Linguistik-Professor Meier-Vieracker aus Dresden: „Gendern ist ein Kulturkampf auf dem Schlachtfeld der Sprache“
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Er ist bekannt durch den TikTok-Kanal „Fußballlinguist“ und den Podcast „Phrasendrescher“, in dem er sich mit der Sprache der Sportberichterstattung beschäftigt: Simon Meier-Vieracker, Professor für angewandte Linguistik an der Universität Dresden. In der Welt spricht er über das Gendern als deutsches Phänomen.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Welche Zukunft das Gendern hat
„Es ist zu früh, abzuschätzen, ob Gendern sich durchsetzen kann. Ich halte es für möglich, dass das Ganze wieder zurückgehen wird. Dass man in wenigen Jahren den Gender-Stern als noch störender empfindet, als viele das heute schon tun. Es gibt ja einen ähnlichen Fall aus den Achtzigerjahren, als versucht wurde, die Großschreibung abzuschaffen. Fachzeitschriften erschienen damals durchgängig nur in Kleinschreibung, weil man davon ausging, dass dies die Zukunft sei. Das hat sich letztendlich dann doch nicht durchgesetzt. Und es könnte sein, dass das mit dem Gendern genauso sein wird.“
Droht eine sprachliche Entfremdung?
„Ich glaube, dass es oft nur an der Oberfläche um Sprache geht. Dass es sich eigentlich um einen Kulturkampf handelt, der auf dem Stellvertreter-Schlachtfeld der Sprache ausgetragen wird. Man neigt immer dazu, die eigene Zeit als besonders wild, besonders revolutionär zu empfinden. Dabei gab es schon in den achtziger Jahren genau so viel Bewegung, was geschlechtergerechte Sprache angeht. Damals wurden etwa die Beidnennung und das Binnen-I eingeführt, was für ähnliches Entsetzen gesorgt hat wie heute der Gender-Stern.“
Ist das heute Sprachverlust oder nur eine Weiterentwicklung der Sprache?
„Es gibt verwahrlostes Schreiben und Sprechen – und das gibt es natürlich auch in Social Media. Dort beobachtet man manchmal wirklich einen Verlust zivilisierter Umgangsformen. Das ist bedauerlich. Doch obwohl es sicher verkommene Arten des Schreibens und Sprechens gibt, würde ich nicht so weit gehen zu sagen: Wegen Social Media verkommt die Sprache insgesamt. Wenn wir darüber nachdenken, was in früheren Zeiten durch schriftliche Kommunikation überliefert ist, dann waren das in den meisten Fällen Druckerzeugnisse von professionell handelnden und dafür ausgebildeten Menschen. Das können wir aber kaum vergleichen mit dem, was in den sozialen Medien passiert, wo auch Menschen ohne professionelle Ausbildung und mit ganz anderen Ansprüchen schreiben. Denn heute wird alles dokumentiert und langfristig fixiert, auch das ganze Alltagsgebrabbel.“
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