Ludwigshafen: Diese Schule hat 490 Schüler – 440 haben Förderbedarf, 170 sprechen kein Deutsch
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Die Grundschule Gräfenau in Ludwigshafen sorgte bereits im letzten Jahr für bundesweites Aufsehen, als bekannt wurde, dass gleich 40 Erstklässler das Schuljahr wiederholen müssen. Der Grund: unzureichende Deutschkenntnisse von Kindern bildungsferner Schichten. Die Rektorin der Schule im Ludwigshafener Brennpunktviertel, Barbara Mächtle, schlug damals Alarm: „Die extrem hohe Zahl ist erschreckend.“
Nun stellt sich heraus: Grund für Entwarnung gibt es nicht. Vielmehr ist die Zahl der sitzengebliebenen Schüler gestiegen und hat sich auf inzwischen 44 Erstklässler erhöht. Und mehr noch: Wie die Rheinpfalz berichtet, prognostiziert die Schulleitung selbst weiterhin düstere Aussichten. Für das kommende Schuljahr 2024/25 geht Rektorin Barbara Mächtle insgesamt von 490 Schülerinnen und Schülern in den Klassenstufen 1 bis 4 aus, von denen rund 440 einen Förderbedarf in Deutsch haben und mehr als 170 Kinder in die Kategorie „nahezu ohne Deutschkenntnisse“ fallen. Heißt im Klartext: Mehr als jeder dritte Schüler an der Grundschule hat kaum oder keine Deutschkenntnisse.
Unter den Erstklässlern sehen die Zahlen ähnlich bitter aus: 142 von 148 Kinder weisen Migrationshintergrund auf. 136 wiederum haben Sprachförderbedarf, davon sind 62 Kinder unter dem Stichwort „nahezu ohne Deutschkenntnisse“ geführt.

Der Bezirk Hemshof gilt als Problembezirk.
Trotz Förderungen: „All das wird aber nicht reichen“
Dabei steht es Mächtle zufolge außer Frage, dass der Migrationshintergrund der Schüler maßgeblich für Bildungsdefizite und Sprachprobleme ursächlich ist. An der Schule wiesen 98 Prozent Migrationsgeschichte auf. Oft sprächen die Kinder schlecht Deutsch oder kämen aus bildungsfernen Familien. „Viele sagen, die Eltern sollen mal machen, aber die geben meist ihr Bestes. Ich habe Kinder, die waren zwei Jahre auf der Flucht. Da war nicht viel mit Schule“, sagte Mächtle bereits 2023. „Wer hier aufwächst, braucht nicht zwingend Deutsch zu lernen, aber in der Schule brauchen die Kinder es.“ Viele der Schüler, so die Pädagogin, besuchten zudem vor dem Schuleintritt keine Kita und kämen aus „bildungsfernen Schichten“.
Inzwischen versuche die Gräfenauschule im Ludwigshafener Stadtteil Hemshof mittels Einbindung studentischer Initiativen in den Ferien (wie beim Projekt „First-Class“), sogenannten Familiengrundschulzentren oder dem von Bund und Land initiierten Startchancenprogramm sowohl personell als auch finanziell nachzurüsten. Doch Direktorin Mächtle prognostiziert: „All das wird aber nicht reichen, um insbesondere die großen Sprachdefizite zu beheben, die unsere Schülerinnen und Schüler haben.“
Für die Schüler der Gräfenauschule, die noch kein Deutsch sprechen, wurden vier Mal die Woche für jeweils zwei Stunden Kurse im städtischen „Spielhaus“ im Hemshofpark eingerichtet. Zur Verfügung stünden im „Spielhaus“ jedoch nur 18 bis 20 Plätze. „Den Rest des großen Bedarfs müssen wir mit dem sogenannten DaZ-Unterricht, also im Fach Deutsch als Zweitsprache abfangen.“ Dafür stehen der Gräfenauschule aktuell eine Vollzeitkraft sowie drei Lehrkräfte für herkunftssprachlichen Unterricht zur Verfügung.
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