1,5 Jahre Wartezeit für Sprachförderung: „Wir müssen Kinder behandeln, die eigentlich einen Deutschkurs brauchen“
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- Eine Erzieherin berichtet von extrem langen Wartezeiten für Logopädie-Plätze.
- Logopäden aus verschiedenen deutschen Städten bestätigen lange Wartezeiten, verursacht durch einen Mangel an Fachkräften.
- Aber auch Kinder, die kein Deutsch sprechen, werden zur Therapie geschickt und verschlechtern so die Versorgungssituation.
Diese Recherche begann mit Post von einer NIUS-Leserin. Sie ist Erzieherin im Großraum Hannover und berichtet von einem Gespräch mit einer Mutter. Letztere war völlig verzweifelt und auf der Suche nach einem Logopädie-Platz für ihr Kind. Trotz zahlreicher Telefonate wurde die Mutter abgewiesen und berichtet von 18 Monaten Wartezeit für einen Logopädie-Platz.
Ihre Behauptung: Durch viele Kinder mit mangelnden Deutsch-Kenntnissen werden die Therapie-Plätze für ihr 5-jähriges Kind blockiert. Die Einschulung sei gefährdet.
NIUS hat sich daraufhin in Deutschlands Logopädie-Praxen und Kindergärten umgehört.
Therapeuten bestätigen extrem lange Wartezeiten
NIUS sprach mit Logopäden aus Erfurt, Oldenburg und Sindelfingen. Sie alle bestätigen die ewig langen Wartezeiten zwischen mindestens sechs und 18 Monaten. Die Situation der Mutter können die Therapeuten nachvollziehen, nennen aber noch zahlreiche weitere Gründe, sowohl für den hohen Therapiebedarf, als auch für den Mangel an Therapieplätzen.
Nicht-deutsche Kinder werden einfach zu Sprachtherapie geschickt
Bei den Befragungen kommt auch heraus: Die hohe Auslastung hängt tatsächlich auch an voreilig verordneten Therapiemaßnahmen, die dafür sorgen, dass vor allem nicht-deutsche Kinder die Auslastungssituation in den Praxen verschärfen.
Ein Logopäde aus Erfurt erklärt NIUS am Telefon: „Es werden zu viele Therapien verschrieben. Wir müssen Kinder behandeln, die eigentlich einen Deutschkurs brauchen.“ Ein Therapiebedarf bestehe in diesen Fällen schlichtweg nicht.

Sprach-Therapeuten sehen den übermäßigen Medienkonsum als Grund für den erhöhten Therapiebedarf.
Corona-Pandemie steigert Therapie-Bedarf
Tatsächlich mangelt es vor allem an Kollegen in der Branche. Eine Logopädin aus Sindelfingen nennt die schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitszeiten als Grund. Außerdem mussten jahrelang die Kosten für die Ausbildung selbst getragen werden – zumindest das habe sich geändert. Gerade nach Corona ist auch der Therapiebedarf gestiegen, erzählt eine Logopädin aus Oldenburg am Telefon mit NIUS.
Die Therapeuten aus Oldenburg und Erfurt sehen vor allem den übermäßigen Medienkonsum der Kinder, die Corona-Pandemie sowie geringe Aufmerksamkeit der Eltern als Ursache für die gehäuften Probleme.
Die Therapeutin aus Erfurt berichtet von einem Fall, der besonders gut die Situation darstellt: Sie bat ein Kind im Schulalter, einen Satz aufzuschreiben. Erste Nachfrage des Kindes: „Darf ich das auf dem iPad schreiben?“
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