Felix Magath bei Waldi über Disziplin: „Man hat mittlerweile das Gefühl, dass Arbeiten was Unanständiges ist“
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- Felix Magath ist einer der erfolgreichsten deutschen Fußballtrainer. Als erster Trainer der Bundesliga gewann er mit einem Verein zweimal hintereinander das Double (Meisterschaft und DFB-Pokal).
- Seinen Karriere-Höhepunkt als Spieler hatte er in Hamburg beim HSV. Zehn Jahre, von 1976 bis 1986, spielte er an der Elbe, gewann drei deutsche Meisterschaften und wurde zweimal Europapokalsieger.
- Seinen Spitznamen „Quälix“ begreift er als Auszeichnung. Körperliche Fitness, Ordnung und Disziplin sind für ihn immer noch die Voraussetzung, um im Profi-Fußball Erfolg zu haben.
Gemeinsam mit Waldi Hartmann spricht Felix Magath über die junge Laptop-Trainergarde der Bundesliga, die Politisierung des Sports und erklärt, warum die Gesellschaft vom Wettbewerb lebt.
Seit der Ära Magath hat sich viel verändert in diesem Land. Insbesondere im Sport zählt oft nicht mehr das Auge des Trainers, sondern der Datentracker und Laptop am Spielfeldrand. Magath sieht die Laptops auf der Trainerbank kritisch: „Eigentlich braucht man sie nicht, aber man hat in den Bundesligavereinen und beim DFB anscheinend so viel Geld, dass man noch gern bereit ist, jemanden mitzunehmen und glaubt, man kann noch eine Information mehr kriegen, um Entscheidungen zu treffen.“
Es sei aber eine gesellschaftliche Entwicklung, dass man ständig nach Daten giere. „2018 zum Beispiel, bei der Weltmeisterschaft, hat unser Bundestrainer damals extra einen auf die Tribüne gesetzt, mit dem er verbunden war, der ihm Informationen von oben geben konnte. Ja, es hat dann letztendlich dazu geführt, dass wir in der Vorrunde ausgeschieden sind.“
Das ganze Interview mit Felix Magath hier anschauen:
Man muss nicht die Daten, sondern den Spieler beobachten
Magath kritisiert vor allem, dass Daten nie die Gefühlslage eines Sportlers erkennen werden: „Wie ist er denn drauf? Denn ein Mensch ist halt nie gleich und ein Mensch ändert sich auch während eines Spiels, egal wie die Partie oder je nachdem wie die Partie läuft. Wenn sie besser läuft, wenn er gute Aktionen hat, dann wird er selbstbewusst. Dann wird er sicher. Umgekehrt, wenn er ein, zwei Fehler drin hat, dann wird er unsicher. Und somit helfen aus meiner Sicht diese Daten vielleicht im Nachhinein, um zu analysieren, aber nicht während des Spiels.“

Ordnung, Disziplin und Fitness entscheidend für Erfolg
Zu seinen Trainer-Zeiten stand Magath oft in der Kritik – gefürchtet waren etwa seine Medizinball-Übungen. „Ich habe immer klar und deutlich gesagt, wie ich meine Arbeit verstehe. Ich habe gesagt, Ordnung, Disziplin und körperliche Fitness sind Voraussetzungen dafür, um im Fußball Erfolg zu haben“, erklärt Magath seine Philosophie für den Erfolg beim FC Bayern München. „Und weil ich das eben auch immer vor mir hergetragen habe, hat man mich damals geholt. Und als man dann nach zwei Jahren zweimal wieder Meister und Pokalsieger war, dann hat man gemeint, jetzt ist vielleicht mehr Disziplin doch genug.“ Spieler seien heute bequem und wollen nicht unbedingt freiwillig mehr arbeiten. „Man hat ja mittlerweile das Gefühl, dass Arbeiten was Unanständiges ist. Keiner will mehr Arbeit.“

Faesers Regenbogen-Armbinde hat nichts mit Sport zu tun
Magath stört sich daran, dass Fußballspiele inzwischen politisch missbraucht würden – etwa mit Regenbogen-Statements von Faeser in Katar. Man fahre doch zu so einem Turnier, um sportlich zu beeindrucken und nicht immer nur damit, indem wir Zeichen setzen für „Weiß was Gott“. Damit nehme man die Konzentration von den Spielern. „Und von da war es dann kein Wunder, dass die sportliche Ausbeute schon mit Ende der Vorrunde bei dieser Fußballweltmeisterschaft im Grunde eine Katastrophe war.“

Nagelsmann muss als junger Trainer noch viel lernen
Julian Nagelsmann ist besonders jung in die Rolle des Nationaltrainers gerutscht. „Trainer ist ein Beruf, wo man Erfahrung braucht, weil sich eben die Situation ja ständig ändert. Und wenn man eben Erfahrung hat mit verschiedenen Situationen, dann kann man das noch leichter lesen und leichter händeln“, beschreibt Magath die neue Rolle von Nagelsmann, „insofern glaube ich schon, dass ein junger Trainer eben auch am Anfang lernen muss, die Dinge richtig einzuschätzen und dass er sich dann auch mit der Mannschaft entwickelt. Und insofern denke ich auch, dass unser Bundestrainer sich jetzt entwickelt mit dieser Mannschaft.“
Magath ist sich sicher, dass man die Zeit bis zur Weltmeisterschaft sinnvoll nutzen werde.
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