Der Pelz ist zurück – warum er plötzlich wieder getragen wird
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Kim Kardashian steigt in Aspen aus dem Flieger – Lederhose, Korsett, darüber ein schwerer Vintage-Pelzmantel in warmen Brauntönen. Dazu Pelzschal, spitze Schuhe, maximale Opulenz. Das Netz explodiert. „Haben wir Pelz nicht längst hinter uns gelassen?“, fragen die einen. „Ekelhaft“, schreiben andere. Kim kümmert das nicht. Sie geht shoppen. „Go ahead, layer your fur over your fur“, sagt sie dazu augenzwinkernd. Übersetzt: „Warum nicht gleich Pelz über Pelz?“ Und liefert damit unfreiwillig den perfekten Einstieg in eine Debatte, die diesen Winter überall geführt wird: Pelz ist zurück. Und zwar sichtbar.

Pelz über Pelz, Korsett und Leder. Sichtbar und selbstbewusst von Kim Kardashian getragen.
Während frühere Generationen noch dem Schlachtruf „Lieber nackt als im Pelz“ verpflichtet sind, greift die Gen Z diesen Winter ganz selbstverständlich zu Fell. Flauschige Jacken, voluminöse Mäntel, Pelzkrägen, die sich weich um Schultern legen – auf den Straßen ebenso wie auf Social Media ist Pelz wieder allgegenwärtig. Und ja: Auch echter Pelz taucht wieder auf. Leise, fast beiläufig provozierend. Wie konnte es dazu kommen?
Lange galt Pelz als Symbol einer Zeit, die man hinter sich lassen wollte: laut, rücksichtslos, moralisch überholt. Jahrzehntelang kämpften „Aktivist:innen“ gegen ihn an, angeführt von der Kampagne „Lieber nackt als im Pelz“, die Popkultur und Mode nachhaltig prägte. 2020 erklärte ausgerechnet PETA den Feldzug für beendet – die Pelzindustrie sei praktisch erledigt, hieß es. Ein Schlussstrich unter ein Kapitel Modegeschichte.

Street Style bei Fendi, Frühjahr/Sommer 2026
Abgehakt? Von wegen.
Mode kennt keine endgültigen Enden. Heute steht der Pelz weniger für Statement als für Stimmung. Er ist weich, warm und luxuriös – und vor allem visuell unwiderstehlich. In einer Zeit permanenter Reizüberflutung funktioniert Fell wie ein Ruhepol: sinnlich, taktil, fast tröstlich. Man will ihn anfassen, sich wie in einem Kokon darin einhüllen, für einen Moment abschalten.
Junge Frauen stöbern auf Flohmärkten und Resale-Plattformen nach alten Pelzmänteln, die einst ihren Großmüttern gehörten. Aus bodenlangen Klassikern werden kurze Jacken, aus schweren Silhouetten moderne, tragbare Stücke. Nichts Glänzendes, nichts Schrilles, dafür elegant und understated: Braun, Schwarz, Cremefarben dominieren.

Street Style vor der Moschino-Show, Mailand
Laufstegträume und Straßenrealität
Auch die Mode hat den Pelz längst wieder lieb – wenn auch oft unter anderen Namen. Bei Prada erscheinen extrabreite Krägen, bei Miu Miu und Valentino Felloptiken, die so echt wirken, dass man zweimal hinschaut. Mal ist es Fake Fur, mal Shearling, mal ein Material, das sich bewusst nicht festlegen lässt.
Prominente verstärken das Bild: Kim Kardashian inszeniert sich in opulenten Pelzlooks, Rihanna greift zu Archivstücken, Madonna kombiniert Pelz mit Leder, Spitze und einer Haltung, die keine Erklärung sucht. Pelz wird hier nicht neu erfunden, sondern reinterpretiert.

Prada Herbst/Winter 2025 auf dem Laufsteg der Mailänder Fashion Week
Zwischen Gewissen und Gefühl
Natürlich ist nichts davon frei von Widersprüchen. Faux Fur besteht oft aus Kunststoff, ist kurzlebig und alles andere als umweltfreundlich. Echter Pelz hingegen ist langlebig, reparierbar, jahrzehntelang tragbar – aber emotional und ethisch hoch aufgeladen. Viele ziehen für sich eine Grenze: kein neu produzierter Pelz, aber Vintage? Erbstücke? Secondhand? Warum nicht.
So entsteht eine neue Form der Akzeptanz. Nicht laut, aber individuell. Pelz wird endlich wieder zur persönlichen Entscheidung, nicht mehr zum kollektiven Skandal.

Madonna bei der Saint-Laurent-Show Frühjahr/Sommer 2026 während der Paris Fashion Week, Paris
Pelz als Zeitgefühl
Vielleicht passt Pelz gerade deshalb so gut in diese Gegenwart. Er ist ambivalent, widersprüchlich, nicht eindeutig einzuordnen. Er steht für Luxus und Zweifel, für Komfort und Reibung. In einer Modewelt, die sich zunehmend zwischen Haltung und Hedonismus bewegt, ist Pelz kein Comeback im klassischen Sinn.
Er ist ein Wiederauftauchen. Ein leiser, weicher Hinweis darauf, dass Stil selten moralisch eindeutig ist – und Mode immer auch vom Wunsch erzählt, sich gut zu fühlen.
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