50.000 Euro Sachschaden und Lebensgefahr für Mitarbeiter: Sabotageakt von Ökoradikalen bei Kiesgrube in Hessen
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Die radikale Ökogruppierung „Wald statt Asphalt“ hat einen Sabotageakt auf ein Kieswerk im hessischen Langen verübt – und dabei einen Sachschaden in Höhe von mehr als 50.000 Euro verursacht. Ein entsprechendes Bekennervideo kursiert seit Dienstag im Internet. Die Polizei hat den Vorfall gegenüber NIUS bestätigt.
Demnach ist am vergangenen Samstag eine 10- bis 15-köpfige Gruppe auf das Gelände der Kiesgrube am Waldsee in Langen eingebrochen und hat dort nach Angaben der Polizei vom Mittwoch einen Schaden von rund 50.000 Euro verursacht. Die Aktivisten durchschnitten demnach Förderbänder, beschädigten Antriebsmotoren mit Bauschaum und beschmierten das Gelände des Unternehmens Sehring, welches dort Kies abgräbt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.
Der Betreiber des Kieswerks teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die Täter „neben hohem Sachschaden [...] das Verletzen oder den Tod von Mitarbeitern billigend in Kauf“ genommen haben. Die Fördergurte, die zerschnitten wurden, seien mit Stahlfasern versehen. Gerate ein solcher Gurt bei einer gewissen Beförderungsgeschwindigkeit ins Schleudern und beginne zu flattern, könne sich dieser Mitarbeiter schwer verletzen. Zwar sei am vergangenen Samstag kein Angestellter vor Ort gewesen, es sei jedoch in der Vergangenheit durchaus vorgekommen, dass Wochenenddienste anfallen, so das Unternehmen Sehring gegenüber NIUS. Die Radikalen hätten mit der Aktion eine „rote Linie“ überschritten und der Akt sei ein „Angriff auf die deutsche Rohstoffbranche“, so das Unternehmen.
Wie die Polizei mitteilte, sei der Fall beim Staatsschutz. Man gehe von einer politischen Motivation aus, die sich im Bereich des Linksextremismus verorten lässt.

Eine Luftaufnahme des Geländes, auf dem Kies abgebaut wird.
Unternehmer sieht „populistischen Feldzug“
Dies liegt auch daran, dass inzwischen ein Bekennervideo im Internet kursiert, das von der Gruppierung „Wald statt Asphalt“ stammt. In dem Clip ist zu sehen, wie sich maskierte Personen in weißen Polyethylen-Anzügen Zugang zum Werkgelände mittels Bolzenschneidern verschaffen. Dort schneiden sie die Förderbänder des Kieswerks durch. Auf der Homepage heißt es, Sehring sei „der Hauptzulieferer für den Neubau des Flughafenterminals 3“ in Frankfurt und befeuere den „langjährigen Konflikt um Lärmschutz, Luftverschmutzung und Waldzerstörung“ rund um den Frankfurter Flughafen. Für den Kiesabbau seien mehr als 30 Hektar Wald gerodet worden. Mit der Aktion stelle man sich der „anhaltenden Klimazerstörung des Betreibers Sehring“ aktiv entgegen.
Sehring, ein hessisches Familienunternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz, das 1927 gegründet wurde, erhebt derweil schwere Vorwürfe gegenüber den Grünen in Offenbach, Langen und Hessen, aber auch gegnüber Umweltschutzverbänden wie BUND. Diese goutierten den Anschlag, „in dem sie sich nicht von dieser Aktion öffentlich distanzieren“. Ein „jahrelanger populistischer Feldzug verbunden mit frei erfundenen Behauptungen gegen das Haus Sehring findet in dieser Aktion den bisherigen Höhepunkt“, heißt es in der Pressemitteilung, die NIUS vorliegt. Ein Screenshot, der NIUS vorliegt, zeigt, wie Eliza Hagenah, Mitglied der Grünen Offenbach, einen Beitrag des „Aktionsbündnis Langener Bannwald“ gelikt hatte, in dem über den Angriff berichtet wird.

Der Facebook-Screenshot
Auf Anfrage von NIUS teilte BUND Hessen mit: „Der BUND Hessen lehnt den Sand- und Kiesabbau am Langener Waldsee ab und hat sein Klagerecht als anerkannter Umweltverband wahrgenommen.“ Dabei sei man gescheitert, aber erkenne das Gerichtsurteil an. „Als demokratischer Verband lehnen wir jede Form von Sachbeschädigung und Gewalt ab.“ Grüne Hessen, Grüne Offenbach und Grüne Langen ließen eine Anfrage von NIUS unbeantwortet.
Zweiter Anschlag auf Kieswerk binnen weniger Tage
Die Abholzung des Bannwalds ist seit Jahrzehnten ein Reizthema in Südosthessen und Gegenstand eines langjährigen Rechtsstreits zwischen Umweltverbänden und der Firma Sehring. Für die Gewinnung des Kieses, welcher unter anderem für die Bauindustrie, aber auch für die Quarzsandproduktion genutzt wird, wurden Teile des Waldbestands gerodet. Die Firma Sehring bekam in drei Gerichtsurteilen und letztinstanzlich durch das Bundesverwaltungsgericht die Genehmigung für ihr Vorgehen. Gleichwohl ist Sehring verpflichtet, sich an strenge Behördenauflagen zu halten und etwa die abgebaute Fläche wieder aufzufüllen und mit klimaresistenten Bäumen neu zu bepflanzen.
Der Anschlag in Langen ist dabei nicht der einzige Angriff auf ein Kieswerk. Nur zwei Tage später kam es in einem Kieswerk in der Gemeinde Kirchseeon in Bayern zu einer Brandstiftung. Unbekannte hätten mehrere Brandausbruchstellen gelegt, heißt es von Seiten der Polizei. Es ist ungewiss, ob dieser Brand im Zusammenhang mit dem Angriff auf das Kieswerk in Hessen steht und ebenfalls von radikalen Umweltaktivisten verübt wurde.
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