KI-Forscherin Ute Schmid: „Wir ziehen eine Generation emotionaler Krüppel heran“
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Ist KI ein Segen oder ein Fluch? Was macht Künstliche Intelligenz mit den Menschen? Ute Schmid, Inhaberin des Lehrstuhls für Kognitive Systeme an der Universität Bamberg, lehrt und forscht seit mehr als 30 Jahren im Bereich Künstliche Intelligenz. In der FAZ erklärt sie ihre neuesten Erkenntnisse über die Künstliche Intelligenz – und warum das so wichtig ist für uns.
NIUS zitiert wichtige Aussagen:
Was passiert im Gehirn, wenn die KI etwas für uns macht?
„Aus der Kognitionspsychologie (Teilgebiet der Psychologie, die Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Aufmerksamkeit und Sprache untersucht, d. Red.) ist bekannt, dass Lernen durch Gesagtbekommen oft weniger effizient ist als Lernen durch Selbermachen. Fahrradfahren oder Klavierspielen lerne ich nicht, indem ich mir eine Vorlesung darüber anhöre, sondern indem ich es übe. Je mehr wir aber direkt dazu übergehen, uns Texte von der KI generieren zu lassen, umso mehr verlieren wir Kompetenzen.“
Gehört KI in die Schulen?
„KI ist bereits Teil unserer Lebenswelt, in der Kinder und Jugendliche ja aufwachsen. Deswegen ist es unverzichtbar, dass Schulen Kinder und Jugendliche dazu befähigen, reflektiert und sicher mit KI-Werkzeugen umzugehen. Nur so kann man eine digitale Spaltung in der Gesellschaft verhindern. Das gilt auch für Grundschulen. Zentrale Konzepte Künstlicher Intelligenz können bereits in der Grundschule spielerisch vermittelt werden. Damit meine ich nicht, dass Kinder statt mit Papier, Stift und Knete überwiegend am Tablet arbeiten.“
Über die sozialen Auswirkungen der KI
„KI verstärkt meiner Meinung nach Effekte, die wir bereits allgemein bei digitalen Medien erleben. Digitale Angebote sind oft auf schnelle Bedürfnisbefriedigung ausgelegt, was gerade bei Kindern dazu führen kann, dass die Motivation, Dinge zu tun, verloren geht. Seit Corona erleben wir auch einen zunehmenden Rückzug von Kindern und Jugendlichen in soziale Netze. Chatbots wie ChatGPT, aber auch spezielle Anwendungen wie Character.AI werden zunehmend als Freunde-Ersatz genutzt. Ein Chatbot kann in seinen Antworten synthetische Empathie und scheinbares Verständnis zeigen. Im Gegensatz zu echten Freunden widerspricht er nicht. Hier sehe ich eine Gefahr für das soziale Miteinander.“
Was die Wissenschaftlerin vom neuen KI-Teddy hält
„Je jünger Kinder sind, desto mehr ist Lernen im sozialen Kontext relevant. Ein Elternteil, das mit einem Kind spricht, hilft dem Kind, sich die Welt über Blickkontakte und gemeinsame Aufmerksamkeit zu erschließen. Über Blickkontakt wird eine gemeinsame Aufmerksamkeit hergestellt. ‚Guck mal, da ist ein toller Bagger‘ oder ‚schau, der süße Hund‘. Dabei lernt das Kind die Sprache und wird zugleich sozial kompetent. Eltern-Kind-Bindung ist also für die emotionale und die kognitive Entwicklung von Kindern meiner Meinung nach von zentraler Bedeutung. Ein KI-Teddy, der starr geradeaus schaut und keine Miene verzieht, kann das nicht leisten. Ich habe wirklich Angst, dass wir eine Generation von emotionalen Krüppeln heranziehen.“
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