Deutsches Debakel bei Leichtathletik-WM kein Wunder: Wir leben in einem Land, in dem sich Leistung nicht mehr lohnt
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Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft hat Deutschland keine einzige Medaille gewonnen. Eine solche Pleite hat es noch nie gegeben. Aber wer Deutschland unter die Lupe nimmt, wird nicht überrascht sein. Das sportliche Debakel ist nur Symptom in einem Land, in dem Leistung nicht mehr zählt.

Speerwerfer Julian Weber war einer der großen deutschen Medaillenhoffnungen. Es langte für ihn aber wieder nur zum vierten Platz. Das deutsche Team blieb ohne Medaille bei der Leichtathletik WM in Budapest. Das gab es bisher noch nie.
Deutschland, das Land der Dichter und Denker? Schon lange nicht mehr. Zuverlässigkeit? Nein. Einfach nein. Ingenieure? Vielleicht gerade noch so. Aber die verzweifeln auch schon daran, dass wir mehr regulieren als möglich machen.
Was ist nur in diesem Land los, das man das Gefühl hat: Es geht nichts mehr vorwärts. Wohin man auch schaut, entweder träge Blicke oder satte Bäuche. Niemand mehr, der wirklich Weltklasse verkörpert. Um den uns der ganze Globus beneidet.
Mittelmaß statt Kampfgeist
Egal ob Politik, Sport, Wirtschaft oder Wissenschaft: Wer in Deutschland Mittelmaß verkörpert, gehört schon zu den Erfolgreichen. Wir sind ein Land geworden, in dem keiner mehr ein Risiko eingehen will, weil sich der Erfolg auch gar nicht lohnen würde. Leistung lohnt sich in diesem Land nicht mehr.
Ich glaube, das hat einen Grund: Den Deutschen ist ihr Kampfgeist abhanden gekommen. Der Wille, etwas aufzubauen. Wirklich der Beste zu sein. Oder zu werden. Wir achten in unserer Gesellschaft mehr darauf, die Schwachen mitzuziehen, als die Starken zu fördern. Mit dieser Mentalität werden wir in diesem Land keine bahnbrechenden Erfindungen mehr erleben.
Die Tugend Talent – wo ist sie geblieben?
Ein guter Indikator ist immer der Sport. In unserer Jugend ist Wettbewerb der entscheidende Trieb, herauszustechen. Weiter werfen. Schneller rennen. Mehr Tore machen als alle anderen. Sehen und spüren: Ich bin besser, weil ich das kann. Und merken: Wer an sich arbeitet, wird belohnt, wenn er das Talent besitzt.
Die Realität ist: Im Jugendfußball wird das Tore-Zählen abgeschafft. Bloß kein Leistungsdruck! Bei den Bundesjugendspielen gibt’s bald dieselbe Urkunde für alle. Wie bei Olympia: Dabei sein ist alles. Nur halt ohne olympischen Geist, sondern mit einer Generation der Gleichgemachten.

Sein unbedingter Siegeswille machte Boris Becker unsterblich. Am 07. Juli 1985 gewann er als jüngster Spieler aller Zeiten das Tennisturnier in Wimbledon.
Individualität ist nicht mehr gefragt. Glauben Sie, Boris Becker hätte auch nur einen Fuß auf den heiligen Rasen von Wimbledon gesetzt, wenn sein Tennis-Trainer ihm gesagt hätte: Bobbel, streng dich nicht so an, wir zählen hier eh keine Punkte! Oder wenn Bastian Schweinsteiger, der sich im Final-Fight gegen Messi 2014 mit Blut im Gesicht zum Weltmeister kämpfte, die Ansage bekommen hätte: Mensch Basti, opfer dich nicht so auf, wir sind doch alle Weltmeister, wenn wir nur wollen!

Bastian Schweinsteiger ließ sich auch durch eine klaffende, blutende Wunde im Gesicht nicht aufhalten. Durch seinen Kampfgeist trug er Deutschland zum WM Titel.
Das Erkennen und Fördern von Talenten ist nicht mehr gefragt in diesem Land. Das ist eine düstere Prognose. Im besten Fall ist das eine Phase. Im schlechtesten unsere Zukunft.
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