Pfand – einer der größten Arbeitgeber Deutschlands
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- 1.030.000 Menschen in Deutschland sind auf das Sammeln von Pfandflaschen angewiesen.
- Wäre Pfand ein Arbeitgeber, wäre es einer der größten in Deutschland.
- Insbesondere Rentner sind immer öfter von Armut bedroht.
Rund eine Million Menschen sind in Deutschland auf das Sammeln von Pfand angewiesen. 23 Prozent davon bezeichnen das Sammeln von Pfandflaschen und -dosen sogar als ihre einzige Einkommensquelle. „Wäre Pfand ein Arbeitgeber, hätte er 237.000 Angestellte.“, schreibt die Initiative „Pfand gehört daneben“ des Getränkeherstellers Fritz-Kola auf ihrem Instagram-Account.
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Mehr „Angestellte" als die Deutsche Bahn
Damit hat das Flaschenpfand in Deutschland mehr Angestellte als die Deutsche Bahn und nur etwas weniger als die Evangelische Kirche.
Die Realität in vielen Städten: Flaschensammler sind seit Jahren fester Bestandteil des Straßenbildes. Vor allem Rentner und Bürgergeld-Empfänger bessern mit dem Griff in den Mülleimer ihre Haushaltskasse auf. Auch deshalb werben Initiativen wie „Pfand gehört daneben“ darum, die eigenen Flaschen nicht im Mülleimer zu entsorgen, sondern daneben zu stellen. Ziel: Ein wenig mehr Respekt für jene, die keine andere Wahl haben.
Es ist eine pragmatische Art mit der zunehmenden Armut im Land umzugehen. Ganz nach dem Motto: Wenn man schon die Zustände nicht ändern kann, dann kann man den Betroffenen doch zumindest zu ein wenig mehr Würde verhelfen.
Dabei war die Einführung des Flaschenpfandes in Deutschland ursprünglich sicher nicht als Maßnahme zu Bekämpfung von Armut gedacht. Vor 20 Jahren führte die rotgrüne Regierung die Pfandpflicht für Mineralwasser, Bier und kohlensäurehaltige Getränke ein. Je nach Größe wurden so zwischen 8 und 25 Cent pro Flasche und Dose fällig. Zwei Jahre später wurde mit der Dritten Verordnung zur Änderung der Verpackungsverordnung die seit 2003 wirksame Pfandpflicht auf alle Einweggetränkeverpackungen ausgeweitet.
Hintergrund: 2002 lag die Mehrwegquote nur noch bei 60 Prozent, gesetzlich vorgeschrieben waren jedoch 72 Prozent. Die Einführung des Pfands sollte also die Mehrwegquote wieder steigern. Es war neben dem Atomausstieg eine der umstrittensten Regierungsreformen jener Jahre.
Symbol für steigende Armut in Deutschland
Heute ist das Bild des flaschensammelnden Rentners, ähnlich wie die Schlangen vor den Tafeln, zum Symbol eines Landes geworden, in dem Anspruch und Wirklichkeit mittlerweile auf vielen Ebenen weit auseinander klaffen. 680.000 Rentner waren im ersten Quartal 2023 auf Grundsicherung angewiesen. So viele wie noch nie. Das deutsche Rentenniveau liegt mit knapp 48,15 Prozent deutlich unter dem anderer europäischer Länder wie Frankreich, Spanien oder auch Italien. Spitzenreiter sind die Niederländer. Ihr Anspruch entspricht 89,2 Prozent des letzten Nettogehalts.
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