzw. „rasen“ die Zulassungsbehörden in den EU-Markt. Ob der Impfstoff bis Weihnachten zugelassen werden könne, sei für die FDA noch unklar, sie würde allerdings vom damaligen US-Gesundheitsminister Alex Azar und der amerikanischen Regierung unter Donald Trump „hart gedrängt“.

Geleakte E-Mails bezeugen Hast und politischen Druck im Zulassungsprozess.

Pharma-Lobbyismus an höchster Stelle als Selbstverständlichkeit?
Schließlich berichtet Marco Cavaleri von „streng vertraulichen Neuigkeiten“ nach einem Gespräch mit der FDA: „We agreed to keep channels open and share views so to avoid misleading messages going through.“
Und dann: „Pfizer CEO lobbied Peter Marks telling him EMA wants the data earlier.“
Der Pfizer-Boss lobbyierte bei niemand Geringeren als dem Direktor des „Center for Biologics Evaluation and Research (CBER)“, das Teil der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA ist. Das CBER ist laut Eigenbeschreibung „für die Gewährleistung der Sicherheit und Wirksamkeit biologischer Produkte, darunter Impfstoffe, verantwortlich“.
Bemerkenswert: Bourla kann – offenbar erfolgreich – mit einer augenscheinlichen Forderung seitens der EMA an einen leitenden Pharmasicherheits-Beamten herantreten, mit dem Ziel, diesen unter Druck zu setzen, damit sich seine Behörde mit der Datenpräsentation beeile. Man bedenke: Mit der amerikanischen Zulassung der Pfizer-BioNTech-Impfstoffs war zugleich klar, dass es auch eine europäische geben würde. Sie hat den Weg frei gemacht für alle weiteren mRNA-Impfstoffe.

Peter Marks: Ein hohes Tier in der FDA, offenbar direkt beeinflusst von Pfizer.
In jener Zulassungsphase entschied sich, ob der Pfizer-Boss dank winkender Milliardengewinne für sein Unternehmen auch selbst steinreich werden wollte. Er wurde es – und zwar auf Kosten der Gesundheit der Menschen, unterstützt von Behörden, die gegenüber dem Druck der Politik einknickten. Der Vertrauensverlust in der Bevölkerung dürfte immens sein.

Ein Ticker draußen an der New Yorker Börse zeigt, dass die Pfizer-Aktien am Montag, dem 9. November 2020, gestiegen sind – nachdem Pfizer angab, dass sein Impfstoff zu mehr als 90 Prozent wirksam sei. Texas verklagt Pfizer für diese irreführende Angabe, die auf der „Relativen Risiko Reduktion“ beruht, die imposanter wirkt als die aussagekräftigere „Absolute Risiko Reduktion“.
Einige selbstkritische Fragen
Abschließend noch ein paar Fragen, die mich seit der Recherche für diesen Artikel beschäftigen, genauer: seitdem mir auffiel, dass die geleakten E-Mails, über die ich seit zwei Wochen berichte, das Licht der journalistischen Öffentlichkeit schon sehr früh erblickten. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet bereits am 15. Januar 2021 den Hackerangriff auf die EMA, die Rede ist von „einer internen/vertraulichen E-Mail-Korrespondenz vom November, die sich auf die Bewertung von COVID-19-Impfstoffen bezieht.“
Am 18. Januar 2021 (!) titelt der Business-Insider: „Dokumente zeigen: So macht die EU-Kommission bei der Arzneimittelbehörde EMA Druck für eine schnelle Impfstoff-Zulassung“. Leider wurden die dem Medium vorliegenden Dokumente nicht gezeigt, bedeutsame Tatsachen wurden aber wahrheitsgemäß und ohne Rücksicht auf das Image der laufenden Impfkampagne berichtet. Schon zu diesem Zeitpunkt hätte das Thema ein Riesen-Politikum werden müssen – so groß, dass niemand an ihm vorbeikommt.
Zwei Monate später, im März 2021, greift das British Medical Journal (BMJ) das Thema auf. Spätestens seitdem hätte jeder auf dem Schirm haben können, dass es zwei Herstellungsprozesse und ein von der EMA beanstandetes Problem mit der mRNA-Integrität gab, bei dem äußerst zweifelhaft ist, ob es schließlich im Einklang mit den Zulassungsstandards gelöst wurde. Leider zeigte auch das BMJ die E-Mails selbst nicht. Vielleicht springt einem das Ausmaß des Skandals erst ins Auge, wenn man die Belege im Original sichtet.

Obwohl das British Medical Journal bereits im März 2021 über die zwei Produktionsprozesse und die Qualitätsproblematik berichtete, kochte das Thema erst kürzlich hoch.
Leak-Explosivität hätte früher erkannt werden müssen
Offenbar dauerte es anschließend ganze zwei Jahre, bis eine Journalistin die skandalöse Thematik an den gezeigten Leaks ausführlich diskutierte, ihr Artikel erschien im Juni 2022 (hinter einer Abo-Schranke) auf Trial Site News, auf den Multipolar vor einem Monat dankenswerterweise aufmerksam machte.
Mich stimmt nachdenklich, warum die coronakritische Öffentlichkeit – inklusive mir selbst – derart lange braucht, die Explosivität der Leaks zu erkennen und die Thematik öffentlichkeitswirksam zu skandalisieren. Warum kochte das Thema erst kürzlich hoch – nach Ende der Impfkampagne –, derweil es sie von Anfang an begleitete, mit dem Potenzial, ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen? Wieso gehören die entscheidenden Tatsachen nicht längst zum Allgemeinwissen in interessierten Kreisen? Vermutlich hätte man durchaus viele Menschen davor bewahren können, einen hinterher bereuten Impf-Fehler zu begehen. Wie gesagt: Seit zweieinhalb Jahren ist auf einwandfreier Quellengrundlage öffentlich, dass die EMA höchstpersönlich noch kurz vor der Zulassung enorme Sicherheitsbedenken hatte. Wem an der Corona-Aufarbeitung gelegen ist, sollte sich solche Fragen selbstkritisch stellen. Irgendetwas ist schiefgelaufen, wofür Staat und Medien nicht die Schuld gegeben werden kann.
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