Frauen links, Männer rechts: Geschlechterunterschiede im Wahlverhalten so groß wie noch nie
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- Eine neue Studie unterstreicht, dass Frauen häufiger links wählen als Männer.
- Es ist der größte „Gendergap“ seit der Nachkriegszeit.
- Ähnliche Ergebnisse gibt es in den USA und der Schweiz.
Frauen wählen eher links, Männer eher rechts. Was sich viele bereits gedacht haben, wird nun abermals durch eine aktuelle Studie der Universität Köln belegt. Dabei zeigt sich: Nie war der Geschlechterunterschied bei Wahlen in der Bundesrepublik größer als jetzt.
So zeigt die Auswertung des Soziologen Ansgar Hudde unter anderem, dass vor allem die Grünen, aber auch SPD und Linkspartei, bei der letzten Bundestagswahl wesentlich beliebter bei jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren waren als bei Männern in dieser Altersgruppe. Bei den Männern waren die AfD und vor allem die FDP deutlich beliebter als bei den Frauen. „Seit 1953 gab es in der Bundesrepublik noch nie so große Geschlechterunterschiede bei Wahlen wie 2021 in dieser Altersgruppe“, erklärt Hudde. Die einzige Partei, die noch eine relativ ausgeglichene Wählerschaft unter jungen Leuten vorweise, sei die CDU.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser von der SPD. Frauen wählen ihre Partei häufiger als Männer.
Für seine Untersuchung griff der Soziologe auf Daten zurück, die der Bundeswahlleiter in ausgewählten Wahllokalen zusammen mit der Stimmabgabe erhebt. Diese Informationen hätten deutlich mehr Aussagekraft als zum Beispiel herkömmliche Umfragen. 1,9 Millionen solcher Angaben zu Geschlecht und Alter lagen laut Hudde für die vergangene Bundestagswahl vor. Insgesamt gab es 61,2 Millionen abgegebene Stimmzettel.
Geschlechterunterschiede im Wahlverhalten zeigen sich in Deutschland später als in anderen Ländern
Was sich ebenfalls anhand der Auswertung der Studie von Hudde zeigt: Deutschland hinkt anderen Ländern beim wahlspezifischen Gendergap deutlich hinterher. Zeigten sich diese Tendenzen im unterschiedlichen Wahlverhalten von Männern und Frauen in anderen OECD-Ländern bereits in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrtausends, kam der moderne Geschlechterunterschied im Wahlverhalten in Deutschland erst 2017 so richtig zum Tragen. Dafür vollzog sich der Wandel in Deutschland umso schneller. Von 2013 bis 2021 ist der Gap von null auf den höchsten Wert der Nachkriegszeit gestiegen.
Für den Sozialwissenschaftler liegt eine Erklärung in der AfD. So sei die Partei zwischen 2013 und 2017 der größte einzelne Treiber hinter der Ausprägung des modernen „Gendergaps“ gewesen. Dies hätte sich zwischen 2017 und 2021 zwar etwas geändert - die AfD wird seitdem auch von mehr Frauen gewählt, dennoch wird die Partei immer noch wesentlich häufiger von Männern gewählt (13 zu 7,8 Prozent).
Gekränkte junge Männer als Problem
Der Politologe und Kriminologe Jannik Fischer, der zu Männlichkeit in Verbindung mit rechtsextremen Einstellungen forscht, sieht den Erfolg der AfD bei Männern vor allem darin begründet, dass diese durch politische Ereignisse wie die Zuwanderung oder den Zuwachs von Frauen auf dem Arbeitsmarkt eine „Krise der Männlichkeit“ suggerieren würde. Ein solches Opfernarrativ erhöhe demnach die Wahrscheinlichkeit für eine Radikalisierung. Umso wichtiger sei es, dass sich die anderen Parteien darum bemühen, „gekränkte junge Männer anzusprechen“, so Fischer gegenüber der FAZ.
Videos wie das des AfD-Politikers Maximilian Krah mögen für Spott in den sozialen Netzwerken sorgen, aber es hätte exakt diese jungen Männer als Zielgruppe, die von anderen Parteien oftmals außen vor gelassen werden.
Aber auch Parteien wie die FDP, die in ihrer Ausrichtung auf Modernisierung und Wandel setzen, schneiden bei Männern besser ab als bei Frauen. Gründe hierfür seien auch langfristige Trends wie die sinkende Bedeutung von Religion für Frauen und damit die Bindung an konservative Parteien als auch die Tatsache, dass immer mehr Frauen einer Arbeit nachgehen - und das oft in Berufen, die man dem urbanen linksliberalen Milieu zuordnen würde.
Ähnliche Ergebnisse in der Schweiz und den USA
In der Schweiz lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten. So ergab eine Studie der NZZ aus dem Mai, dass sich 52 Prozent der Frauen in unserem Nachbarland als links der Mitte einschätzen. Bei den Männer waren es hingegen nur 35 Prozent. Auch hier ist ein sprunghafter Anstieg zu erkennen. Vor etwas mehr als zehn Jahren waren es noch rund 35 Prozent der Frauen. Macht einen Anstieg von 17 Prozente. Zugleich schätzen sich heute 43 Prozent der schweizer Männer als rechts der Mitte ein. Vor 10 Jahren waren es noch 29 Prozent.
Die Ergebnisse aus Deutschland und der Schweiz decken sich auch mit einer Studie aus den USA. Hier zeigt sich zudem, dass der Trend bei den Amerikanern bereits in der High School erkennbar ist. Demnach würden sich männliche Highschool-Schüler fast doppelt so häufig als konservativ bezeichnen wie gleichaltrige Mädchen. Auch hier sehen die Forscher die Ursache in einem gesellschaftlichen Trend, der weiße Männer zum Grundproblem erklärt hat. Alles drehe sich um das Vorankommen von Frauen und Minderheiten. Dies würde junge Männer letztlich vom Linksliberalismus abbringen.
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