10 Jahre Haft für Mobber in Frankreich – in Deutschland unmöglich!
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- Künftig werden Mobber in Frankreich härter bestraft.
- In Deutschland werden acht Prozent der Kinder Opfer von Mobbing während ihrer Schulzeit.
- Carsten Stahl zu NIUS: Jeden Tag versuchen sich fünf bis sechs Kinder umzubringen.
Frankreich hat umfassende gesetzliche Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule angekündigt. Jugendliche, die andere in der Schule mobben, sollen jetzt mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden, wenn ihre Opfer zu Tode kommen. Nötig wurden diese gravierenden Maßnahmen aufgrund vermehrter Suizidfälle. Etwa jeder zehnte Schüler in Frankreich ist Opfer von Mobbing.
In Deutschland sind die Zahlen ähnlich hoch. Laut dem Verein „Zeichen gegen Mobbing“ litten im vergangenen Jahr acht Prozent der Schüler unter Mobbing oder Cybermobbing. Doch ein solch umfassendes Gesetz ist hierzulande praktisch unmöglich. Das bestätigte das Justizministerium auf NIUS-Anfrage. Denn in Deutschland sind die Schulen Ländersache.

Beginnt oft bereits in der Grundschule – Kinder machen sich auf dem Schulhof gegenseitig das Leben zur Hölle.
Janina M. (Name geändert) ist Sozialpädagogin an einer Problem-Schule im Berlin-Hellersdorf. Eine Grundschule, in der Kinder bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden. Sie findet die härtere Bestrafung gut, auch wenn es immer auf das Alter der Kinder ankomme. „Ab der dritten und vierten Klasse nimmt das Mobbing zwischen den Schülern Form an“, sagt sie.
Kleidung, Noten und der soziale Status seien klassische Mobbingthemen, erläutert die studierte Erziehungswissenschaftlerin. „Konsequenzen sind nötig. Der Einfluss des Elternhauses ist wichtig. Kinder kommen schließlich nicht so auf die Welt.“

Unter Mobbing leidende Kinder verändern sich. Manche werden still und ziehen sich zurück, andere werden gewalttätig.
Die Reaktionen der gemobbten Kinder seien für das Umfeld binnen kürzester Zeit spürbar. „Manche Kinder ziehen sich zurück, andere werden durch Mobbing aggressiv und auffällig“, sagt die Sozialpädagogin.
Und weiter: „Durch die härteren Anti-Mobbing-Gesetze in Frankreich würden nur die Symptome getötet werden, nicht aber die Krankheit. Es kommt immer auf die Mobbing-Prävention der Schule an. Die ist sehr wichtig“, sagt sie.

Das Mobbing hat sich im Laufe der Jahre vom Schulhof in die sozialen Netzwerke verlagert.
Handpuppen bringen nichts
Genau auf diesem Gebiet ist Carsten Stahl Experte. Er hält an Schulen Workshops gegen Mobbing. Er sagt: „Mobbing ist ein Serienkiller.“ Denn jeden Tag versuchen sich fünf bis sechs Kinder in Deutschland das Leben zu nehmen. In der Regel gelingt es einem.
Die Gesetze in Frankreich begrüßt er nur in Teilen. „Bei einigen Sachen gehe ich mit“, so Stahl. Etwa, dass Mobber die Schule wechseln sollen und nicht die gemobbten. Aktuell ist eher das Gegenteil der Fall.
„Die Täter lernen: Ich kann alles machen. Das ist doch ein Versagen der Politik“, kritisiert er. Auch die Herangehensweise der Schulen ist eine Vollkatastrophe, denn das Thema Mobbing-Prävention finde zwar statt, jedoch mit den falschen Mitteln.

Die Präventionsmaßnahmen der Schulen bringen nur in Teilen etwas. Denn die Herangehensweise sei oft miserabel, sagen Experten.
So werden beispielsweise Theaterstücke gegen Mobbing mit Handpuppen vorgespielt. Die Kinder würden sich darüber kaputt lachen. „Die Kinder haben Handys und gucken Pornos und die kommen mit Handpuppen“, sagt Stahl. Der Experte betont, dass Prävention zielgerichtet, wirksam und nachhaltig sein müsse.
Bei der Politik und den Schulen sieht er hier ein Versagen, insbesondere beim Kampf gegen Cybermobbing. „Wir haben Mobbing zu Feinstaub gemacht und ihn über das ganze Land verteilt“, sagt er.
Zurück nach Frankreich. Dort sollen die Täter bis in ihr Privatleben hinein bestraft werden. Durch einen mehrmonatigen Ausschluss aus Sozialen Medien. Das Sperren der Kanäle müssen dann die Netzwerkbetreiber machen. Wie genau das umgesetzt werden soll, ist noch offen.
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