Eskalierender Bandenkrieg in Stuttgart: Zwei multiethnische Gangs bekriegen sich bis aufs Blut
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Seit Monaten spitzt sich im Großraum Stuttgart ein Bandenkrieg zu. Ermittler sprechen von einer neuen Dimension der Gewalt. Ein Ende des Machtkampfes ist nicht in Sicht.
Die Mitglieder der Banden seien größtenteils zwischen 19 und 26 Jahren alt, männlich und hätten fast ausschließlich Migrationshintergrund, berichtet David Fritsch, Sprecher des Landeskriminalamts in Baden-Württemberg, in der Welt am Sonntag. Dabei hätten sich „multiethnische Strukturen“ etabliert. „Wir haben bei den Tatverdächtigen alle Nationalitäten von A bis Z.“
Es sei zwar eine kurdische Prägung vorhanden, heißt es von Seiten der Polizei – diese sei aber nicht identitätsstiftend. Die Beamten schätzen die Größe der Banden auf rund 550 Mitglieder. Eine Bande habe ihren Schwerpunkt in Esslingen sowie Unterstützer in Ludwigsburg und Plochingen. Die andere Gruppe sei vor allem in Stuttgart-Zuffenhausen ansässig und in Göppingen. Laut der Welt am Sonntag ermitteln derzeit 60 Beamte des LKA in Baden-Württemberg gegen die Mitglieder der Banden. Dabei kam es bereits zu 50 Festnahmen und zahlreichen Razzien. Ein Ende der Gewalt ist trotzdem nicht in Sicht.

Auf eine Trauerfeier in Altbach fliegt im Juni 2023 eine Handgranate.
Auf eine Trauergemeinde fliegt eine Handgranate
Immer wieder kam es in den vergangenen Monaten zu Messerstechereien und Schusswechseln. Der vorläufige Höhepunkt: Im Juni 2023 fliegt bei einer Beerdigung eines jungen Kenianers eine Handgranate auf die rund 400 Personen umfassende Trauergemeinde. 15 Menschen werden auf dem Friedhof von Altbach schwer verletzt. Am Stuttgarter Landgericht begann im Dezember ein Prozess gegen fünf Männer, die sich nun wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen.
Sehen Sie hier ein NIUS Original: Bandenkrieg im Schwabenländle.
Im vergangenen Jahr kam es sogar zu einem „Drive-By-Shooting“, was man eigentlich nur aus der US-amerikanischen Gangkriminalität kennt. Ein mutmaßliches Bandenmitglied schoss in Plochingen aus einem fahrenden Auto auf eine Shishabar. Der 34-jährige Wirt überlebte und wurde nur leicht verletzt. „Die Täter versuchen durch diese exzessiven Taten, ihre Stellung in diesen Gruppen zu festigen oder überhaupt erst zu erreichen“, berichtet LKA-Chef Andreas Stenger. Häufig werden die Taten auch in Rapsongs glorifiziert.

Schon im Juni 2020 kam es zu einem Ausbruch der Gewalt in Stuttgart.
Schon im Juni 2020 geriet die baden-württembergische Landeshauptstadt in die Schlagzeilen, nachdem Hunderte junge Migranten Polizisten angriffen und in der Innenstadt randalierten. Die Polizei sprach anschließend von der „Party- und Eventszene“. Zudem kam es im vergangenen Jahr auf einem Eritrea-Festival zu massiver Gewalt. Bis zu 200 Personen griffen Polizisten mit Steinen, Flaschen und Holzlatten an und gingen aufeinander los.
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