Krebs-Patient Tristan ist völlig verzweifelt: Die Krankenkasse zahlt mein 7500-Euro-Medikament nicht mehr!
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Der Alptraum begann für Tristan Balzert (41) vor zwei Jahren. Erst relativ unauffällig, mit leichten Schmerzen im Nacken: „Irgendwann wurden die Schmerzen immer schlimmer“, erinnert er sich. Die Ärzte vermuteten erst einen Bandscheibenvorfall. Doch es war Krebs.
Beim Röntgen im Krankenhaus wurde zunächst ein Genickbruch festgestellt. Ausgelöst durch ein multiples Myelom – eine Blutkrebs-Erkrankung, umgangssprachlich auch „Knochenmarkkrebs“ genannt.
Man geht bei dieser Krebsform von veränderten Plasmazellen im Knochenmark aus. Diese bilden Krankheitsherde im Knochenmark, die weißen Blutkörperchen greifen den Körper von innen heraus an. In seinem Fall betraf es den sechsten Halswirbel. Dieser brach durch den Krebsbefall in sich zusammen. „Ich wusste nicht, wie mir geschieht“, sagt der gelernte Lebensmittelrechniker.

Bestrahlung alleine reichte bei Christian nicht mehr aus.
Seitdem ist Tristan Balzert in Behandlung. Von der Bestrahlungs- bis zur Hochdosis-Therapie musste er viele Behandlungen über sich ergehen lassen, um den Krebs zurückzudrängen. Ganz besiegen wird er ihn nie, denn die Heilung eines multiplen Myeloms gilt in der Medizin als extrem unwahrscheinlich.

Tristan Balzert (41) hält das Medikament Lenalidomid in der Hand. Kosten: 7500 Euro.
Zurück gekämpft ins Leben
Inzwischen hat Balzert sich so weit ins Leben zurück gekämpft, dass er heute nur noch auf einen Rollator angewiesen ist. Seit April befindet er sich in einer Erhaltungstherapie. Das bedeutet, dass durch ein bestimmtes Medikament der Krebs weitestgehend zurückgehalten wird. Dafür muss der Saarländer ein Medikament mit dem Wirkstoff Lenalidomid einnehmen.
Anfangs bekam er eine bestimmte Variante des Medikaments verabreicht, die bei ihm jedoch extremen Durchfall verursachte. Die Nebenwirkungen waren unerträglich. Daraufhin entschied sich die Ärztin, das Medikament Lenalidomid in der Variante der ursprünglichen Hersteller-Firma „Celgene Revlimid“ zu verordnen. Balzert: „Das habe ich dann zum Glück gut vertragen“.
Eigentlich wäre alles gut.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für das Medikament nicht mehr.
Das passende Medikament: 7500 Euro monatliche Kosten
Doch vor wenigen Wochen dann der Schock. Balzert erhielt von seiner Apotheke einen Anruf. „Mir wurde mitgeteilt, dass mir das Medikament nicht mehr bezahlt wird“, erinnert er sich. Ein weiterer Anruf bei seiner Krankenkasse brachte dann die endgültige Gewissheit. Das Medikament wird nicht mehr übernommen.
Die Konsequenz: Balzert muss die monatlichen Kosten in Höhe von 7500 Euro aus eigener Tasche bezahlen.

Das Medikament Revlimid Lenalidomid ist das einzige, das Tristan Balzert verträgt.
Der Gemeinsame Bundesausschuss entschied: zu teuer
Der Grund für die plötzliche Einstellung der Zahlung: Ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Hierbei handelt es sich um das höchste Gremium im Gesundheitswesen in Deutschland. Es entscheidet, welche Leistungen von der Gesetzlichen Krankenkasse gezahlt werden.
Auf NIUS-Anfrage teilte die Geschäftsstelle des Gemeinsamen Bundesausschusses mit, dass im Februar 2023 eine Neubildung einer Festbetragsgruppe beschlossen wurde.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Mitte des Jahres eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie beschlossen.
Der Festbetrag eines Arzneimittels legt fest, bis zu welchem Betrag die gesetzlichen Krankenkassen ein Medikament einer Wirkstoffgruppe bezahlen. Das Festbetragssystem wurde mit dem Gesundheitsreformgesetz 1988 eingeführt, um den Anstieg der Arzneimittelausgaben zu begrenzen.
Bedeutet: Das Medikament vom Originalhersteller ist den Kassen zu teuer. Es gibt eine günstigere Lenalidomid-Alternative eines anderen Herstellers, die von den Kassen bezahlt wird. Kosten: 90 Euro. Aber es ist unglücklicherweise genau diese Alternative, die bei Tristan Balzert so heftige Nebenwirkungen auslöst.

Seit seiner Erkrankung ist Balzert auf einen Rollator angewiesen. Ein Fortschritt, denn zwischenzeitig saß er im Rollstuhl.
Tristan Balzert informierte sich auch bei anderen Krankenkassen. Auch dort werden die Kosten nicht übernommen. Wenn, dann gibt es lediglich einen Zuschuss in Höhe von 500 Euro maximal. Bei einem Medikament, das 7500 Euro kostet, ist das jedoch ein verschwindend geringer Anteil.
Letzten Endes hat er jetzt nur noch die Wahl zwischen einem Leben mit Inkontinenz oder einem Abbruch der Erhaltungstherapie. Letzteres würde allerdings die schnelle, massiv zu erwartende Krebs-Rückkehr zufolge. Balzert: „Ich bin verzweifelt“.
Inzwischen hat die behandelnde Ärztin bei der Krankenkasse einen Antrag gestellt, dass das Medikament vollumfänglich bezahlt werden soll. Ob diesem Antrag stattgegeben wird, bleibt abzuwarten.
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