Müdigkeit am Arbeitsplatz: Schlafverhalten beeinflusst Leistungsfähigkeit enorm
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Lange im Büro geblieben, früh wieder raus und tagsüber mit Kaffee dopen – das ist der Alltag für viele Deutsche. Doch was als fleißige Tugend gehandelt wird, birgt häufig kontra-produktive Folgen. Das belegen eine Reihe von Studien, wie die Wirtschaftswoche berichtet.
Fast die Hälfte aller Berufstätigen leidet während der Arbeit unter Müdigkeit. Allerdings nehmen nur wenige Unternehmen das Thema Schlaf ernst – obwohl es gerade der gesunde Schlaf ist, der Leistungsfähigkeit und Produktivität der Mitarbeiter maßgeblich fördern kann. Eine Mitarbeiterbefragung bei der Firma T-Systems, einer Tochter der Telekom, brachte dem Unternehmen erhellende Erkenntnisse – und rückt die Themen Schlaf und Schlafstörungen in den öffentlichen Fokus.
Schlafprobleme sind eine unterschätzte Volkskrankheit
Die Daten sind eindeutig: Eine Umfrage der DAK im Jahr 2017 unter 5200 Erwerbstätigen ergab, dass vier von fünf Befragten mindestens einmal pro Woche schlecht schlafen. Fast die Hälfte klagte über häufige Müdigkeit im Job. Eine weitere Studie der Techniker Krankenkasse zeigte, dass jeder zweite Erwachsene höchstens sechs Stunden pro Nacht schläft. Chronische Schlafstörungen betreffen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung.
Schlafverhalten beeinflusst Leistungsfähigkeit enorm
Obwohl der Schlaf offensichtlich so wichtig für die Arbeitsleistung ist, engagieren sich nur wenige Unternehmen in diesem Bereich. Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité, betont im Gespräch mit der Wirtschaftswoche, dass Schlafmangel ein erheblicher Risikofaktor ist, der die kognitiven Funktionen beeinträchtigt und das Risiko von Fehlern am Arbeitsplatz erhöht. Zusätzlich erhöhe die Müdigkeit die Reizbarkeit, was zu Konflikten am Arbeitsplatz führen kann.

Prof. Dr. Ingo Fietze ist Schlaf-Experte.
„Die individuelle Leistungsfähigkeit wird durch kaum etwas so stark beeinflusst wie durch das Schlafverhalten“, sagt Fietze.
In Australien verlieren junge Berufstätige mit Schlafstörungen jährlich durchschnittlich vier Arbeitswochen an Produktivität. Die Rand Corporation schätzt, dass Schlafstörungen die US-Wirtschaft jährlich bis zu 208 Milliarden Dollar kosten.
Schlafcoaching am Arbeitsplatz
T-Systems hat auf diese Erkenntnisse reagiert und bietet seinen Mitarbeitern nun geschulte Ansprechpartner für Schlafprobleme, eine Informationsplattform im Intranet und individuelles Schlafcoaching an. Auch kurze Nickerchen während der Arbeit werden inzwischen gefördert. Letztere sind in deutschen Betrieben weiterhin verpönt, doch möglicherweise sorgt das besondere Augenmerk der jungen Generation auf die „Work-Life-Balance“ für ein Umdenken beim Thema „Powernap am Arbeitsplatz“.
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