Überparteilich. Populär.
Prof. Richard Traunmüller ist empirischer Demokratieforscher und lehrt an der Goethe-Universität Frankfurt. Seine Forschung gilt der Frage, unter welchen Bedingungen Bürger von ihrer Meinungsfreiheit tatsächlich Gebrauch machen – und wann sie es lieber lassen.
„Das ist eine völlige Entgleisung“. So kommentiert er im Gespräch mit Ralf Schuler die Forderung von Friedrich Merz nach Klarnamen im Internet. Denn wer nicht erkenne, dass es „eine ganz fundamentale Asymmetrie zwischen einem Amtsträger, der im Auftrag des Volkes unterwegs ist, und dem einzelnen Bürger gibt“, der verwechsle Herrschaftskritik mit Angriff.
Dabei ist das nur eine von vielen alarmierenden Diagnosen, die Traunmüller aus seinen Daten zieht. In den 70er Jahren sagten noch 83 Prozent der Deutschen, sie könnten ihre Meinung frei äußern. Heute sind es 45 Prozent. eEn Abfall, den er als „wirklich einzigartig“ bezeichnet. Die Hauptfurcht dahinter: nicht Streit, nicht Widerspruch, sondern das Risiko, als rechts oder extremistisch abgestempelt zu werden. Nicht der alte weiße Mann fühlt sich am unfreiesten, sondern die junge Generation. Gendern hält er für ein Elitenprojekt ohne gesellschaftliche Mehrheit. Und das Thema Desinformation sei „arg aufgebauscht“, nützlich vor allem als Instrument der Macht.
„Toleranz ist an sich eine riesige Zumutung“, sagt Traunmüller. „Das abstrakte Ideal wird von jedem hochgehalten und sobald es konkret wird, ist es ganz schnell damit vorbei. Da nimmt sich links und rechts tatsächlich nicht sehr viel.“
Das vollständige Interview gibt es auf NIUS.
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