Oliver Pocher über Deutschland: „Es geht rapide in die falsche Richtung. Es muss richtig knallen und scheppern, dass die Leute hier aufwachen”
Ein Beitrag von
Er ist einer der erfolgreichsten Comedians. Er lebt in Köln, kann sich aber auch vorstellen, auszuwandern. Er glaubt, Stefan Raab sei erledigt, das Fernsehen bald auch. Er ist Unternehmer und kritischer Bürger. Oliver Pocher nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um den Zustand der Medienlandschaft, aber auch den des Landes geht.
In der aktuellen Folge des Podcasts „Tomorrow – Business. Stars. Lifestyle“ von GQ-Chefredakteur Tom Junkersdorf rechnet er mit der deutschen Politik ab – und das ist erst der erste Teil:
„Jetzt geht’s wirklich rapide in die falsche Richtung, und es ist interessant, wo das Ganze aufhört. Ich glaube, es muss richtig knallen und scheppern, dass die Leute hier aufwachen und auch merken, dass sich Sachen hier ändern. Es wird ja immer noch gelabert und Bürokratieabbau und hier und da, und Bürgergeld wird jetzt Twix und dann Raider, und danach heißt es wieder Hartz 4. Es funktioniert nicht so, dieses System. Entweder machst du Bürokratieabbau oder halt nicht. Es wird richtig knallen, und wir sind auf dem besten Weg.“

Oliver Pocher hat seine eigene App und führt mehrere Unternehmen.
„Wir werden mit Homeoffice und Work-Life-Balance nicht weiterkommen“
Der 48-Jährige bemängelt in dem rund eineinhalbstündigen Gespräch, dass Deutschland eigentlich handlungsstark sei, sich aber oft selbst lähmt:
„Als es auf einmal hieß, wir haben kein Gas, konnten wir innerhalb von 10 Monaten LNG-Terminals bauen. Jetzt auf einmal reden wir über Mini Atomkraftwerke. Ich glaube, Deutschland ist immer noch in der Lage, sehr schnell zu reagieren. Und wenn du eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt bist, hast du die Möglichkeit, über Geld auch Sachen zu regeln. Aber wir werden mit Homeoffice und Work-Life-Balance nicht weiterkommen und mit ‚Wir haben ja ’nen Sozialstaat, dann nehm’ ich erstmal Arbeitslosengeld‘. Das wird nicht unendlich so weitergehen.“
Der Vater von fünf Kindern lebt in Köln, betreibt seine Unternehmen (Produktions- und Vermarktungsfirmen) laut eigener Aussage jedoch mit einem Geschäftspartner, der in der Schweiz lebt. Ist es für ihn eine Option, Deutschland zu verlassen?
„Ich würde gerne hierbleiben, nutze ehrlicherweise aus diesem System relativ wenig, meine Kinder nutzen das Schulsystem hier nicht wirklich.“
„Du bist ja in ’ner Dauerprüfung dem Staat gegenüber“
Zur Rechtsprechung in Deutschland sagt er:
„Wenn ich vor Gericht gehe, kann ich ’ne Münze werfen: Das ist mal irgendwie ok, mal weniger. Muss ich aber so akzeptieren, wie es ist. Thema Steuererklärung: Du bist ja in ’ner Dauerprüfung dem Staat gegenüber, so nach dem Motto. Sie behandeln dich, als ob du ein Schwerverbrecher bist. Das ist denen scheißegal.“
Pocher, der eine eigene Streaming-Plattform und eine App betreibt und 1,6 Millionen Instagram-Follower hat, kritisiert die Behandlung von Unternehmern hierzulande – vor allem, was die Steuern angeht:
„Ich hab’ nie eine Coronahilfe gehabt oder irgendwas anderes, das ist denen total wumpe. Es wäre einfacher, wenn ich irgendein Banker wäre. Aber der wird ja auch irgendwann (steuerlich, Anm. d. Red.) festgesetzt. Aber wenn ich sage: Ich kauf’ jetzt Galeria Kaufhof mit ’ner halben Milliarde, dann hast du den Müll nicht wirklich. Du wirst da auch ein bisschen gegängelt. Und dann wird geprüft. Aber ok, so isses halt.“
„Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass ich hier bin“
Seit 2024 ist Oliver Pocher von seiner zweiten Ehefrau Amira geschieden. Sein Geschäftspartner sei in der Schweiz, berichtet der Unternehmer im Podcast. Er sei sehr viel unterwegs und könne faktisch von überall arbeiten:
„Ich bin in Deutschland, aber es ist nicht in Stein gemeißelt, dass ich hier bin. (…) Für mich wäre – wenn – die Schweiz das Interessanteste, von der Schweiz aus zu agieren. Ich finde das landschaftlich, klimatisch superinteressant, auch gerade den Zürcher Raum, die Berge. Du hast ’nen Top-Flughafen, eine Top-Infrastruktur, kannst überallhin. Klar hast du dann auch ein anderes Steuermodell, zahlst aber auch vieles davon wiederum drauf für andere Immobilienpreise, Lebenshaltungskosten.“
Er sei fast gar nicht mehr an die Nähe von Fernsehstudios gebunden, so Pocher. Auch die USA seien ein mögliches Auswanderungsziel. Der zweite Teil des Podcasts verspricht weitere spannende Einblicke.
Mehr NIUS:
Radiosender für „Diversität, Gesellschaft, Popkultur”: Jetzt tobt die Linke über das „Cosmo”-Aus
Potsdam räumt neue Hausbesetzung nach wenigen Tagen – aber duldet linkes Hausprojekt seit fast 18 Jahren
Weil er Pfandflaschen für 58,25 Euro sammelte: Rentner aus Hamburg wurde Grundsicherung gekürzt
„Ich muss Fahrtwind haben“: Bärbel Bas fährt mit dem Motorrad in Schlangenlinien durch den Stau
Ist der Begriff „Zigeuner“ diskriminierend?
Antisemit der Woche: SPD-Politiker Adis Ahmetović wirft Israel „Ermordung von über 80.000 Menschen” in Gaza vor
Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Mehr NIUS:
„Ich muss Fahrtwind haben“: Bärbel Bas fährt mit dem Motorrad in Schlangenlinien durch den Stau
Ist der Begriff „Zigeuner“ diskriminierend?
Antisemit der Woche: SPD-Politiker Adis Ahmetović wirft Israel „Ermordung von über 80.000 Menschen” in Gaza vor
Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Melanie Grün
Artikel teilen
Kommentare