Debatte um KI-Fakes und der „Kampf gegen Rechts“: Wie der Holocaust missbraucht wird, um Social Media zu kontrollieren
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KI-Bilder mit Kriegs- und Holocaust-Bezug tauchen in sozialen Netzwerken immer häufiger auf. Für linke Aktivisten und auch für Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, ein Anlass, staatliche Regulierung zu fordern. Manche nutzen die Gelegenheit sogar, um die Shoah für den „Kampf gegen Rechts“ zu instrumentalisieren. Beides ist selbst bei guten Absichten problematisch.
Seit einiger Zeit kursieren vermehrt KI-Bilder und -Videos mit Holocaust- oder Weltkriegs-Bezug in sozialen Netzwerken, so berichteten zuletzt unter anderem das Hamburg Journal, die Hessenschau, der Deutschlandfunk und die Süddeutsche Zeitung (SZ). Mithilfe einer Künstlichen Intelligenz erstellte, meist emotionale Bilder, die etwa ein angebliches Wiedersehen zwischen KZ-Häftlingen und Befreiern zeigen, oder Szenen weinender Kinder hinter Stacheldraht.
Da das Thema immer „zieht“, haben einige „Content-Creator“ ein Geschäftsmodell daraus gemacht, schließlich lassen sich hohe Klickzahlen in sozialen Netzwerken wie X, Facebook, Instagram oder TikTok monetarisieren. Kritiker beanstanden, dass es sich oft um frei erfundene Inhalte handelt, Experten sehen darin eine „neue Dimension der Fake History“.

KI-generiertes Bild: US-Befreier und Kinder im KZ
Geschäft mit Fake-Bildern
Nicht nur, dass Bilder vom Leid in den Konzentrationslagern in bare Münze umgewandelt werden, stößt auf Ablehnung. Des Weiteren besudeln Geschmacklosigkeiten durch KI-Slops zweifellos die Erinnerung an die Shoah oder das Leid im Krieg. Und neuerdings weist man auf die Gefahr hin, dass die nicht immer auf den ersten Blick als unecht erkennbaren Bilder auch zur politischen Manipulation genutzt werden können.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat vor einigen Tagen ein energisches Vorgehen der EU gegen die Verbreitung KI-generierter Holocaust-Bilder und -Filme gefordert. „Wir müssen verhindern, dass mit solchen KI-generierten Bildern oder Videos in sozialen Medien Geld verdient wird“, so Weimer zur Nachrichtenagentur Reuters. Das gebiete der Respekt vor Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft getötet und verfolgt wurden. Das große Leid der Opfer des Holocaust dürfe nicht verfälscht und verzerrt werden, sagte Weimer.
Die Verbreitung manipulierter Bilder führe dazu, dass Geschichte umgeschrieben und letztlich relativiert werde, so der parteilose Minister. Er sieht die Plattformbetreiber auf Grundlage des Digital Services Act (DSA) in der Pflicht, mithilfe von KI hergestellte Bilder eindeutig zu kennzeichnen und „wenn nötig“ zu entfernen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordert eine Regulierung von KI-Inhalten.
Kennzeichnung würde doch reichen
Ähnlich sehen das etwa 30 KZ-Gedenkstätten. Solche Bilder würden „gezielt eingesetzt, um historische Fakten zu verwässern, Opfer- und Täterrollen zu verschieben oder revisionistische Narrative zu verbreiten“. Sie fordern die Plattformbetreiber in einem offenen Brief auf, proaktiv gegen geschichtsverfälschende KI-Inhalte vorzugehen, geschichtsverfälschende und irreführende Inhalte als Fehlinformation über die internen Meldesysteme meldbar zu machen und Konten, die solche Inhalte verbreiten, von allen Monetarisierungsprogrammen auszuschließen. KI-generierte Inhalte sollten ausnahmslos zu kennzeichnen und bei Verstößen gegen die Kennzeichnungspflicht zu entfernen sein.
Ab dem 2. August 2026 sind die Unternehmen ohnehin durch den EU Artificial Intelligence Act verpflichtet, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen. Diese aber erst einmal zu erkennen, ist technisch herausfordernd. Außerdem weisen die Betreiber darauf hin, dass die Gemeinschaftsstandards bereits festlegen, was erlaubt ist und was nicht.
Das sind valide Argumente. Justiziable Inhalte sind bereits jetzt strafbar, da bedarf es keiner staatlichen „Regulierung“, so plausibel sich die Argumente der Befürworter zunächst anhören. Außerdem ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, dass diese Einmischung die Tür für eine weitergehende Kontrolle der sozialen Netzwerke öffnet. Schließlich: Wer garantiert, dass nicht auch an Fällen aus dem Graubereich herumgedoktert wird, obwohl im Zweifel die Meinungsfreiheit gilt?

Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank.
Missbrauch der Shoa durch linke Agitatoren
Institutionen mit einer politischen Agenda machen nun mobil, um mit dem Argument, die Shoa dürfe nicht verfälscht dargestellt werden, selbst Missbrauch zu betreiben. So stellte etwa das Haus der Wannsee-Konferenz einen Bezug zwischen Holocaust und der Correctiv-Ente vom Potsdamer „Geheimtreffen“ her.

Bizarrer Holocaust-Vergleich mit Gaza: Darstellung von Anne Frank mit Palästinensertuch
Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, nutzte seine Stellung wiederholt, um die AfD zu bezichtigen, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu „verharmlosen“. Außerdem warf er dem ZDF mangelnde Konfrontation mit der Partei vor. Und es ist wieder einmal die steuergeldfinanzierte Bildungsstätte Anne Frank (BAF), die den Mord an sechs Millionen Juden instrumentalisiert, um gegen „Rechts“ zu agitieren.
In einem 72-seitigen Report mit dem Titel „Der Holocaust als Meme – Wie in digitalen Räumen Geschichte umgedeutet wird“ wird vorgegeben, seriös über die NS-Verbrechen aufzuklären, indem dargestellt wird, wie man es nicht macht: eben mit den KI-Slops (auch AI Slops), kitschigen, emotionalisierenden Bildern von KZ-Insassen, Befreiern und Soldaten. Bliebe es dabei, wäre auch gar nichts dagegen zu sagen, schließlich verblasst die Erinnerung an die Shoa (und auch das Wissen darüber) mit jeder Generation mehr. Die BAF behauptet in besagtem Report, dass in Deutschland 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nicht wissen, wie viele Menschen im Holocaust ermordet wurden.
Wieder einmal wird der „Vogelschiss“ ausgegraben
Allerdings geht es auf den 72 Seiten mitnichten nur um KI-generierte Inhalte. Die falsche Darstellung der Shoah, Verharmlosung oder Leugnung werden fast ausschließlich dem rechten Lager angelastet – und zwar nicht nur Neonazis, sondern der AfD. Es reicht schon, dass Maximilian Krah an die Opfer der Bombardierung Dresdens erinnert, schon tritt die BAF auf den Plan, um der Partei „NS-relativierende und mitunter verherrlichende Rhetorik“ vorzuwerfen. Dazu werden einmal mehr Alexander Gaulands Wort vom „Vogelschiss“ und Björn Höckes „Denkmal der Schande“ aus der Mottenkiste geholt.
Bei den aufgeführten Beispielen liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den Plattformen Instagram und TikTok, weil sie zu den reichweitenstärksten und einflussreichsten Social-Media-Kanälen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zählen. Tatsächlich wird dort viel Mist verzapft, doch es fällt auf, dass sich die Autoren fast ausschließlich auf rechte Übeltäter fokussieren. Linke kommen im ganzen Bericht so gut wie nicht vor, stattdessen ist einmal (!) und auch nur nebulös von „antisemitischen Teilen der Palästinasolidarität im Netz“ die Rede und von „Szenen, die sich für links-progressiv und antifaschistisch halten“.
Dabei sind es derzeit vor allem massenhaft auf den ersten Blick als Fakes durchschaubare KI-Videos, die als Palästinenser vorgestellte Gestalten bei eisigen Winden durch arktisähnliche Schneelandschaften kriechen lassen, um Israel zu unterstellen, in Gaza unsägliches Leid unter der Zivilbevölkerung zu verursachen und einen Bezug zur Shoah zu suggerieren, die Opfer also zum Täter zu erklären. Derartige Beispiele bleiben im BAF-Report ausgeklammert.

Ein Zitat von Maximilian Krah zum Bombenkrieg der Alliierten wird genutzt, um die AfD anzuschwärzen.
Über weite Strecken werden tatsächlich problematische Beiträge dokumentiert, obwohl die Relevanz einzelner Postings wohl klar überschätzt wird. Viele resultieren aus reiner Lust an der Provokation oder Dummheit, etwa das Abfeiern der verstorbenen Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck oder der Kampfkraft deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Doch wird etwa auch moniert, dass es in Strategiespielen Settings gibt, in denen der Krieg ohne Holocaust geführt wird. Das ist doch eigentlich besser so, sollte man meinen. Wer will schon, dass der fabrikmäßige Massenmord an Zivilisten auch noch nachgespielt wird? Wäre das der Fall, hätte die Bildungsstätte doch damit auch ein Problem – zu Recht.

Strategiespiel „Hearts of Iron IV“: Zweiter Weltkrieg ohne Holocaust
Linke und falsche Holocaust-Vergleiche? Gibt’s nicht
Linke Hamas-freundliche Demonstranten, die Gaza mit Auschwitz vergleichen und Anne Frank mit Kufiya (Palästinensertuch) darstellen, sucht man auf den 72 Seiten ebenfalls vergeblich. Für den israelbezogenen Antisemitismus wird dafür ein Beispiel herangezogen, das der türkische Staatssender TRT geliefert hat.

Rafah-Holocaust-Vergleiche werden vor allem von Islamisten und Linken gezogen, sie werden jedoch nicht erwähnt.
Ansonsten geht es vorwiegend um obskure Accounts aus braunen Kreisen, wobei auch die Gelegenheit genutzt wird, um über etliche Seiten hinweg die AfD zu diskreditieren. Hauptsächlich wird behauptet, die Vokabel „Schuldkult“ solle „die deutsche Erinnerungskultur diffamieren“, so die Autoren des von Deborah Schnabel und Eva Berendsen herausgegebenen Reports. Eine „rechtsextreme Vokabel“ trete ihren „Weg der Normalisierung“ an und halte „aus der Neonazi-Schmuddelecke über den Dunstkreis neurechter Akteur*innen mit bemüht bürgerlich-intellektuellem Anstrich über die weitgehend rechtsextreme AfD“ Einzug in den Internet-Mainstream.
Schon der Aufruf zur Wahl der Oppositionspartei AfD findet im Report „Der Holocaust als Meme“ Erwähnung: „Weniger versteckte Angriffe auf den ‚Schuldkult‘ finden sich bei den Accounts, bei denen auch auf den ersten Blick ersichtlich ist, dass sie mit der AfD assoziiert sind. So etwa bei @robim.jtvrn, einem Account, der ausschließlich schriftliche Statements über Bilder und Videos legt und dabei offen zur Wahl der AfD aufruft. Der Account behauptet, das ‚deutsche Volk‘ werde mit einem ‚unfassbaren Schuldkult traktiert‘.“
Das kann man falsch finden, bleibt aber eine erlaubte Meinungsäußerung, die im Zusammenhang mit Holocaustverfälschung, -verharmlosung und -leugnung nichts zu tun hat.

Schmuddelige Wehrmachtsverherrlichung wird in einen Topf mit harmlosen, nicht-linken Ansichten geworfen.
Schon verdächtig, wer gegen das Gendern ist
Die Betonung deutscher Opfer im Zweiten Weltkrieg sei eine „Täter-Opfer-Umkehr, die indirekt den Holocaust relativiert“, heißt es im Report. Ähnlich unterkomplex werden sozialistische Elemente der NS-Ideologie geleugnet: „Die Behauptung, Adolf Hitler sei politisch ‚links‘ gewesen, ist ein wiederkehrendes Narrativ, das dazu dient, den Nationalsozialismus ideologisch von der extremen Rechten zu lösen und gleichzeitig sozialistische bzw. linke Bewegungen zu diskreditieren.“
Diese sind natürlich unbedingt in Schutz zu nehmen, auch wenn sie hinsichtlich des Nahostkonflikts Israelis als „neue Nazis“ verleumden und den Slogan „Nie wieder ist jetzt“, der ursprünglich die Erinnerungskultur in den Dienst des Kampfes gegen aktuelle Formen von Antisemitismus stellen soll, missbrauchen, um gegen den jüdischen Staat zu agitieren. Linksradikale und Islamisten werden nicht benannt, sondern verschwinden hinter einer Nebelwand („Teile des palästinasolidarischen Netz-Aktivismus“).
Der Report führt ein bizarres Beispiel für vermeintlich gefährliche Manipulation im Netz auf: „Ein Blick in die Inhalte von @mrs. burnout2.0 zeigt deutlich, dass sie alle gängigen Narrative eines rechtsextremen Kulturkampfes bedient: Sie behauptet, die Öffentlich-Rechtlichen wollten die Menschen nur „veräppeln“, sie wendet sich gegen Gendern und öffentliche Ramadan-Feiern, kritisiert Demos gegen rechts als ideologisch und will beweisen, dass die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer von links instrumentalisiert würde, um die AfD in ein schlechtes Licht zu rücken.“

Wer Demos gegen Rechts „ideologisch“ findet, bedient Narrative des rechtsextremen Kulturkampfes, meint die BAF.
Angeblich verwischte Grenzen
Alles völlig legitime Vermutungen, die immer mehr Menschen teilen, sollte man meinen, doch wird hier alles mit Rechtsextremismus assoziiert, was linke Anliegen infrage stellt. Hier tritt einmal mehr die Furcht vor dem Verlust der linken Deutungshoheit zutage. Wenn bereits Abneigung gegen manipulative TV-Sender, Sprachverhunzung und strunzdumme Demo-Spruchbanner wie „SchMERZhAfD“ als „rechts“ eingeordnet und damit in die Nähe von Holocaust-Meme-Verbreitern gerückt werden, hat die BAF einmal mehr die Grenze von der Aufklärung zur politischen Agitation überschritten.
Geht es gegen Rechts, hat die Bildungsstätte Anne Frank kein Problem damit, vielleicht unappetitliche, aber eben nicht strafbare Ansichten zu kriminalisieren: „Indem der Holocaust nicht offen geleugnet, sondern ins Lächerliche gezogen wird, wird die Grenze zwischen zulässiger Meinungsäußerung und strafrechtlich relevanter Volksverhetzung verwischt.“ Man kann, ja sollte sogar Leute, die den Holocaust ins Lächerliche ziehen, verachten, Volksverhetzung ist jedoch etwas völlig anderes. Das wäre den Autoren des BAF-Reports aber schon zu viel der Differenzierung. Selbst die – gerichtlich bestätigt – nicht strafbare „rassistisch umgetextete Version von Gigi D’Agostinos Partyhit ‚L’amour toujours‘“ findet Erwähnung.
Wenn versucht wird, selbst diesen absurd aufgebauschten Fall und völlig legitime Ansichten über ARD und ZDF oder das Gendern in einen Topf mit (strafbarer) Holocaustleugnung zu werfen, besteht die Gefahr, dass Aktivisten wie jene der Bildungsstätte Anne Frank im nächsten Schritt auch eine „Regulierung“ harmloser Inhalte fordern.
Wolfram Weimer hat recht, das Leid der Opfer des Holocaust darf nicht verfälscht und verzerrt werden. Ebenso wenig aber darf der Mord an sechs Millionen Juden missbraucht werden, um im selben Aufwasch alle nicht-linken Ansichten zu kriminalisieren. Was strafbar ist und gelöscht werden sollte, haben Gerichte zu entscheiden, nicht linke Aktivisten. Von denen sollte sich der Kulturstaatsminister nicht treiben lassen.
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