NIUS sprach mit einem Augenzeugen des Terrors von Solingen: „Mein Freund starb in meinen Armen“
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Solingen hat am vergangenen Freitag ein unfassbares Verbrechen erlebt. Auf dem Fest zum 650. Jahrestag der Stadtgründung, mitten im Herzen der Stadt, wurde ein grausamer Anschlag verübt, der das Leben vieler Menschen für immer verändert hat. Dort, direkt vor der Bühne, stach der ISIS-Terrorist gnadenlos auf wehrlose Menschen ein.

Eine Drohnen-Aufnahme zeigt den Tatort direkt vor der Festbühne.
NIUS sprach mit einem Augenzeugen und Ersthelfer, der die grausame Tat miterleben musste. Er kämpfte um das Leben seines Freundes Stefan S. (67), während der IS-Terrorist in nächster Nähe weiter mordete. Stefan S., Vorstand des Solinger Kulturzentrums „Cobra“, verblutete auf dem Asphalt. Am Sonntagnachmittag kehrte sein langjähriger Freund und Augenzeuge noch einmal zum Ort des Geschehens zurück, wo inzwischen viele Blumen und Kerzen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt worden waren.

Trauernde Solinger Bürger haben Blumen, Kerzen und Beileidsbekundungen am Tatort abgelegt.
Im Gespräch schildert er den Moment des Angriffs auf Stefan S.: „Ich war mit meinem Freund da, den ich seit 40 Jahren kannte.“ Auf der Bühne spielte gerade Suzan Köcher’s Suprafon. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Besuchern des Festes standen er und sein Freund vor der Bühne. Gegen 21:30 Uhr passierte dann das Unvorstellbare. Die Bühne, die eigentlich ein Ort der Freude sein sollte, wurde zum Schauplatz einer schrecklichen Tat.
„Plötzlich fielen mehrere Personen um uns einfach zu Boden“
„Er stand direkt neben mir, als der Täter auf ihn einstach. Plötzlich fielen mehrere Personen um uns einfach zu Boden“, erzählt der Ersthelfer.
Berichten der Polizei zufolge handelte der Angreifer mit erschreckender Zielstrebigkeit. Er stach gezielt auf den Hals und den Oberkörper seiner Opfer ein, ohne ihnen die geringste Chance zu lassen. „Es sah so aus, als wüsste er genau, was er tat“, hieß es dazu von den Ermittlern.
Die Erinnerung daran scheint ihn zu überwältigen, doch er berichtet weiter: „Sie sahen alle aus, als würden sie sterben. Man hat so viel Angst in den Gesichtern gesehen. Mein Freund begriff nicht, was mit ihm passiert.“

Der abgedeckte Leichnam eines Opfers
„Ich bin da geblieben, er ist doch mein Freund“
Der Ersthelfer, der vor vielen Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatte, erinnerte sich an das Gelernte und presste seine Hand auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen. „Ich versuchte, die Blutung zu stoppen, indem ich meine Hand dagegen presste. Ich schrie um mich herum ‚presst alle so fest es geht!‘“, erzählt er. Trotz des Schocks blieb er an der Seite seines Freundes und versuchte, ihm zu helfen. „Ich bin da geblieben, wollte ihm helfen. Er ist doch mein Freund.“
Die Schilderung des Mannes ist kaum auszuhalten. Er stand im Blut seines Freundes, kämpfte verzweifelt um dessen Leben, und wurde dabei selbst zum Zeugen eines unfassbaren Verbrechens. „Ich war von oben bis unten im Blut meines Freundes bedeckt. Selbst meine Schuhe waren voll mit Blut gelaufen.“
Solingen wird lange brauchen, um sich von diesem Angriff zu erholen. Was bleibt, ist die Trauer um die Opfer und die Hoffnung, dass die Stadtgemeinschaft in dieser schweren Zeit zusammensteht.
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