„Die ganze Welt lacht über unser Bahn-Chaos“
Ein Beitrag von
Die Fußball-EM bringt Fans aus aller Welt nach Deutschland. Eigentlich ein freudiges Ereignis. Doch die Deutsche Bahn vermiest vielen Fans den Spaß am Sportevent. Der desolate Zustand der Deutschen Bahn ist jetzt für die ganze Welt sichtbar. Außerdem blamierte sich Jochen Breyer, ZDF-Sportmoderator, mit absurden Sprachregelungen im Live-Fernsehen. Sie werden nicht glauben, was er gesagt hat.
Darüber sprachen am Freitagmorgen Julian Reichelt und Ralf Schuler mit Alex Purrucker bei NIUS LIVE.
„Schienenersatzverkehr. Schon allein das Wort ist eine Zumutung für Menschen, die in Deutschland zu Gast sind.“
Purrucker leitet ein: „Europameisterschaft 2024 und die deutsche Effizienz. Vergessen Sie alles, was Sie zu wissen glaubten. In diesem Bericht zu lesen: Der desaströse Zustand des öffentlichen Nahverkehrs und die Organisatoren während der Fußball-EM in unserem Land, vor allem in München und Gelsenkirchen, das haben Sie vielleicht mitbekommen. Da kam es ja zu massiven Problemen. Der Zugverkehr zum EM-Eröffnungsspiel erlahmte, weinende Kinder, Rollstuhlfahrer wurden im Stich gelassen und es herrschte Chaos vor der Allianz-Arena.“
Reichelt antwortet: „Das ist wirklich ein bemerkenswerter Artikel aus der New York Times, die sich da einmal mit dem deutschen Effizienz- und Organisationsmythos beschäftigt. Und es ist der vermutlich größte oder zweitgrößte Unterschied zum Sommermärchen 2006.“
Erstens: „Der größte Unterschied ist, dass man auf den Fanmeilen keine deutschen Flaggen mehr sieht. Wenn ein Tor fällt, dann jubeln zwar die Menschen. Immerhin das noch, obwohl Jubel auch schnell in Rassismus umschlagen kann, wie wir gelernt haben. Aber deutsche Flaggen gibt es nicht mehr.“

Reichelt weiter: „Der zweitgrößte Unterschied ist, dass 2006 die ganze Welt begeistert war von dem, worauf wir Deutschen stolz sind. Von unserem Organisationstalent, von unserer Effizienz, davon, wie reibungslos Dinge funktionieren. Und das funktioniert bei dieser EM einfach gar nicht mehr. Es ist die New York Times, die vermutlich berühmteste Zeitung und Medienmarke der Welt, die eben schreibt: Vergesst alles, was ihr über deutsche Effizienz je gehört und geglaubt habt. Sie rechnet einfach einmal komplett ab. Mit der deutschen Organisation vor den Stadien, mit dem Transport zu den Stadien, mit den S-Bahnen, die manchmal kommen, oder manchmal auch nicht kommen, die manchmal in dem Abschnitt halten, wo sie halten sollen, manchmal aber auch nicht, die manchmal in umgekehrter Wagenreihung abfahren, die manchmal auch gar nicht fahren. Stattdessen gibt es dann nicht die S-Bahn, sondern die ICEs. Schienenersatzverkehr. Schon allein das Wort ist eine Zumutung für Menschen, die in Deutschland zu Gast sind.“
Im deutschen Bahn-Chaos muss es für ausländische Fans schwierig sein, sich zurechtzufinden, so Reichelt: „Man muss sich vorstellen, der Portugiese liest da auf einmal Schienenersatzverkehr und muss dann versuchen herauszufinden, was das wohl ist. Dann kommt der Schienenersatzverkehr aber auch gar nicht. Also wenn er es dann geschafft hat, sich das per Google-Translator oder vielleicht auch mit einem Lexikon zu übersetzen. Wenn dann herausfindet, was das bedeuten könnte, stellt er fest: Der existiert aber nicht, der Bus kommt gar nicht.“
Reichelt weiter: „Dieser New York Times Artikel beschäftigt sich mit dem Zugang zu den Stadien, mit den riesigen Schlangen, die sich da bilden, weil die Zuweisung, Zuordnung, Zuteilung, wo muss ich eigentlich hin? Nicht richtig funktioniert, sodass sich an den Eingängen riesige Schlangen bilden. Rollstuhlfahrer schildern, wie es ihnen nahezu unmöglich war, ins Stadion reinzukommen. Menschen schildern, wie die Züge in den Tunneln in München stehen geblieben sind und dann da einfach stehen geblieben sind. Wenn man das liest, muss man immer wieder sagen, was für ein Meisterwerk die WM 2006 war, organisatorisch und wie Deutschland in dieser Zeit eben einfach auf einem Wachstums- und aufsteigenden Pfad war. Das war quasi der Höhepunkt in so vielerlei Hinsicht. Währenddessen steht im Moment die Organisation bei dieser EM tatsächlich für ein Zeitalter des Niedergangs.“

Die renommierte New York Times über das Bahn-Chaos in Deutschland
„Das Endergebnis ist einfach ein Desaster.“
Schuler analysiert: „Wir erkennen hier, dass die beste minutiöse Planung einfach vom schwächsten Glied abhängt. Und wenn die Bahn nicht fährt, dann kannst du nuch so toll planen. Du kannst Apps einrichten, du kannst alles machen, du stehst in deinem Hotel und verlässt dich darauf, dass die einzelnen Glieder funktionieren. Und es funktioniert eben nicht mehr. Damit bist du dann raus. Das Endergebnis ist einfach ein Desaster.“
Reichelt stellt fest: „Mit der Fußball-EM haben wir es geschafft, die desaströse Verspätungsstatistik der Deutschen Bahn, die international bisher vermutlich glücklicherweise nur Kennern der Materie bekannt war, jetzt einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen. Die New York Times erlässt sich in diesem Artikel in anderthalb Seiten über die Verspätungsstatistik der Deutschen Bahn, darüber, dass sie auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren ist. Was es für eine nationale Schande ist, dass 33 Prozent der Fernzüge nicht pünktlich kommen. Und so weiter und so fort. Also das, was wir bisher national bemängelt haben, aber gehofft haben, dass es vielleicht nicht allzu viele merken. Gratulation, Europameisterschaft. Die ganze Welt weiß es jetzt.“

Auf die Kommastelle genau – zumindest die Verspätungsstatistik der Bahn funktioniert präzise
Schuler erwähnt süffisant die positiven Aspekte: „Aber das funktioniert immerhin präzise. Das muss man auch mal loben. Man muss auch das Positive sehen, also die Ausfallstatistik der Bahn, die läuft prima. Auf die Kommastelle genau weißt du, wie viele Züge zu spät gekommen sind? Es sind so viele, dass es irgendwann im 70 Prozent Bereich liegt. Da freut man sich dann, auch bei der New York Times, dass man da ganz präzise das eigene Versagen auch noch aufgedröselt und analysiert bekommt. Man ändert es nicht, das ist jetzt klar. Das haben wir seit Jahren. Jeder Verkehrsminister gelobt regelmäßig Besserung. Passiert ist dann aber nichts. Aber insofern schöne Kontinuität und sehr präzise Fehleranalyse.“
„Man glaubt das alles nicht mehr, was man da sieht.“
Das ZDF blamiert sich erneut, so Purrucker: „Gestern im ZDF – Sportmoderator Jochen Breyer blamierte sich im EM-Studio, nachdem ein Experte dies hier gesagt hat: ‚Spielermaterial, weil ihr beide den Begriff öfter verwendet. Ich weiß, das wird bei einigen Fans zu Hause kritisch gesehen, weil Menschen kein Material sind. Vielleicht sagen wir einfach in Zukunft Kader oder das Spielerpotenzial.‘“

Er blamierte sich live im Fernsehen – ZDF-Sportmoderator Jochen Breyer
Reichelt kommentiert daraufhin: „Das Beste ist halt die Reaktion von Cramer und Mertesacker. Das versteht niemand mehr. Wir zahlen 10 Milliarden Euro Gebühren dafür, dass diese Leute dann sagen: Da könnte sich draußen jemand verletzt fühlen, gekränkt fühlen von einem Begriff, der auch nichts Abfälliges bedeutet. Spielermaterial heißt ja nicht, dass diese Menschen irgendwie in Schützengräben verheizt werden. Das ist der normalste Begriff. Und dann kommt das ZDF und sagt: Wir wissen, dass da draußen einige Zuschauer sind, die sich hier verletzt fühlen. Deswegen möchten wir euch bitten, diesen Begriff nicht mehr zu verwenden, man glaubt das alles nicht mehr, was man da sieht.“
Falls Sie die Sendung verpasst haben – hier gibt es NIUS LIVE in voller Länge!
NIUS LIVE – jeden Montag bis Freitag von 8 bis 9 Uhr live auf YouTube!
Mehr NIUS:
Radiosender für „Diversität, Gesellschaft, Popkultur”: Jetzt tobt die Linke über das „Cosmo”-Aus
Potsdam räumt neue Hausbesetzung nach wenigen Tagen – aber duldet linkes Hausprojekt seit fast 18 Jahren
Weil er Pfandflaschen für 58,25 Euro sammelte: Rentner aus Hamburg wurde Grundsicherung gekürzt
„Ich muss Fahrtwind haben“: Bärbel Bas fährt mit dem Motorrad in Schlangenlinien durch den Stau
Ist der Begriff „Zigeuner“ diskriminierend?
Antisemit der Woche: SPD-Politiker Adis Ahmetović wirft Israel „Ermordung von über 80.000 Menschen” in Gaza vor
Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Mehr NIUS:
„Ich muss Fahrtwind haben“: Bärbel Bas fährt mit dem Motorrad in Schlangenlinien durch den Stau
Ist der Begriff „Zigeuner“ diskriminierend?
Antisemit der Woche: SPD-Politiker Adis Ahmetović wirft Israel „Ermordung von über 80.000 Menschen” in Gaza vor
Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare