Clan-Millionenraub in Berlin: Das heimliche Doppelleben des Kronzeugen
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Im Prozess um den Einbruch in der Tresoranlage Fasanenstraße im Berliner Bezirk Charlottenburg soll heute die ehemalige Rocker-Größe der Hells Angels, Rayk F., aussagen.

Der verwüstete Tresorraum nach dem Raub. Die Täter erbeuteten u.a. Schmuck, Bargeld und teure Uhren im Gesamtwert von 49 Millionen Euro.
Leben im Goldrausch
Rayk F. betrieb zusammen mit dem schwerreichen Unternehmer Thomas S. aus Süddeutschland eine schlüpfrige Tabledance-Bar am Breitscheidplatz. Thomas S., der nun Kronzeuge im Prozess ist, führte ein bizarres Doppelleben – ein Leben im Goldrausch und Rotlicht, zwischen arabischen Clans und Rockerbanden.
Die Vorgeschichte: Es war ein Meisterstück, ein blitzschnelles Millionen-Geschäft. Am 19. November 2022 soll eine arabische Großfamilie in eine Tresor-Anlage in der Fasanenstraße 77 in Berlin-Charlottenburg eingedrungen sein und 296 Schließfächer mit 996 Luxusuhren, Gold, Diamanten und Bargeld ausgeräumt haben. Schaden über 49 Millionen Euro.

Der Blick in den Tresorraum nach dem Überfall: Aufgebrochene Schließfächer, Unterlagen und Schachteln auf dem Boden.
Ein Kronzeuge packt aus
Der Clan-Coup wurde mutmaßlich von der arabischen Großfamilie M. begangen. Seit Oktober stehen vier Männer vor Gericht. Der Kopf der Panzerknacker soll Bilal M. (42) sein, ein bislang unbescholtener Bauunternehmer mit Firmensitz am Kurfürstendamm. Er wird von Thomas S., dem ehemaligen Geschäftsführer der Tresoranlage und jetzigen Kronzeugen der Anklage, belastet.

Die Anwälte von vier Angeklagten im Landgericht Berlin.
Thomas S. (52) wurde von den Ermittlern der SoKo „Kuckuck“ umgedreht und packt nun als Kronzeuge gegen die gefürchtete Clan-Sippe M. aus. Der Unternehmer erhofft sich für seine Aussage einen Strafrabatt, er lebt seit seiner Beichte im Zeugenschutzprogramm.

Die Täter beim Abtransport des Diebesguts.
Doppelleben zwischen Dorfidylle und Berliner Rotlicht-Bar
Doch an den Aussagen von Thomas S. kommen Zweifel auf. Im Prozess kam heraus, dass der schwerreiche Unternehmer ein gefährliches Doppelleben führte. Ein Leben zwischen dem idyllischen Dorf Bermatingen in der Bodensee-Region in Baden-Württemberg und einer Tabledance-Bar in Berlin, die Thomas S. zusammen mit dem polizeibekannten Rocker-Mitglied Rayk F. führte.

Kronzeuge Thomas S. lebte mit seiner Familie in dem beschaulichen Bermatingen (Baden-Württemberg).
Thomas S. ist verheiratet, hat drei Kinder. Seine millionenschwere Villa ist kameraüberwacht, mit Monitoren im hauseigenen Büro. Sie liegt gut abgeschirmt in einer Sackgasse von Bermatingen. Thomas S. besitzt noch eine weitere Villa in Teupitz und dort Yachthafen-Anteile.
Was seine Ehefrau und die Kinder nicht ahnten: Thomas S. führte ein Doppelleben. Neben seiner Tresoranlage und dem Goldhandel betrieb der Geschäftsmann noch ein Bordell. Das „Chez Michelle“ in der Marburger Straße in Charlottenburg, unweit vom Breitscheidplatz. Sein Geschäftspartner ist ein stadtbekannter Schwerkrimineller, der eine feste Größe im Rocker-Milieu der Hells Angels war.

Der „Nachtclub“ Chez Michelle im Berliner Stadtteil Charlottenburg.
Rayk F. ist 55 Jahre alt, ein Hühne von Mann, Karatemeister, der Mann fürs Grobe ... Von ihm will Thomas S. auch eine scharfe Schusswaffe bekommen haben, die die SoKo „Kuckuck“ bei der Razzia neben dem Bett im Nachtschrank des Unternehmers fand. Das Bett, das er sich mit seiner Geliebten teilte.
Antrag auf Haftverschonung für den Angeklagten
Doch seit der Razzia und der Festnahme von Thomas S. am 1. März 2023 ist Schluss mit seinem süßen Doppelleben, das im Prozess bekannt wurde. Thomas S.’ Glaubwürdigkeit hat im Prozess schwer gelitten. Er will sich häufig nicht mehr „100-prozentig“ erinnern können. Er ist bislang auch der einzige Zeuge, der Bilal M. belastet.
Sein Verteidiger hat deshalb eine Haftprüfung beantragt, will seinen Mandanten am heutigen Donnerstag von der Haft verschonen lassen. Unterstützung bekommt der Angeklagte von Rayk F., der im Zeugenstand gegen seinen Geschäftspartner aussagen soll.

Die Rechtsanwälte des Kronzeugen, Steffen Tzschoppe (rechts) und Julia Hilterscheid (links).
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