Mitten in Berlin! Drosten forscht an Corona-Killer-Variante
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- In einem vom Virologen Christian Drosten koordinierten Projekt machen Forscher das gefährlichste Corona-Virus noch gefährlicher.
- Die Experimente finden mitten in Berlin in einem Labor statt, das nicht die höchsten Sicherheitsstandards erfüllt.
- Die Bundesregierung fördert die risikoreiche Forschung – ohne erhöhte Sicherheitsauflagen zur Bedingung zu machen.
Mitten in Berlin werden gefährliche Corona-Viren noch gefährlicher gemacht!
Im Rahmen eines Forschungsprojekts verleihen Wissenschaftler unter der Leitung des Virologen Christian Drosten dem tödlichsten aller Corona-Viren, Mers, Eigenschaften, die es leichter in menschliche Zellen eindringen lassen.
Die Beschreibung des Projekts RAPID (Risikobewertung bei präpandemischen respiratorischen Infektionserkrankungen), das bis August vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde, vermeidet die Verwendung des Begriffs „Gain-of-Function” (zu deutsch etwa „Funktionsgewinn-Forschung”), der durch jahrelange Kontroversen negativ behaftet ist. Dem Hamburger Universitätsprofessor Roland Wiesendanger wurde sogar gerichtlich untersagt, zu behaupten, Drosten betreibe Gain-of-Function.

Ein Virologe betrachtet in einem Forschungslabor des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg auf einem Computermonitor die Elektronenmikroskop-Aufnahme eines MERS-Coronavirus. Marburg verfügt über ein Hochsicherheitslabor für die Arbeit mit gefährlichen Viren.
Und doch ist das, was Drosten und seine Kollegen machen, im Kern genau das: Sie „verbessern” das Virus zu Forschungszwecken, versetzen es in die Lage, menschliche Zellen leichter zu infizieren, um ihr Pandemiepotential zu antizipieren.
In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Zeit warnt Drosten vor Mers: „Das Virus hat die Barriere der kontinuierlichen Mensch-zu-Mensch-Übertragung noch nicht genommen. Im Moment laufen die Infektionsketten sich immer wieder tot. Wenn sie das nicht mehr tun, haben wir eine Pandemie. Die Evolutionsvorgänge sind komplex.”
Charité-Labors entsprechen nicht der höchsten Sicherheitsstufe
Besonders brisant an der Forschung: Die Virus-Experimente finden in Laboren mit der Sicherheitsstufe 3 statt, nicht in einem Hochsicherheitslabor der Stufe 4, die Deutschland an vier Standorten betreibt. Und das, obwohl die Sterblichkeitsrate (Cfr) von Mers, bekannt als „Kamel-Virus”, bei rund 36 Prozent liegt, und damit deutlich über der von Sars-Cov-2 mit 0,5 Prozent.
Laborunfälle sind alles andere eine Seltenheit. Wie USA Today berichtet registrierten Regierungsbehörden in den Vereinigten Staaten zwischen 2008 und 2012 Mehr als 1.100 Laborvorfälle mit Bakterien, Viren und Toxinen, die ein erhebliches oder bioterroristisches Risiko darstellen. Sie reichen von Bissen oder Kratzern von infizierten Tieren über Nadelstiche bis hin zum Versagen der persönlichen Schutzausrüstung, Verschütten oder Probenpaketen, die nach dem Versand vorübergehend verloren gingen.

Am Robert Koch-Institut ging im Juli 2018 ein Hochsicherheitslabor mit der höchsten Schutzstufe (S4) in Betrieb. Hier können lebensbedrohliche und hochansteckende Erreger sicher diagnostiziert und erforscht werden. Das Labor bildet eine luftdichte Einheit und verfügt über eine eigene Strom-, Wasser- und Luftversorgung.

Das Robert Koch-Institut listet auf seiner Internetseite vier S4-Labore in Deutschland.
Das BMBF hat das Verbundprojekt RAPID, an dem verschiedene Universtäten beteiligt sind, von Juli 2017 bis August 2023 mit insgesamt 4,1 Millionen Euro gefördert. Doch warum vergab das Ministerium eine Förderung, ohne ein Labor der Sicherheitsstufe 4 zur Auflage zu machen, und wie stellt es sicher, dass die hochgefährlichen Viren nicht in falsche Hände geraten? Wo lagern die Proben nun? Und: Wurden die Virus-Proben mit Forschern anderer Länder geteilt?
Auf diese Fragen, die NIUS dem BMBF vergangene Woche stellte, antwortete ein Sprecher ausweichend. „Für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen während und nach der Durchführung eines Projektes sind die Projektnehmer verantwortlich”, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Dabei steht bereits im Forschungsantrag, der noch zu Drostens Zeit in Bonn gestellt wurde, dass die Forschung in Laboren der Sicherheitsstufe 3 stattfinden soll. Einige Auflagen wie beispielsweise „Datenschutz, Ethik- und Tierschutzbestimmungen, Einhaltung von Qualitätsstandards bei der Durchführung klinischer Studien” habe es laut dem Sprecher immerhin gegeben.
Das BMBF tritt die Risikowertung also an die Forscher selbst ab. Dieses Vorgehen mag formal gebräuchlich sein, und doch stellt sich die Frage, ob eine Regierung, die bei einem Virus mit einer Sterblichkeitsrate von 0,5 Prozent politische Maßnahmen anordnet, nicht zumindest so weit in die Forschungsfreiheit eingreifen sollte, dass sie für Experimente mit einem sehr viel tödlicheren Virus bestimmte Sicherheitsauflagen wie beispielsweise die Durchführung in einem S4-Labor für die Vergabe von Forschungsgeldern zur Bedingung macht.
Denn auch wenn Mers selbst zu den Klasse-3-Viren gehört, ist nicht abzuschätzen, welches Risiko von ihm ausgeht, sobald es genetisch verbessert wird und leichter in Zellen eindringt. Eine Anfrage vom vergangenen Freitag zu ebendiesen Sicherheits-Aspekten ließ die Charité bis Donnerstag unbeantwortet.
Bundesregierung hält Gain-of-Function für gängige Methode
Das BMBF schreibt in seiner Antwort gegenüber NIUS auch: „Bei Gain-of-Function handelt es sich aus Sicht der Bundesregierung um eine experimentelle Methode, die in vielen biomedizinischen Forschungsgebieten analog zu anderen Methoden, wie genetischen und bzw. oder molekularbiologischen, verwendet wird.” Eine Behauptung, die ohne Beleg bleibt, denn Gain-of-Funcion-Forschung wird aus den genannten Gründen nur mit großer Zurückhaltung betrieben.

Kritiker werfen dem holländischen Virologen Ron Fouchier vor, seine Forschung produziere potenzielle Biowaffen.
Ob der Nutzen einer solchen Forschung wirklich gegenüber den Risiken überwiegt, wird seit langem kontrovers diskutiert. 2011 modifizierte der niederländische Virologe Ron Fouchier das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 so, dass sich auch Säugetiere gegenseitig damit anstecken können. Daraufhin erließ die US-amerikanische Regierung wegen Sicherheitsbedenken für einige Jahre ein Moratorium mit Finanzierungsstopp für Gain-of-Function.
Dass das Sars-Cov-2-Virus aus einem Lobor in Wuhan entfleucht ist, wo genau diese Art von Forschung mit Corona-Viren betrieben wird, ist immer noch ein mögliches und realistisches Szenario zum Ursprung der Pandemie.
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