Die Berlinale-Schande: Wer Judenhassern applaudiert, darf nicht Bürgermeister von Berlin sein
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Die berühmteste Rede eines Berliner Bürgermeisters stammt von Ernst Reuter. Er hielt sie am 9. September 1948 vor 300.000 Menschen, die sich vor dem Reichstagsgebäude versammelt hatten. Die wichtigsten Sätze lauten: „Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!“ Er erreichte, dass die Alliierten West-Berlin 322 Tage aus der Luft versorgten. Die Sowjets hatten die Zugangswege nach Berlin blockiert. So ging Ernst Reuter in die Geschichte ein.
Ich finde, der Tiefpunkt eines Berliner Regierenden Bürgermeisters war am Wochenende bei der Preisverleihung auf der Berlinale. Kai Wegner (CDU) brauchte gar nichts zu sagen, seine Geste genügte. Er klatschte nach Hetzreden gegen Israel. Filmemacher Basel Adra warf dem jüdischen Staat vor, Palästinenser „abzuschlachten“. Sein Kollege Yuval Abraham (trug einen Palästinenserschal) bezeichnete Israel als „Apartheid-Staat“. Wegner applaudierte, behauptete hinterher, er habe die auf Englisch gehaltene Rede nicht richtig verstanden.
Mein gesunder Menschenverstand fragt sich, warum hat Wegner dann applaudiert, wenn er nichts verstanden hat? Und wenn es so wäre – wie ist es möglich, dass der wichtigste Politiker der deutschen Hauptstadt kein Englisch kann? Beide Variante machen mich fassungslos. Es erinnert mich an die Pressekonferenz von Bundeskanzler Scholz mit dem Palästinenserpräsidenten Abbas. Der warf Israel vor, „seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker begangen zu haben. 50 Massaker, 50 Holocausts“. Scholz blieb stumm. Erst später reagierte er mit Empörung – wie jetzt Wegner auf X (früher Twitter): „In Berlin hat Antisemitismus keinen Platz … Berlin hat eine klare Haltung, wenn es die Freiheit geht. Berlin steht fest auf der Seite Israels.“

Hier klatscht Wegner neben Kulturstaatsministerin Claudia Roth den Judenhassern zu
Wer gegen Israel klatscht, darf nicht länger im Amt sein
Wegner redet viel, aber macht nichts. Nach dem Angriff auf einen jüdischen Studenten der Freien Universität lehnte die Berliner Bildungssenatorin Czyborra (SPD) die Exmatrikulation des mutmaßlichen Täters aus politischen Gründen ab. Der Regierende Bürgermeister hätte seine Senatorin entlassen müssen – er tat nichts, er schwurbelte so, wie er es jetzt nach dem Berlinale-Skandal tat: Antisemitismus habe kein Platz in Berlin. Ich sage: Was denn sonst – aber dann tu endlich was dagegen, Regierender Bürgermeister! Wer gegen Israel klatscht, darf nicht länger im Amt sein.
Als Berliner mit einer gewissen Erfahrung an Lebensjahren macht es mich traurig, wenn ich mir die Liste der Regierenden Bürgermeister anschaue und an heute denke. Da war der oben genannte legendäre Ernst Reuter. Man mag Willy Brandt wegen seiner Ostpolitik als Kanzler vielleicht politisch nicht besonders schätzen – als Bürgermeister Berlins war er großartig (1957 bis 1966). Der spätere (und nicht unumstrittene) Bundespräsident Richard von Weizsäcker war ein Regierender Bürgermeister (1981 bis 1984) von Weltformat. In den letzten Jahren hatten wir den Party-Wowi Klaus Wowereit, den farblosen Michael Müller, die erfolglose Franziska Giffey (alle SPD) und jetzt Kai Wegner.

Wünsch dir was: Kai Wegner auf der Berlinale mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch
Ich stelle mir für einen Moment vor, was die großen Berliner Bürgermeister gemacht hätten nach so einer Hass-Rede gegen Israel mitten in ihrer Hauptstadt? Ich erlaube mir eine Antwort: Sie wären aufgestanden und gegangen.
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