Altenheim in Baden-Baden: Die Senioren-Sorge, Platz für Flüchtlinge machen zu müssen
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27 Senioren sollen raus aus ihrem Zuhause, dem Schwarzwaldwohnstift in Baden-Baden. Parallel hat die Stadt ankündigt, in dem Wohnkomplex Flüchtlinge unterbringen zu wollen.
In der Senioren-Wohneinrichtung in der Kurstadt im Schwarzwald leben aktuell circa 60 Menschen. Vergangene Woche der Schock: 34 Räumungsaufforderungen flatterten in die Briefkästen. Noch in diesem Monat sollen die betroffenen 27 Senioren (7 sind bereits verstorben) ihre Wohnungen verlassen.
NIUS war vor Ort – hier die Eindrücke unserer Reporterin:
Pflegedienstleiterin Manuela Anselm arbeitet seit 35 Jahren in der Einrichtung und ist wütend: „Wir müssen unbedingt schauen, dass wir Senioreneinrichtungen, die dafür gebaut worden sind, auch dafür bereitstellen. Es macht mich sehr wütend, auch das andere Personal ist sehr verunsichert, aber am meisten kann man sagen, es macht mich wütend.“

Pflegedienstleiterin Manuela Anselm ist wütend über die Situation.
Leerstehende Wohnungen werden für Asylbewerber genutzt
Seit geraumer Zeit wird sie unter Druck gesetzt, leerstehende Wohnungen an die Stadt zu vermieten, die diese zur Unterbringung von Migranten nutzt. 13 Wohnungen sind bereits mit Asylbewerbern belegt. Die Stadt Baden-Baden schreibt auf ihrer Webseite: „Weitere Anmietungen sind geplant, es könnten – soweit die Wohnungen der Stadt zur Verfügung gestellt werden, 2024 etwa 60 Plätze entstehen und 2025 etwa 70 Plätze.“
Einen Zusammenhang zwischen den Räumungsaufforderungen und der Anmietung der Stadt gebe es laut Rechtsanwalt Peter Eckl, der einen Großteil der Eigentümer vertritt, nicht. Grundlage für die Aufforderung ist demnach ein juristischer Konflikt zwischen den Eigentümern und dem Betreiber der Senioreneinrichtung (SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH). Die SWB hatte schon vor einiger Zeit die Mietverträge mit den Eigentümern gekündigt. Der Konflikt war eskaliert, nachdem einige Eigentümer nach Aussagen des Juristen seit Januar keine Miete mehr erhalten hatten.
Die Stadt Baden-Baden wollte sich gegenüber NIUS nicht äußern. In einer öffentlichen Stellungnahme zum Sachverhalt heißt es: „Die Aufforderungen wurden ohne Kenntnis der Stadt an die Bewohner versendet. Es ist selbstverständlich nicht im Interesse der Stadt, dass Bewohner ihre Wohnungen räumen und diese Wohnungen dann der Stadt zur Verfügung gestellt werden.“
Und weiter: „Die Stadt hat daraufhin mit der WEG Kontakt aufgenommen, um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung anzustreben. Die WEG hat daraufhin heute gegenüber der Stadtverwaltung erklärt, dass den Bewohnern des Wohnstifts von der WEG neue Mietverträge zu angemessenen Konditionen angeboten werden sollen, damit diese dort weiterhin wohnen können.“

Leon Meyer-Vogelfänger ist Bewohner im Schwarzwaldwohnstift.
Stadt dementiert, von Räumungsaufforderungen gewusst zu haben
In diesem Konflikt wird deutlich: Wohnraum ist knapp. Die Wartelisten für Senioreneinrichtungen sind lang. Gleichzeitig steht die Stadt vor der Herausforderung, Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen und kommt damit an ihre Grenzen. Das Konzept Flüchtlinge und Senioren in ein und derselben Einrichtung funktioniert nur bedingt. Im Interview mit NIUS sagt Pflegedienstleiterin Manuela „Wir versuchen als Personal unheimlich viel zu kompensieren. Wir betreuen hier Menschen, die eine unglaubliche Toleranz haben. Aber es leben auch Kinder der Asylbewerber mit im Haus, die sind laut, das dürfen sie auch. Aber das Konzept passt einfach nicht.“
Auch im Gespräch mit Bewohner Leon Meyer-Vogelfänger wird deutlich, das Zusammenleben ist nicht immer leicht. Es sind hauptsächlich afrikanische Frauen mit Kindern im Haus und nebenan Senioren, die gepflegt werden müssen. Ob durch die Gespräche mit der WEG oder durch öffentlichen Druck: Die Situation für die Senioren scheint sich nun zu verbessern.
Die Stadt hat angekündigt, vorerst keine weiteren Wohnungen anzumieten.
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