„Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen": So schwurbelt sich Journalist Blome bei Lanz um Kopf und Kragen
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Es sind die vielleicht verstörendsten und zugleich prägendsten Sätze der Pandemie-Zeit, und sie hallen bis heute in den Köpfen vieler Menschen nach ...
Am 7. Dezember 2020 schrieb der Journalist Nikolaus Blome, damals noch beim Spiegel, über Menschen, die sich nicht gegen Covid impfen lassen wollten: „Ich hingegen möchte an dieser Stelle ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile für all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“
Die Worte, die Blome damals mit inbrünstiger Überzeugung schrieb, kondensieren und dokumentieren ein historisches Versagen von Zivilgesellschaft und Journalismus.
Am Dienstagabend saß Blome nun im Talk bei Markus Lanz und bekam dort die Gelegenheit, sich für eben jene Worte zu entschuldigen. „Würden Sie den Satz heute noch einmal so schreiben?“, fragte ihn der Moderator.
Blome entgegnete ausweichend witzelnd: „Die lustige Antwort ist: Ich würde nicht bei mir selber abschreiben, darum würde ich ihn wahrscheinlich nicht noch einmal so schreiben.“
Der Satz von damals hänge ihm immer noch nach, lamentierte Blome mit zitternder Stimme. „Der kommt immer wieder, wenn ich mich zu Corona oder der Impfung äußere.“
Selbstmitleid statt Reue: Empathie für die Millionen von Menschen, die zu jener Zeit in großer Angst vor eben jener Ausgrenzung und jenem erhobenen Finger lebten, die Blome gefordert hatte, zeigte der Journalist nicht.
Geschwurbel statt Entschuldigung
Was dann folgte, ist wohl das, was man klassischerweise als „Geschwurbel“ bezeichnet. Anstatt Lanz’ Frage zu beantworten, ob er seine Worte denn wiederholen würde, holte Blome zu einem ausufernden Vortrag über die Verantwortung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen aus.
„Das passiert hier jedes Mal. Das passiert, wenn hunderttausend Menschen auf die Straße gehen, für die Demokratie demonstrieren und in Wahrheit Druck auf die Anhänger der AfD ausüben wollen, diese nicht zu wählen.

Nikolaus Blome ist inzwischen Ressortleiter Politik und Gesellschaft in der Zentralredaktion der Mediengruppe RTL Deutschland.
Das passiert, wenn Fridays for Future auf die Straße gehen und sagen: Die Boomer haben uns in den Dreck geritten, die Boomer mögen jetzt bitte mal die Klappe halten und abtreten, wir möchten das für uns jetzt hier regeln, damit wir auf diesem Planeten überleben können.
Das ist eine politische Auseinandersetzung der Gesellschaft, eine gesellschaftliche Auseinandersetzung, und so habe ich diesen Satz gemeint und ich hoffe und glaube auch, dass die Mehrheit ihn so verstanden hat, nämlich: Da redet eine Gruppe mit der anderen, und egal wie groß diese eine Gruppe ist, die andere versucht, Druck auf die andere zu machen, dem eigenen Beispiel zu folgen.“

Die spalterischen Worte in Blomes Kommentar im Spiegel stehen immer noch online.
Druck auf Ungeimpfte war „außerordentlich schlüssig“
Kurz darauf folgte dann einer der zahlreichen Talkshow-Momente, in denen man als Zuschauer am liebsten in den Fernseher springen und die Rolle des Moderators übernehmen möchte, nämlich als Blome erklärte, er finde es immer noch „außerordentlich schlüssig“, zu sagen: „Je mehr Leute sich schnell impfen lassen, desto geringer wird die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überlastet wird.“
Dabei krankt der Versuch, die eigenen spalterischen Worte zu legitimieren daran, dass die drohende Überlastung des Gesundheitssystems, die während der Corona-Zeit eines der großen Druckmittel war, um Menschen zu konformem Verhalten zu nötigen, nicht in Daten zu finden ist. Im Gegenteil, die Auslastung der Intensivbetten war niedrig, die Situation im vergangenen Winter hingegen deutlich prekärer. Dutzende Landkreise und Städte meldeten zum Teil deutlich weniger als 10 Prozent der Intensivkapazitäten als frei, zahlreiche hatten sogar kein einziges freies Intensivbett mehr.
Dazu hörte man allerdings nichts von Blome.
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Immerhin war der Journalist dann aber noch klug genug, im Nebensatz das viel bemühte Fremdschutz-Argument abzuräumen, indem er erklärte, seine Position gelte „unabhängig von der Frage, ob man mit einer Impfung noch andere anstecken kann, oder nur sich selbst schützt.“
Am Ende rang sich Blome doch noch Worte ab, die man mit ein bisschen Wohlwollen als Antwort auf Lanz’ Frage werten könnte: „Ich würde sagen, Druck auf die andere Seite, auf die freiwillig gegen Impfungen Eingestellten, war legitim.“
Dass er generell nicht viel von einer Aufarbeitung der Corona-Zeit hält, machte Blome an anderer Stelle klar, als er mit schnippischem Unterton behauptete: „Es ist schon einiges an Aufarbeitung geschehen. Aber offenkundig gibt es das Gefühl, das ist noch nicht genug, und wir müssen alles nochmal diskutieren.“
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