Lehrerin einer Gesamtschule in Kassel: „Wir haben Schüler, die einen Migrationshintergrund erfinden, um dazuzugehören“
Ein Beitrag von
Julia Wöllenstein ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Kassel und Autorin des Buches mit dem provokanten Titel: „Von Kartoffeln und Kanaken“. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht die Lehrerin über ihre Erfahrungen im Klassenzimmer und warum Integration alle überfordert.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Ich soll ihnen Englisch beibringen, obwohl manche noch nicht mal richtig Deutsch können
„Im vergangenen Jahr waren 39 unterschiedliche Staatsangehörigkeiten vertreten. Ich hatte zuletzt eine Klasse mit 15 Kindern auf Hauptschulniveau, einem kompletten Analphabeten und drei Kindern mit geistigen Einschränkungen. Und dieser Klasse sollte ich Englisch beibringen, obwohl manche noch nicht mal richtig Deutsch können. Die Frage ist doch: Wen soll ich integrieren – etwa die fünf deutschsprachigen Kinder, die in meiner Klasse sitzen? Wir haben hier deutsche Schüler, die sich einen Migrationshintergrund erfinden, um dazuzugehören.“
Über Lösungen der Migrationsprobleme in der Schule
„Das Problem wird nicht angegangen, weil das äußerst schmerzhaft für die Mehrheitsgesellschaft wäre. Man müsste die bildungsnahen und die bildungsfernen Kinder so gut mischen, dass man alle mitzieht. Aber wenn es um das eigene Kind geht, will niemand Experimente machen. Es ist schon ziemlich verlogen, wenn man einerseits Refugees welcome ruft und andererseits das eigene Kind nicht in eine Klasse mit zu vielen eingewanderten Kindern schicken will. Aber man kann Kinder ja nicht mischen wie Spielkarten. Es geht vielmehr um eine grundsätzliche Umstrukturierung unserer Städte, indem man Wohngebiete aufbricht und durch Anreize dafür sorgt, dass Menschen umziehen und sich Wohngebiete anders durchmischen. Der frühe Kontakt muss im Kindergarten beginnen.“
Welche Veränderungen helfen könnten
„Eine Unterrichtsstunde sollte maximal 60 Minuten dauern, Blockstunden von 90 Minuten sind für viele nicht zu schaffen. Kleinere Klassen, mehr Sozialarbeiter an den Schulen, auch Schulkrankenschwestern, sind absolute Erfolgskonzepte. Eine Schulpsychologin für all die traumatisierten Kinder, die zu uns kommen. Wichtig fände ich eine Öffnung der Schulen in die Stadtteile hinein: vormittags Unterricht, nachmittags nutzen die Kinder die Angebote von Musikschule, Sportvereinen, Museen und auch Betrieben, etwa um Praktika zu machen.“
Mehr NIUS:
Radiosender für „Diversität, Gesellschaft, Popkultur”: Jetzt tobt die Linke über das „Cosmo”-Aus
Potsdam räumt neue Hausbesetzung nach wenigen Tagen – aber duldet linkes Hausprojekt seit fast 18 Jahren
Weil er Pfandflaschen für 58,25 Euro sammelte: Rentner aus Hamburg wurde Grundsicherung gekürzt
„Ich muss Fahrtwind haben“: Bärbel Bas fährt mit dem Motorrad in Schlangenlinien durch den Stau
Ist der Begriff „Zigeuner“ diskriminierend?
Antisemit der Woche: SPD-Politiker Adis Ahmetović wirft Israel „Ermordung von über 80.000 Menschen” in Gaza vor
Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Mehr NIUS:
„Ich muss Fahrtwind haben“: Bärbel Bas fährt mit dem Motorrad in Schlangenlinien durch den Stau
Ist der Begriff „Zigeuner“ diskriminierend?
Antisemit der Woche: SPD-Politiker Adis Ahmetović wirft Israel „Ermordung von über 80.000 Menschen” in Gaza vor
Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare