Kaum einer vertraut noch dem Staat: Was ist los mit diesem Land?
Die deutsche Außenministerin kann nicht fliegen, die Bahn kommt nicht und in der Hauptstadt funktioniert gleich gar nichts mehr... Es kann nicht wirklich erstaunen, wenn nach einer aktuellen Forsa-Studie für den Deutschen Beamtenbund (dbb) 69 Prozent der Deutschen angeben, dass sie dem Staat nicht mehr vertrauen. Warum auch? Ganze 27 Prozent trauen dem Staat noch zu, die Probleme und Aufgaben zu lösen. Dabei ist die gescheiterte Dienstreise der Außenministerin eher eine Lappalie und betrifft die wenigsten Normalverbraucher.
Man mag einwenden, dass Selbstmitleid und Larmoyanz traditionell zum schmaler werdenden Kreis deutscher Tugenden gehören. Fakt ist allerdings, dass sich Deutschland jede Woche aufs Neue irgendwo blamiert. Dass die Züge nicht fahren, verspätet oder nicht klimatisiert sind, die Schweiz deutsche Bahnen kaum noch durchfahren lässt, weil sie den Fahrplan stören und ein ukrainischer Journalist sich – leider zu Recht – darüber lustig macht, dass man mit der Bahn mitten im Krieg pünklicher in Kiew ankommt als in Köln, ist keine Real-Satire, es ist nur real.
Berlin machts vor
Dass man in Berlin keinen Termin beim Bürgeramt bekommt, aber pünktlich eine Mahnung, wenn man sich nicht rechtzeitig umgemeldet hat, wäre lustig, wenn es mal eine Ausnahme wäre. Dass der Bau des Berliner Hauptstadtflughafens vierzehn statt der geplanten drei Jahre bis zur Fertigstellung braucht und die Kosten in die Milliarden gehen, ist am Ende zu einem Runnig Gag geworden, weil der angebrachte Ärger irgendwann aus-empört war und die Folgenlosigkeit der Kritik irgendwann einfach hingenommen wurde.

Flughafen BER in Berlin
Dass Deutschland aus der Kernkraft aussteigt, stattdessen Gas zur Überbrückung nutzen und den Rest Europas drängen will, das fossile Gas als „grünen“ Energieträger in die so genannten Taxonomien zu schreiben, die CO2-freie Atomenergie aber als schmutzig klassifiziert werden soll, haben die anderen EU-Länder, aus denen wir unter anderem jetzt Atomstrom importieren, nicht als Witz verstanden. Und dass bei uns jetzt Klima-eifernde Grüne Kohlekraftwerke zum Ersatz der Atommeiler anwerfen, versteht ohnehin niemand mehr.
Darüber lacht die Welt
Wir wollen China markige Ansagen zum Thema Menschenrechte und Demokratie machen und unabhängig von Peking werden – und verkaufen gleichzeitig Teile der Hamburger Hafen-Infrastruktur an China, weil wir die nötige Modernisierung allein nicht stemmen können. Wir wollen auf E-Autos umstellen, wo China mit niedrigen Preisen im Vorteil ist, während unsere Autoindustrie ihre E-Modelle immer weniger absetzen kann und Kurzarbeit einführen muss.
Andere Länder drehen nach schlechten Erfahrungen mit Übergriffen ihre Trans-Gesetze zurück, die Deutschen wollen erst einmal mit Schwung einsteigen in das Eintragen des Wunschgeschlechts in Pass und Ausweis. Wir können uns selbst nicht mehr verteidigen, verkaufen jetzt aber Kriegsgerät in großem Stil an die Ukraine und haben für die eigenen Gewehre und Geschütze keine Munition, was den Wert einer Waffe doch etwas schmälert. Wen wundert's also, wenn die Welt über uns lacht?
Deutschland weiß was wichtig ist
Während die eigene Infrastruktur, auf die sehr viele ganz normale Menschen angewiesen sind, mehr und mehr verfällt, wirbt die Bundesaußenministerin für „feministische Außenpolitik“, weil Deutschland mal wieder viel besser weiß, was auf der Welt wichtig ist. Wir geben auch Kunstschätze an afrikanische Länder zurück und sind enttäuscht, wenn diese alsbald im Privatbesitz von Stammeskönigen landen.
Wir geben unseren Geheimdiensten so tugendhafte Regeln für die ganze Welt, dass sie auch im Ausland kaum noch abhören können, wundern uns aber, wenn die Dienste dann vom Chaos in Kabul, dem Putsch in Niger oder dem Privatkrieg der Wagner-Krieger in Russland nicht rechtzeitig informiert sind.

Außenministerin Baerbock
Die Migrationswelle von 2015 hat die AfD erst richtig stark gemacht, und wenn jetzt wieder Flüchtlingsnotstand in den Kommunen herrscht, rätseln Politiker öffentlich, wie wohl die AfD auf zwanzig Prozent kommt. Der Bundespräsident mahnt und warnt, die Bundesregierung will mehr Wärmepumpen, und der selbst mit verteuerte Strom soll für die Industrie wieder herunter subventioniert werden.
Dokumentierter Systemverdruss
Kurz: Wer sich bei diesem Politik-Panorama wundert, dass viele Leute dem Staat nicht mehr vertrauen, muss in einer anderen Welt leben. Nun muss es grundsätzlich nichts schlechtes sein, wenn Bürger mehr auf sich und ihre Kraft als auf den Staat vertrauen. Das Problem ist, dass die Anspruchshaltung gegenüber dem Staat in Deutschland aber trotz der Frustration nicht sinkt, sondern sich in einem diffusen Systemverdruss niederschlägt, den das Meinungsforschungsinstitut Allensbach seit Jahren in Umfragen für die FAZ dokumentiert.
Und genau das macht die aktuelle dbb-Studie so alarmierend: Viele Menschen sehen das Versagen nicht mehr als Folge konkreter Politiker oder Parteien, sondern als Systemversagen, obwohl wirkliche Alternativen weder zur Hand noch wünschenswert sind. Mit anderen Worten: Die Wertschätzung für die eigene Demokratie, für soziale Marktwirtschaft und den westlichen Werteverbund schwindet. Das kann niemand wollen. Eigentlich.
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