Beitrag über Freibäder im ZDF: 42 Minuten Realitätsleugnung
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„Das Freibad“, schreibt das ZDF in seinem Teaser zur aktuellen Folge des Magazins „Aspekte“, „weckt nicht nur Sehnsüchte, es ist ein durch und durch demokratischer Ort, der allen offen steht – aber auch Konflikte liefern kann.“ Der Titel der Folge lautet „Das Freibad als Glücksversprechen – Zwischen Sprungturm, Pommes und Liegewiese“.
Als Außenstehender fragt man unweigerlich: Wann waren die Macher von „Aspekte“ selbst das letzte Mal im Freibad? Vermutlich in den 1980er- oder 1990er-Jahren, sprich zu einer Zeit, als man auch noch Techno-Raves mit einer Million Menschen ohne Terrorangst feiern konnte und Weihnachtsmärkte noch nicht Fort Knox glichen. Auf jeden Fall nicht in den letzten zehn Jahren.
DDR-Fernsehen bei den Öffentlich-Rechtlichen
Während es mittlerweile nahezu jede Woche zu Tumulten und Schlägereien in deutschen Freibädern kommt, zeichnet man im ZDF das Bild einer Freibadkultur, die es so an immer mehr Orten in Deutschland gar nicht mehr gibt.
Heute reicht es manchmal schon aus, die falsche Person nassgespritzt zu haben, um eine Massenschlägerei mit 250 Beteiligten entstehen zu lassen, wie letztes Jahr im berühmt-berüchtigten Berliner Columbiabad. Das ist übrigens seit der letzten gewalttätigen Auseinandersetzung am vergangenem Wochenende geschlossen. Grund: Personalmangel.
Ein Problem, das zunehmend auch andere Freibäder betrifft. Wer will schon für 1500 bis 2000 Euro netto, die ein Bademeister durchschnittlich in Deutschland verdient, den Kopf hinhalten?
Mit einem hat man bei „Aspekte“ jedoch recht – auch wenn es sich genau genommen nur um eine Aussage des Autors und Dramaturgen John von Düffel handelt. Das Freibad ist ein Abbild der Gesellschaft. Und wer die Freibadbilder aus den vergangenen Jahren kennt, weiß, dass es nicht gut um diese Gesellschaft steht.
Freibad-Bullerbü entspricht nicht der Realität
Fakt ist: Das Bullerbü, das man in der Kultursendung zeichnet, hat mit der Realität nicht mehr viel zu tun. Und weil man anhand der Kommentare in den sozialen Medien schnell gemerkt hat, dass das viele andere auch so sehen, hat man zumindest das Wort „Rangelei“ im Teaser durch „Schlägerei“ ersetzt. Hilft am Ende trotzdem wenig, wenn die ganze Sendung am eigentlichen Thema vorbeiläuft.
Was bleibt, sind 42 Minuten, die allenfalls für Realitätsleugner und Freibad-Nostalgiker taugen, die sich an die schöne alte Zeit vor mobilen Polizeiwachen und Security-Personal am Beckenrand erinnern wollen. Mehr Deutsche als in dieser Sendung werden Sie im Freibad jedenfalls nicht mehr zu Gesicht bekommen.
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