„Es fühlte sich an, als sei ein Teil unseres Landes an diesem Strand gestorben“
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Lily Brett wurde 1946 in Feldafing bei München geboren. Ihre Eltern waren KZ-Überlebende, unter anderem von Auschwitz. Zwei Jahre später emigrierte die jüdische Familie nach Australien – ihr Leben begann neu. Sie lebt heute in New York. In der Süddeutschen Zeitung schreibt die Schriftstellerin über den Terroranschlag von Bondi Beach.
NIUS zitiert bewegende Passagen:
„Als ich in Australien ankam, war ich noch nicht einmal zwei Jahre alt. Meine Eltern und ich waren jüdische Flüchtlinge. Wenn mein Vater von seinen doppelten Arbeitsschichten in der Fabrik heimkam, sagte er immer: Dieses Land ist ein Paradies. Wir fühlten uns frei in Australien. So frei wie meine Eltern, vor allem meine Mutter, sich fühlen konnte. Australien, da war ich mir sicher, würde uns beschützen. Die Schüsse in Bondi und der Tod und die Verletzungen so vieler jüdischer Menschen haben dieser Fantasie ein Ende bereitet.“
„Als ich von den Schüssen hörte, wurde mir übel“
„Rund 1000 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde feierten am Bondi Beach die erste Nacht von Chanukka, als das Attentat begann. 1000 Juden waren da, drei Polizisten. Ich hätte es ahnen müssen, nachdem sich am 9. Oktober 2023 eine Menschenmenge vor dem Opernhaus von Sydney versammelt und vergast die Juden skandiert hatte. Als ich die Nachricht von den Schüssen in Bondi hörte, wurde mir übel. Ich zitterte. Ich konnte nicht glauben, dass das Land, das ich für das Paradies gehalten hatte, eine Gruppe von 1000 jüdischen Müttern, Vätern, Kindern nicht beschützt hatte. Meine nichtjüdischen australischen Freunde schrieben mir: Es fühlte sich an, als sei ein Teil unseres Landes an diesem Strand gestorben, neben der Leiche des Mannes, der den Holocaust überlebt hatte, und dem zehnjährigen Mädchen, das bei der Feier so viel Spaß gehabt hatte.“

Blumen und Kerzen am Tatort.
„Die Menschen warteten drei bis sechs Stunden, um Blut zu spenden“
„Ich war so erschüttert. Es war ein wunderschöner Sommerabend. Ich weiß, Antisemitismus ist ein allgegenwärtiges Übel. Ich glaube, das ganze Land steht unter Schock. Ich habe gerade gehört, dass in Sydney an einem normalen Montag etwa 5000 Blutspenden eingehen. Am Montag nach den Schüssen meldeten sich bis zur Mittagszeit 20.000 Spender. Es gab Warteschlangen, die sich um ganze Häuserblocks wanden, und die Menschen warteten drei bis sechs Stunden, um Blut zu spenden.“
„Sie haben einer ganzen Nation eine Wunde beigebracht“
„Der Tag des Massakers war einer der schlimmsten in der australischen Geschichte. Die Schützen haben unserer ganzen Nation eine Wunde beigebracht, genau, wie sie es geplant hatten. Ich finde es beschämend, dass sie nicht besser geschützt waren. Ich bin froh, dass meine Eltern diese tödlichen Schüsse weder miterlebt noch davon erfahren haben. Mir ist immer noch übel. Übel bei dem Gedanken, dass Juden immer noch ermordet werden, nur weil sie Juden sind.“
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